Immuntherapie vor dem Pollenflug beugt allergischem Asthma vor

Von: Eva Neumann, dpa
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Pollen
Für Blütenpollen-Allergiker beginnt die Leidenszeit in diesem Jahr früher als normal. Foto: dpa

Hamburg/Berlin. Kaum neigt sich der Winter seinem Ende zu, beginnen Pollenallergiker wieder zu niesen und zu schniefen. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen in Hamburg beziffert ihre Zahl auf knapp zehn Millionen.

Andere Schätzungen gehen von 16 Millionen Patienten aus. Viele von ihnen begnügen sich damit, die Symptome zu bekämpfen.

Das kann fatale Folgen haben: „Mindestens jeder dritte Patient, der an einem allergischen Schnupfen leidet und diesen nicht richtig behandelt, wird über kurz oder lang an allergischem Asthma erkranken”, schätzt Verbandsvorstand Thomas Fuchs. Das ist dann nicht nur lästig, sondern möglicherweise lebensgefährlich.

Die sicherste Möglichkeit, diese Ausweitung der Krankheit zu verhindern, ist eine frühzeitige spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt.

„Optimal ist der Beginn der Immuntherapie spätestens fünf Jahre nach Auftreten der Pollenallergie”, sagt Prof. Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum der Charité Universitätsmedizin in Berlin.

Je früher die Immuntherapie beginnt, je weniger unterschiedliche Allergien vorliegen und je schwächer sie ausgeprägt sind, umso besser sind die Heilungsaussichten.

Bei der Hyposensibilisierung wird dem Körper zunächst eine sehr niedrige, dann langsam steigende Dosis des allergieauslösenden Stoffes zugeführt.

So wird das Immunsystem langsam an die Allergene gewöhnt. „Die Wirksamkeit dieser Behandlung wurde in zahlreichen Studien bestätigt und ist besonders bei Pollenallergikern sehr erfolgreich”, sagt Anja Schwalfenberg, Biologin und Beraterin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach.

Allerdings schränkt sie ein: Bei unzureichend behandeltem beziehungsweise schwergradigem Asthma bronchiale sei eine spezifische Immuntherapie nicht zu empfehlen.

„Der Goldstandard unter den Therapieformen ist die sogenannte subkutane Therapie, bei der die Allergene unter die Haut gespritzt werden”, erklärt Heidrun Holstein, Medizinerin bei der Verbraucherzentrale in Karlsruhe.

Diese Therapie wird seit vielen Jahren erfolgreich angewandt und ist gut erforscht. Sie hat jedoch auch Nachteile. „Zu Beginn der Therapie kommt der Patient zwei- bis dreimal wöchentlich - bei Depotpräparaten, die ihren Wirkstoff nach und nach frei geben, einmal wöchentlich - zum Arzt.”

Das bedeutet Aufwand und ist besonders für Berufstätige oft kaum zu schaffen.

Außerdem kann diese Therapie erst außerhalb der Pollensaison begonnen werden - wenn also kaum Pollen durch die Luft schwirren, die das Immunsystem des Allergikers zusätzlich auf Trab halten.

Auch mögliche Nebenwirkungen lassen sich nur bei einem beschwerdefreien Patienten sicher abgrenzen. Diese können von leichter Müdigkeit bis zum allergischen Schock reichen.

Deshalb müssen die Patienten nach ihrer Spritze eine halbe Stunde unter Beobachtung des Arztes bleiben.

Mittlerweile stehen auch Präparate zur Verfügung, die nicht mehr gespritzt werden müssen: Bei der sogenannten sublingualen spezifischen Immuntherapie werden Tropfen über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Für Gräserpollenallergien gibt es auch Tabletten. Nach einer exakten Diagnose hat die Therapie mit Tropfen oder Tabletten drei große Vorteile: „Sie ist bequem in der Handhabung. Sie kann auch in der Pollensaison begonnen werden. Und: Bislang sind keinerlei schwere Nebenwirkungen aufgetreten”, zählt Allergologe Bergmann auf.

Die größten Nebenwirkungen der gespritzten Präparate wurden bei Patienten mit einer Überempfindlichkeit der Bronchien - und dazu zählen Asthmatiker - nachgewiesen.

„Solche Patienten sollten zum einen mit Tropfen und zum anderen nur unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden.” Alle anderen Patienten müssen mindestens alle drei Monate in die Praxis kommen, um eine neue Verschreibung zu erhalten.

Letztlich muss der behandelnde Arzt entscheiden, welche Therapieform am besten geeignet ist. „Keine spezifische Immuntherapie ist allerdings ein Ersatz für eine ausreichende antiasthmatische Therapie”, sagt DAAB-Beraterin Schwalfenberg.

„Nur durch die regelmäßige Einnahme von entzündungshemmenden Präparaten kann das Asthma gut behandelt und verhindert werden, dass sich das Krankheitsbild weiter verschlechtert.” Außerdem ist die regelmäßige Lungenfunktionsprüfung beim Facharzt ein Muss.

Was Allergikern gegen Beschwerden hilft

Zu den wichtigsten Strategien, um Pollen aus dem Weg zu gehen, gehören:

- Vor allem während längeren Regenphasen und am frühen Morgen lüften.
- Den Pollenflug-Warndienst beachten.
- Blühende Bäume und Wiesen meiden.
- Blühenden Rasen nicht eigenhändig mähen.
- In der Haupt-Pollensaison Urlaub machen in einer Region, wo die „eigenen” Pollen nicht vorkommen.
- Am Schlafzimmerfenster Pollenschutzgitter anbringen oder bei geschlossenem Fenster schlafen.
- Das Auto mit einem Spezialfilter ausstatten und diesen regelmäßig auswechseln.
- Beim Aufenthalt im Freien Sonnenbrille mit Seitenschutz und eine Kopfbedeckung tragen.
- Die Haare vor dem Zubettgehen ausspülen.
- Nach dem Aufenthalt im Freien Kleidung wechseln.
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