Hochleistungen beim Canyoning für Körper und Geist

Von: Mascha Schacht, ddp
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Die unbändige Kraft des Wassers kann man beim Canyoning eindrucksvoll erleben. Foto: ddp

München. Der Mensch als Bezwinger der Natur - dieses Bild ist heute noch genauso falsch, wie es immer war. Zwar mag er sie bisweilen ein wenig gezähmt haben, doch kontrollieren kann er die ungezügelte Kraft der Elemente bis heute nicht.

Schluchten und Felsklüfte sind Orte, an denen man das eindrucksvoll demonstriert bekommt: Nach jedem Unwetter sehen die schroffen Täler ein wenig anders aus.

Eben diese Wildheit und Ursprünglichkeit fasziniert Menschen wie Herbert Fischer. Er ist Vorstandsmitglied des Deutschen Canyoning Vereins in München und somit Vertreter einer Sportart, die immer mehr Menschen in ihren Bann zieht.

„Wir erobern Schluchten, die dem Menschen aufgrund seiner physischen Grenzen meist verschlossen sind, erleben die Flora und Fauna der Bergwelt und die ungebändigte Kraft des Wassers hautnah, das beeindruckt natürlich enorm”, erklärt er den besonderen Reiz, der von dieser Kombination aus Sport und Naturerlebnis ausgeht.

Eine Canyoning-Tour beginnt meist mit einer längeren Wanderung auf einen Berg, von wo aus die mit Neoprenanzügen ausgerüsteten Teilnehmer in eine Schlucht oder Klamm hinabsteigen. Dabei gilt es, Hindernisse wie Felsbrocken, Felsspalten und Wasserfälle durch Klettern, Abseilen, Springen, Rutschen und Schwimmen zu überwinden.

Keine leichte Sache und ganz bestimmt keine Angelegenheit für Untrainierte auf der Suche nach ein bisschen Nervenkitzel, wie Fischer mit Nachdruck feststellt.

„Beim Canyoning muss man stets hochkonzentriert sein, über eine gute Kondition verfügen und vielfältige Techniken beherrschen: Neben den körperlichen Herausforderungen muss man sich zum Beispiel mit der Meteorologie auskennen, die Strömung des Wassers am Klammgrund analysieren können und im Notfall in der Lage sein, Erste Hilfe zu leisten”, erläutert er.

Auch der richtige Umgang mit der Gruppe und auftretenden Ängsten einzelner Teilnehmer sind (lebens-)wichtige Voraussetzungen, um Unfälle zu vermeiden.

Die Teilnahme an Eintagestouren kommerzieller Anbieter birgt daher in Fischers Augen gerade für Ungeübte ein beträchtliches Gefahrenpotenzial: Die vielfältigen notwendigen Fertigkeiten an einem Tag zu erlernen und sicher anzuwenden, hält er für schwierig: „Bei uns werden Interessierte nach und nach geschult und üben zunächst in einfachen Schluchten die Grundtechniken.”

Damit im Falle eines Unfalls Verletzte geborgen werden können, bestehen die Gruppen mindestens aus drei, besser aber aus vier Teilnehmern. So gerüstet, sinkt das Risiko auf ein Minimum: Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1995 habe es noch keinen Unfall gegeben, erzählt Fischer.

Körper und Geist werden beim Canyoning gefordert - die Natur hingegen werde geschont, betont Fischer: „Wir sehen uns als Umweltschützer, denn wir haben ja selbst das größte Interesse daran, dass unberührte Schluchten ihren ursprünglichen Charakter behalten. Finden wir am Grund einer Klamm Dosen oder sonstigen Müll, den Touristen achtlos hinabgeworfen haben, sammeln wir ihn ein.”

Dass Canyoning unter Einhaltung gewisser Regeln mit dem Naturschutz in Einklang gebracht werden kann, bestätigt ein Gutachten, das im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums und der Naturschutzbehörde im benachbarten Tirol erstellt wurde. „Dennoch ist der Sport in Deutschland bis auf wenige Schluchten um Rosenheim und Kempten verboten, weshalb wir für unsere Touren nach Österreich oder in andere europäische Länder reisen müssen, wo Canyoning erlaubt ist.”
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