Keime im Krankenhaus: Patienten sollten die Hygiene im Blick haben

Von: Eva Neumann, dpa
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Krankenhauskeime
„Haben Sie sich vorher die Hände desinfiziert?”: Das ist eine Frage, die Patienten in einer solchen Situation durchaus stellen sollten. Foto: dpa

Berlin. Wer ein Krankenhaus aufsucht, will gesund werden. Doch immer wieder verunsichern Schlagzeilen über Hygiene-Skandale die Patienten, zum Beispiel über Infektionen durch „Krankenhaus-Keime”. „Unter der Überschrift Krankenhaus-Keime stellt sich der Laie Keime vor, die nur im Krankenhaus vorkommen.

Das ist ein Trugschluss: Die Keime, von denen hier die Rede ist, trägt jeder Mensch mit sich herum”, erklärt Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

So siedeln etwa Staphylococcus aureus im Nasen-Rachen-Raum, Escherichia coli, Pseudomonaden und Enterokokken im Darm. Dort sind sie ungefährlich, ja sogar notwendig für den Körper, zum Beispiel für die Verdauung. „Das Problem entsteht dann, wenn sie in Bereiche des Körpers gelangen, wo sie nichts zu suchen haben, zum Beispiel ins Blut oder in sterile Räume wie die Blase und die Lunge”, sagt Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité in Berlin.

Das kann auch in einer Praxis, einem ambulanten Zentrum, einem Pflegeheim oder sogar zu Hause passieren. Doch im Krankenhaus ist das Risiko erheblich höher: Im Mittel sind Zastrow zufolge etwa fünf Prozent der Krankenhaus-Patienten von einer solchen Infektion betroffen - das entspricht mehr als 800 000 Erkrankungen im Jahr.

Die - verkeimte - Klinke in die Hand geben

In der Klinik geben Personal, Patienten und Besucher einander die Klinke in die Hand. Die Keime wandern munter von einem zum nächsten. Bei einer Operation, über einen Beatmungsschlauch, eine Kanüle oder einen Katheder gelangen die Erreger dann in die Wunde, das Blut oder die Lunge des Patienten. Dort lösen sie eine Lungenentzündung, Herzkrankheit, Harninfektion oder sogar Blutvergiftung aus. Wie gefährlich eine solche Entzündung wird, hängt vom Zustand des OP-geschwächten Patienten ab.

Aber auch vom Erreger: Besonders gefürchtet sind multiresistente Erreger wie MRSA, VRE und ESBL. Bei ihnen zeigt die Mehrzahl der Antibiotika keine Wirkung. „Sie verursachen keine anderen Infektionen als die anderen Keime, doch diese sind viel schwerer zu behandeln und verlaufen in der Regel viel schwerer”, erläutert Zastrow. „Das liegt daran, dass man länger nach einem Antibiotikum suchen muss, das wirkt.” Nach Zastrows Angaben enden 20.000 bis 40.000 Infektionen jährlich tödlich. „Bei der Beurteilung der Todesfälle ist ganz schwierig: Ist ein Patient im Krankenhaus verstorben, weil er eine bestimmte Infektion hatte? Oder ist er mit dieser Infektion verstorben?”, sagt Gastmeier.

Ein großer Teil der Infektionen, aber auch enorme Folgekosten ließen sich vermeiden - durch bessere Hygienemaßnahmen nicht nur im OP, sondern auch bei der Visite und Wundinspektion am Tag danach sowie im Krankenhaus insgesamt. Voraussetzung für die strikte, flächendeckende Umsetzung von Hygienemaßnahmen wären einheitliche Vorschriften und deren Überwachung.

Die Patienten selbst können wenig zur Hygiene beitragen. Doch sie können sich immer vor einem geplanten Klinikaufenthalt über die dortigen Maßnahmen informieren. „Dass ein Krankenhaus über eine Abteilung für Hygienemanagement verfügt, ist alleine noch kein Zeichen dafür, dass es um die Hygiene im Haus hervorragend bestellt ist”, sagt Gastmeier. „Aussagekräftiger sind Qualitätsberichte oder Internetseiten, wo dargestellt wird, in welchen Abteilungen mit welcher Regelmäßigkeit das Auftreten von Infektionen beziehungsweise multiresistenten Erregern statistisch erfasst und analysiert wird.”

Julia Nill, Gesundheitsberaterin bei der Verbraucherzentrale in Karlsruhe, empfiehlt: „Das Aufnahmegespräch ist eine gute Möglichkeit, auch über Hygiene zu sprechen. Zudem gibt es in jedem Krankenhaus mit mehr als 400 Betten einen Krankenhaushygieniker, den man um einen Termin bitten kann.” In kleineren Häusern sei eine Fachschwester für Hygiene ansprechbar. Der wichtigste Effekt solcher Gespräche ist das deutliche Signal: Mir ist Hygiene wichtig. „Je mehr Patienten fragen, umso mehr wird das Personal sensibilisiert.”

Dann kann der Patient die Augen offen halten. „Patienten können versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen, ob vor und nach Patientenkontakt eine Händedesinfektion durchgeführt wird”, sagt Gastmeier. In vielen Klinken sind die Behälter der Desinfektionsflüssigkeit jedoch im Gang und so außerhalb der Sichtweite des Patienten angebracht. Zudem greift das Personal nach der Desinfektion zur Türklinke. „Nur wenige Patienten werden den Arzt kritisch ansprechen”, vermutet Nill. Autoritätsgläubigkeit, Furcht vor möglicher schlechterer Behandlung und häufig auch schlicht der schlechte eigene Zustand des Patienten könnten Gründe dafür sein.

Test auf eigene Kosten vor dem Klinik-Aufenthalt

Patienten können sich selbst auf eigene Kosten vor einem Klinikaufenthalt auf multiresistente Erreger testen lassen. „Doch das bietet nur eine begrenzte Sicherheit: Die Erreger übertragen sich enorm leicht. Sie können von jedem anderen Träger ins Krankenhaus und in die Wunde geschleppt werden”, sagt Klaus-Dieter Zastrow von der Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Die Verbraucherschützerin Julia Nill hält solche Tests dennoch für sinnvoll - nicht nur, weil sie helfen, multiresistente Erreger einzudämmen. „Wenn die Träger von Erregern bekannt sind, kann das Krankenhaus gezielt entsprechende Maßnahmen ergreifen, um Übertragungen zu vermeiden.” Und das Personal wisse, auf welche Antibiotika der Träger nicht reagiert und könne im Notfall besser behandeln.

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