Kind braucht Organspende: Auf schnellen Eintrag in Warteliste dringen

Von: Tobias Hanraths, dpa
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Organspende
Trotz jahrelanger Kampagnen sinkt derzeit in Deutschland die Zahl der gespendeten Organe wieder - bei steigendem Bedarf. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Kranke Kinder müssen nach Angaben von Experten in Deutschland zu lange auf lebenswichtige Organspenden warten. Eltern schwer kranker Kinder sollten deshalb auf einen baldigen Eintrag in die Warteliste für Organempfänger dringen, empfiehlt Prof. Günther Kirste von der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

„Manche Ärzte sind da etwas zögerlich und wollen erst die Ergebnisse anderer Behandlungen abwarten.”

Kinder werden bei der Verteilung von Spenderorganen zwar bevorzugt behandelt. Die Wartezeiten seien aber noch immer sehr lang, kritisierte der Medizinische Vorstand der Stiftung in Frankfurt. „Durchschnittlich wartet man in Deutschland sechs bis sieben Jahre auf eine Spenderniere. Kein krankes Kind hat so viel Zeit.”

Kinder können je nach Organ und Krankheit zwar auch Spenderorgane von Erwachsenen annehmen. Die Leber zum Beispiel kann mit einem speziellen Verfahren geteilt werden und so zwei Kranken helfen. Ein schwer herzkrankes Kind kann aber nur mit dem Herz eines anderen Kindes überleben. Damit sei es aber nicht getan, sagte Kirste: „Auch das Alter und die Gewebestruktur von Spender und Empfänger müssen möglichst vollständig übereinstimmen.” Bis ein solches Organ gefunden ist, dauere es teilweise sehr lange.

Der Grund für die langen Wartezeiten ist dem Experten zufolge jedoch nicht nur die mangelnde Verbreitung von Organspendeausweisen, sondern auch schlechte Organisation: „Krankenhäuser sind verpflichtet, potenzielle Organspender vollständig zu melden. Oft genug passiert das aber nicht”, kritisierte Kirste. Hier seien auch die Länder gefragt, die ihre Aufsichtspflicht über die Krankenhäuser erfüllen müssten.

Organspendeausweise gibt es erst für Menschen ab 16 Jahren. Stirbt ein Kind vorher, können die Eltern entscheiden, ob die Organe gespendet werden sollen. „Viele Eltern, deren Kind zum Beispiel tödlich verunglückt ist, kommen von selber auf diese Idee”, sagte Kirste. „Viele tröstet die Idee, dass aus dem Tod des Kindes noch etwas Gutes für jemand anderen entsteht.”
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