Jugendmediziner: Durch Krise mehr psychosomatische Störungen

Von: kna
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Hamburg. Mediziner befürchten negative Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Die Zahl der psychischen und körperlichen Störungen bei jungen Menschen werde sich erhöhen, sagte der Hamburger Mediziner Michael Schulte-Markwort am Dienstagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er ist Präsident der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwochabend in Hamburg eröffnet.

„Wir müssen nicht beunruhigt sein, dass die Kinder zu viel vor dem Computer sitzen, wir müssen uns um Armut kümmern”, so der Ärztliche Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Hamburger Universitätsklinikum. Gerade im Zeichen der Krise seien Armut und soziale Herkunft „das Thema der Zukunft”.

So liege die Zahl der Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen in der untersten sozialen Schicht bei etwa 30 Prozent, in der obersten bei rund 16 Prozent.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter sei „schon jetzt dramatisch”, sagte Schulte-Markwort. Er rechne mit einer Zunahme des Schweregrades der Störungen. Das gelte auch für psychosomatische Störungen wie Fettleibigkeit oder Allergien. Diese würden oft zu wenig beachtet, „weil sie meistens bei den Hausärzten verbleiben”. Bereits im Säuglingsalter seien Störungen zu beobachten, wie etwa bei sogenannten „Schrei-Babys”.

Der Mediziner bemängelte, das die Gesellschaft Kindheit nicht angemessen würdige. Es sei eine „bodenlose Respektlosigkeit” Erzieherinnen und Kindern gegenüber, wenn in einem Kindergarten eine einzige Erzieherin 20 Vierjährige betreuen müsse. Je kleiner die Kinder seien, desto unwichtiger seien sie offenbar. So sei nicht zu verstehen, warum Grundschullehrer weniger verdienten als Gymnasiallehrer, kritisierte Schulte-Markwort.

Bei der Jahrestagung wollen rund 1.500 Teilnehmer sich bis Samstag unter anderem mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS oder zu Essstörungen wie Magersucht und Bulimie befassen.
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