Immer mehr kinderlose Paare erfüllen sich Babywunsch im Ausland

Von: Claudia Rometsch, epd
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Eizellen zur späteren Befruchtung sollten etwa bis zum 32. Lebensjahr entnommen werden, da später die Qualität abnehmen kann. Foto: ddp

Bochum/Bonn. Für Melanie und ihren Mann war klar, dass sie einmal Kinder haben wollen. Doch aus beruflichen Gründen schoben sie ihren Kinderwunsch immer wieder auf. Als Melanie schließlich mit 36 Jahren schwanger werden wollte, war es zu spät. Die niederschmetternde Diagnose: vorzeitige Menopause.

„Die Frauenärztin riet uns, unseren Kinderwunsch zu begraben”, sagt sie. „Doch jetzt denken mein Mann und ich über eine Eizell-Spende im Ausland nach.”

Tatsächlich sehen offenbar immer mehr der schätzungsweise 1,5 Millionen ungewollt kinderlosen Paare in Deutschland eine Behandlung im Ausland als letzte Chance, ein eigenes Baby zu bekommen. Denn dort werden Reproduktionsmethoden angeboten, die hierzulande verboten sind.

Genaue Erhebungen gibt es noch nicht. „Wir beobachten aber, dass dieses Phänomen seit etwa eineinhalb Jahren stark zunimmt”, berichtet die Vorsitzende des in Heidelberg ansässigen Beratungsnetzwerks Kinderwunsch Deutschland e.V., Petra Thorn. Auch pro familia beobachtet eine verstärkte Nachfrage nach Kinderwunschbehandlungen jenseits der Grenze.

Die größte Nachfrage bestehe nach Eizell-Spenden im Ausland, da diese in Deutschland nicht erlaubt sind, sagt Thorn. Einige Therapeuten hätten dazu monatlich mehrere Anfragen. Noch vor einigen Jahren sei die Kinderwunschbehandlung im Ausland so gut wie gar kein Thema gewesen.

Für Eizell-Spenden fahren deutsche Paare nach Erfahrungen des Beratungsnetzwerks Kinderwunsch vor allem nach Tschechien und Spanien. Wer sich durch die in Deutschland verbotene Embryoselektion höhere Chancen auf eine Schwangerschaft erhoffe, suche sein Glück vor allem in Osteuropa. Die Niederlande seien bevorzugtes Ziel für lesbische Paare, da sie in Deutschland wegen der unsicheren Rechtslage nur schwer eine Kinderwunschbehandlung bekämen.

Dass immer mehr Paare mit unerfülltem Kinderwunsch Hilfe im Ausland suchten, hänge auch mit der gestiegenen Mobilität und der EU-Erweiterung zusammen, sagt Dorothee Kleinschmidt, Ärztin und Familientherapeutin bei pro familia in Bochum. Außerdem werben ausländische Kliniken nach Kleinschmidts Angaben gezielt im Internet.

Das Problem: Diese Informationen seien oft unrealistisch, sagt Kleinschmidt. So werbe eine spanische Klinik auf ihrer Homepage mit einer Erfolgsquote von 61 Prozent bei Eizell-Spenden. Im europäischen Durchschnitt werden jedoch nur ein Viertel der Frauen durch diese Methode schwanger.

Hinzu kämen die ethischen Fragen einer solchen Behandlung, gibt Kleinschmidt zu bedenken. Denn die Eizell-Spenderin müsse sich einer hormonellen Behandlung und einer Operation unterziehen. Das berge, wie jeder medizinische Eingriff, Risiken.

Eine weitere Frage sei, ob die Spenderin freiwillig oder aus wirtschaftlicher Not handele, sagt Kleinschmidt. Zwar erlaube eine EG-Verordnung lediglich eine Aufwandsentschädigung. Doch da gebe es Spielraum. Ein Betrag von 1300 Euro, wie er beispielsweise in Tschechien zum Teil gezahlt werde, sei dort eine erhebliche Summe.

Vor diesem Hintergrund warnte der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich bereits vor einer Kommerzialisierung des weiblichen Körpers. Frauen aus ärmeren Ländern könnten zunehmend in die Lage gebracht werden, zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes Eizellen für wohlhabende Paare zu produzieren.

Hinzu komme, dass die im Ausland angewandten Methoden in Deutschland aus gutem Grund verboten seien, gibt der Bonner Medizinethiker Ulrich Eibach zu bedenken. Denn erlaube man die Auswahl und das Verwerfen von Embryonen, so erkenne man damit in letzter Konsequenz an, dass es lebensunwertes Leben gebe. Menschen, die vor der Entscheidung stünden, Kinderwunschbehandlungen in Anspruch zu nehmen, brauchten eine Beratung, die ihnen auch diese übergreifenden Zusammenhänge ihrer Entscheidung verdeutliche.

Doch die meisten Paare suchten vor einer Kinderwunschbehandlung im Ausland gar keine Beratungsstelle auf, beobachtet Petra Thorn vom Beratungsnetzwerk Kinderwunsch. Es sei bedenklich, dass sich viele nur auf die oft von ökonomischen Interessen gelenkten Inhalte aus dem Internet verließen. Derzeit sei das Netz von Beratungsstellen zu diesem Thema noch zu dünn, bedauert Pro-Familia-Therapeutin Kleinschmidt.
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