Im Frühjahr braucht der erschöpfte Mensch Licht, Luft und Bewegung

Von: Barbara Erbe. dapd
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gähnen / frühjahrsmüdigkeit

Marburg. Licht macht wach. Man sollte meinen, dass die Menschen also in diesen Tagen, in denen die Sonne nach und nach den Wecker ersetzt, in einem fort munterer werden. Stattdessen schleppen sich aber viele mit bleiernen Gliedern durch den Tag, immerfort gähnend, nicht selten auch schnupfend und schniefend.

„Ein Grund dafür ist ein unbemerktes Schlafdefizit”, erklärt der Diplom-Psychologe Werner Cassel vom Schlafmedizinischen Zentrum des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. „Wenn die Tage wieder länger werden, gehen die meisten Leute unwillkürlich ein bisschen später ins Bett und wachen ein bisschen früher auf.” Das kann im Sommer-Winter-Unterschied bis zu einer halben Stunde pro Nacht ausmachen. „Das ist Erholungszeit, die erst einmal fehlt.”

Schlafumstellung im Frühjahr

Und nicht nur das. Dadurch, dass sich der „Winterschlaf” über eine etwas längere Zeitspanne erstreckt als der „Sommerschlaf”, ist er „weniger dicht”, erläutert Cassel: „Der Schlaf wird insgesamt etwas flacher.” Was völlig in Ordnung ist, so lange er dafür länger dauert - was aber durch die kürzeren Frühjahrsnächte oft nicht mehr der Fall ist. Dazu kommt, dass der Speiseplan der meisten Menschen im Winter eher süß und fett als vitamin- und mineralstoffreich ist. Das Immunsystem, das auf eine gute Nährstoffversorgung angewiesen ist, ist nicht zuletzt deshalb nach dem Winter geschwächt, meint Cassel. „Auch das macht müde - und anfällig für Infekte. Die meisten Leute kriegen ihre große Erkältung deshalb eher im März als im Dezember.”

Gesunde Ernährung und frische Luft

Um wieder in die Gänge zu kommen, rät der Schlafexperte zu einer vollwertigen Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Gemüse und Obst. Ebenso wichtig sei es, so viel Licht „einzunehmen” wie möglich. „Denn Sonnenlicht ist für den frühjahrsmüden Menschen wie Medizin - zumal er es braucht, um Vitamin D zu bilden.” Je mehr Licht ein Mensch vor allem in der ersten Tageshälfte bekommt - ob auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause - desto tiefer kann er auch nachts schlafen, wenn das biologische Pendel von Aktivität auf Ruhe zurückschwingt, erklärt der Psychologe.

Das Licht aktiviert im Körper die Produktion des Hormons Serotonin, das für gute Stimmung und Wohlgefühl sorgt. Neben möglichst ausgiebigen „Lichtbädern” kurbeln auch Bewegung an frischer Luft und Wechselduschen Kreislauf und Hormonhaushalt an und fördern den nächtlichen Tiefschlaf. „Nach einer Anpassungszeit von drei bis vier Wochen ist dann meist wieder alles im Lot”, beruhigt Cassel.
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