In Schlamm baden statt in Stress versinken

Von: Barbara Erbe, dapd
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Bad Sobernheim. Sich einmal so richtig „dreckig” machen, das fällt den meisten Menschen nicht leicht, weiß Matthias Menschel, Arzt und Leiter eines Kurhauses in Bad Sobernheim. Wer aber einmal in ein Schlammbad eingetaucht ist, fühlt sich darin meist rundum wohl.

Das berichtet der Sprecher des Deutschen Wellnessverbandes: „Die Bäder sind nicht nur heilsam für Knochen, Nerven und Gelenke. Sie bieten auch eine tiefe sinnliche Erfahrung, die gerade kopflastige Menschen im wahrsten Sinne des Wortes erdet.”

Denn wer im Schlamm liegt, genießt Ruhe und Natur. „Wie von selbst beginnen viele, mit ihren Fingern gedankenverloren durch Lehm oder Heilderde zu gleiten oder zu kneten.”

Heilsamer Druck auf Venen und Bindegewebe

Eine knappe Stunde dauert ein Bad in „schlammförmigen Heilerden”, wie die Fachleute sagen. Die Wirkstoffe von Fango, Lehm, Schlick, Schlamm, Torf oder Kreide durchdringen dabei die Haut und wirken beruhigend und entzündungshemmend auf Muskeln, Knochen und Gelenke. „Besonders wohltuend ist das Ganze, wenn anschließend noch eine Massage dazukommt”, erklärt Menschel.

Mit Ausnahme des Lehmbades sind die Bäder wohlig-warm, zwischen 38 und 40 Grad Celsius. Das steigert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an, entspannt und lindert Schmerzen, etwa durch Rheuma oder Gicht. Im Vergleich dazu ist ein klassisches Lehmbad mit circa 28 Grad Celsius eher kühl. „Das gilt aber nur für die ersten fünf Minuten”, sagt Bäderexperte Menschel.

Denn der Lehm speichert die Körperwärme gut, so dass sich unter der Packung schnell wieder ein gemütliches Wärmeniveau einstellt. Dadurch, dass Lehm fester ist als die übrigen Heilerden, biete er noch einen weiteren Vorteil: „Er drückt ähnlich wie Kompressionsstrümpfe auf den ganzen Körper und stärkt damit Venen und Bindegewebe - die Beine fühlen sich hinterher ganz leicht an.”

Und da Lehm überdies basisch ist, entzieht er dem Körper auch noch schädliche Säuren, schwärmt Menschel.

Packungen sind auch in der Apotheke erhältlich

Vollbäder werden in der Regel nur im Kurbetrieb genommen, wo Patienten an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen in dieselbe täglich frisch aufbereitete Wanne steigen.

Auch Wellness- und Gesundheitshotels bieten Schlammanwendungen an, unter anderem mit Meeresschlamm, Kreide, Moor. (Unter wellnessverband.de informiert der Deutsche Wellnessverband über Heilerde, Kreide- und Schlammbäder.)

Teilpackungen aus der Apotheke kann man auch gut zu Hause anwenden, sagt Menschel: „Streichen Sie die Mischung etwa zwei Zentimeter dick auf die gewünschten Körperpartien, zum Beispiel auf das Knie auf, umhüllen Sie das Ganze mit einem alten Handtuch und lassen Sie es etwa eine Stunde lang einwirken.” Die Behandlung kann und sollte zumindest fünf Mal wiederholt werden.

„Nehmen Sie dazu ruhig immer wieder dieselbe Erde, die Sie in einem Gefäß aufbewahren und vor jeder Anwendung mit ein bisschen Wasser neu anrühren.” Hat die Erde ausgedient, wird sie in der Biotonne oder im Kompost entsorgt, keinesfalls im Abfluss. Sonst muss der Klempner kommen, denn ein normaler Hausabfluss könne sich durch die Erde verschließen.

Dass solche Behandlungen trotz ihrer nachgewiesenen guten Wirksamkeit nicht allzu verbreitet seien, liege vermutlich daran, dass sie eine gewisse Zeit erforderten, vermutet der Fachmann. „Aber es tut wirklich gut - und lohnt sich.”
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