Keine Angst vor Erster Hilfe: Was man tun muss und kann

Von: Norbert Michulsky, ddp
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Bonn. Auf einen Unfall sollte jeder vorbereitet sein. Fast eine halbe Million Menschen wurden im vergangenen Jahr im Straßenverkehr verletzt.

„Das heißt, die Möglichkeit, einmal Erste Hilfe leisten zu müssen, ist relativ groß”, kalkuliert Marion Pieper-Nagel vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn und nennt die oberste Regel: „Bewahren Sie einen kühlen Kopf.”

„Rechts ranfahren, Warnblinkanlage einschalten, vorsichtig aus dem Fahrzeug aussteigen, zur Sicherheit eine Warnweste überziehen, sich möglichst schnell einen Überblick über die Unfallsituation verschaffen sowie die Unfallstelle absichern”, skizziert Albrecht Trautzburg vom AvD, was auf der To-do-Liste für Unfallhelfer ganz oben steht. Das Warndreieck sollte in mindestens 100 Metern Entfernung vor dem Unfallort aufgestellt werden, auf Autobahnen oder unübersichtlichen Strecken sogar noch weiter vorn. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, sei es ratsam, sich stets hinter den Schutzplanken oder nur am Rand des Seitenstreifens zu bewegen. Selbst beim Herbeiwinken von Hilfe sollte ein direktes Betreten der Fahrbahn vermieden werden.

Jetzt sollte die Polizei über die Notrufnummern 110 oder 112 verständigt werden. Bei der Benachrichtigung der Rettungsleitstelle die fünf Ws beantworten: Wo ist der Notfallort? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Art von Verletzung/Erkrankung liegt vor? Warten auf Rückfragen.

Erst danach gilt alle Aufmerksamkeit etwaigen Verletzten. „Mit Ihrer Ersten Hilfe können Sie den Verletzten möglicherweise sogar das Leben retten. Also haben Sie keine Angst, handeln Sie rasch, beherzt, notfalls auch energisch und beziehen Sie weitere Herumstehende in die Rettungsaktion ein”, rät DVR-Fachfrau Pieper-Nagel. Zunächst einmal sollte man nachsehen, ob es bewusstlose Verletzte gebe. Um die sollte man sich zuerst kümmern. Zum Freihalten der Atemwege und damit zum Überleben müssten sie unmittelbar in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Sofern starke Blutungen erkennbar seien, könnten diese durch einen Druckverband gestillt werden. Zeige der Verletzte Zeichen eines Schocks, wie zum Beispiel blasse Haut, Schweißbildung im Bereich des Gesichtes oder Frieren, müsse er in die Schocklage gebracht werden. „Das heißt: Kopf tief und Beine hoch”, erklärt Pieper-Nagel.

Man kann es nachempfinden: Für Unfallopfer ist die Ungewissheit über mögliche Verletzungen und das Gefühl, lange und allein auf professionelle Hilfe warten zu müssen, am schlimmsten.

Genau da können Unfallzeugen ansetzen: Die Verunglückten sollten spüren, dass sich jemand bewusst um sie kümmert. „Das wirkt auch gleich den Schockfolgen entgegen”, weiß Axel Uhle von TÜV Süd. Konkrete Hilfen, die den Beteiligten direkt angeboten würden, seien dabei am nützlichsten. „Wer ankündigt, den Rettungswagen zu verständigen oder Decken und Kissen zu organisieren, macht Mut”, schildert Uhle seine Erfahrungen. Auch das Halten der Hand oder beruhigende Worte signalisierten, dass der Betroffene nicht alleingelassen werde.

Wenn keine Personen zu Schaden gekommen sind, sollten Helfer am Unfallort hinter der Leitplanke auf das Eintreffen der Polizei warten und sich als Zeugen zur Verfügung stellen. Vor dem Eintreffen der Polizei und der offiziellen Aufnahme des Unfallhergangs darf sich niemand von der Unglücksstelle entfernen, der am Unfallhergang beteiligt war - so schreibt es der Paragraf 142 StGB grundsätzlich vor.

Handelt es sich bei dem Unfall allerdings nur um einen leichten Blechschaden, muss die Polizei nicht zwingend verständigt werden. Die Räumung der Unglücksstelle für den folgenden Verkehr hat dann Priorität. Die Einigung der Unfallbeteiligten kann auch neben der Fahrbahn erfolgen. Für die Versicherungen ist eine Dokumentation der Schäden, möglichst mit dem Formblatt des Europäischen Unfallberichts, ratsam. Falls man eine Kamera zur Hand hat, sollten zusätzlich Fotos gemacht werden.

„Doch egal, wie schwer der Unfall auch ist, eines ist immer wichtig: den fließenden Verkehr beobachten und auf die eigene Sicherheit achten”, betont Marion Pieper-Nagel: „Vor allem bei Arbeiten am Auto auf der der Fahrbahn zugewandten Seite, beispielsweise beim Bergen von Verletzten, ist höchste Vorsicht geboten. Schon der Luftzug eines vorbeifahrenden Lastwagens kann zu einem lebensgefährlichen Sturz auf die Fahrbahn führen.”
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