Heidelberg - Hirnstimulation beseitigt schwere Depression

Hirnstimulation beseitigt schwere Depression

Von: ddp
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Der Weg einer Elektrode zu einer der beiden Habenulae, den doppelseitig angelegten, winzigen Strukturen im Zwischenhirn. Foto: ddp

Heidelberg. Ein Drittel der unter Depressionen leidenden Patienten spricht auf eine medikamentöse Therapie nicht an. Neurochirurgen des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun weltweit erstmals eine schwer depressive Patientin erfolgreich mit einem Hirnschrittmacher behandelt.

Dabei setzten im Gehirn hochpräzise angewendete Elektroden Strom frei, der kontinuierlich spezifische Hirnareale stimuliert. Bisher wurden Hirnschrittmacher nur bei Patienten eingesetzt, die an der Parkinson-Krankheit oder anderen Bewegungsstörungen leiden.

Zwar sind bereits depressive Patienten mit der Elektrostimulation mit einigem Erfolg behandelt worden. Allerdings wurden hier zwei andere Hirnregionen stimuliert, die im Bereich des Großhirns lokalisiert sind. Die nun anvisierte sogenannte Habenula liegt weiter unten in Richtung Hirnstamm.

„Wir haben uns für die Habenula entschieden, weil dort die zentrale Steuerung von wichtigen Nervenübertragungsstoffen erfolgt, die bei Depression gestört ist„, erklärt der Mannheimer Psychiater Alexander Sartorius vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. ”Das Zielgebiet ist im Vergleich zu den anderen Hirnregionen, die typischerweise bei Bewegungsstörungen ins Visier genommen werden, um etwa die Hälfte kleiner und liegt zudem in der Hirnmitte”, erklärt Karl Kiening, Sektionsleiter in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Der Erfolg des Eingriffs wurde durch ein unfreiwilliges Abschalten der Elektrode bestätigt: Die 64 Jahre alte Patientin hatte einen Fahrradunfall, und zur Vorbereitung der erforderlichen Operation war ein Elektrokardiogramm notwendig, wozu der Hirnschrittmacher abgeschaltet wurde. Nachdem er versehentlich für einige Tage nicht wieder aktiviert worden war, kehrte die Depression prompt zurück.

Einige Wochen nach erneuter Aktivierung durch den Hirnschrittmacher hat sich der Zustand der Patientin wieder verbessert. Die Heidelberger Neurochirurgen planen nun eine klinische Studie, bei der die Habenula-Stimulation an fünf psychiatrisch-neurochirurgischen Zentren in Deutschland bei schwer depressiven Patienten zum Einsatz kommt.
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