In der Sommersonne lauern noch ganz andere Gefahren

Von: Bele Boeddinghaus, ddp
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München. Endlich ist der Sommer da: Die Sonne scheint, es ist warm und das schöne Wetter lockt nach draußen an den Grill, in den Garten oder an die Seen. Mit Badehose und Sonnencreme bewaffnet, zieht man ins Freie.

Aber ein Sonnenbrand ist nicht die einzige Gefahr, die von der Sonne ausgeht. Hält man sich zu lange in der prallen Strahlung auf, droht ein Sonnenstich, der im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich werden kann.

Bei einem Sonnenstich heizen sich Kopf und Nacken durch direkte Sonnenstrahlung stark auf, wodurch die Hirnhaut anschwillt und sich im Extremfall sogar entzünden kann. „Er äußert sich meist durch eine diffuse Benommenheit”, erklärt Heinz Jarmatz, Facharzt für Allgemeinmedizin in Barendorf. Die Betroffenen leiden dabei unter Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie klagen über Mattheit und gelegentlich auch einen steifen Nacken. In einigen Fällen werden sie zusätzlich von Ohrgeräuschen geplagt. Die Kopfschmerzen verschlimmern sich, wenn die Patienten den Kopf nach vorn beugen.

Die Betroffenen haben meist einen hochroten, heißen Kopf, wohingegen der Rest des Körpers und die Haut vergleichsweise kühl sind. Darin besteht der Hauptunterschied zum Hitzschlag: Während beim Sonnenstich nur Kopf und Nacken überhitzt sind, erhöht sich beim lebensgefährlichen Hitzschlag die Temperatur des ganzen Körpers auf über 40 Grad Celsius. Dabei treten Krämpfe auf und oftmals bildet sich durch akuten Wassermangel kein Schweiß mehr. Es kommt zu Bewusstseinstrübung und Schockzuständen: Das Gehirn kann dauerhaft geschädigt werden.

„Sehr heißes Wetter mit Sonnenschein und vor allem keinem Wind sind die besten Voraussetzungen für einen Sonnenstich”, erläutert Jarmatz. Besonders gefährdet sind dabei Säuglinge und Kleinkinder, sowie Menschen mit wenig oder sehr hellen Haaren. Bei kleinen Kindern schützen die wenigen Haare und die noch dünne Schädeldecke schlecht vor der Sonneneinstrahlung. Bei ihnen kann sich die gereizte Hirnhaut auch entzünden und der Sonnenstich kann lebensbedrohlich werden.

Was ist zu tun, wenn man bei sich oder anderen die Anzeichen eines Sonnenstichs erkennt? „Zunächst aus der Sonne raus und in den Schatten rein”, rät Willi Hofmann, Facharzt für Allgemeinmedizin in Berlin. Kühle, feuchte Tücher helfen, Kopf und Nacken abzukühlen - extreme Kälte würde den Körper nur zusätzlich belasten, daher sollten keine kalten Tücher verwendet werden. Ist der Patient bei klarem Bewusstsein, kann er zusätzlich gekühlte Getränke trinken - aber auch hier gilt: nicht eiskalt. Gerade Kleinkinder sollten beruhigt und nicht allein gelassen werden.

Sind die Beschwerden der Patienten nur sehr leicht, da sind sich die beiden Mediziner einig, müssen die Betroffenen nicht unbedingt zum Arzt gehen. Bessert sich der Zustand jedoch nicht, erbricht sich der Kranke oder wird sein Zustand allgemein schlechter, sollte er unbedingt einen Arzt aufsuchen. Erhöht sich die Körpertemperatur oder verliert der Patient sogar das Bewusstsein, ist sofort ein Notarzt zu rufen. Bis zum Eintreffen des Arztes sollte der Bewusstlose in die stabile Seitenlage gebracht und Atmung sowie Herzschlag sollten regelmäßig überprüft werden.

Einen Sonnenstich vermeidet man am besten, indem man direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken vermeidet. „Kopfbedeckungen - vor allem helle, die die Strahlung besser reflektieren - sind gerade bei Kindern ein wichtiger Schutz”, verdeutlicht Hofmann.

Lange Sonnenbäder sollten vermieden werden, und wer viel schwitzt, ist gut beraten, ausreichende Mengen nichtalkoholischer Getränke zu trinken, sonst bekommt der Körper Schwierigkeiten, seine Temperatur zu regeln. Besonders empfehlenswert sind elektrolythaltige Getränke, die gleichzeitig den Mineralienverlust des Körpers durch das Schwitzen ausgleichen und auch einem Hitzschlag vorbeugen.

Zudem sollten natürlich zu warme Kleidung und ungewohnte körperliche Anstrengungen in der Sonne ebenso vermieden werden wie lange Autofahrten mit kleinen Kindern. Ist eine Autofahrt unumgänglich, spendet ein Sonnenschutz für die hinteren Fenster den Kindern Schatten. Sonnenschutzmittel zum Auftragen bieten übrigens keinen Schutz vor Sonnenstich oder Hitzschlag: Sie schützen vor der kurzwelligen UV-Strahlung, die Sonnenbrand verursacht. Doch ein Sonnenstich wird von den langwelligeren Anteilen des Sonnenlichts, der Wärmestrahlung, ausgelöst.
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