Hilfe für „Dumbo”: Abstehende Ohren lassen sich korrigieren

Von: Michael Draeke, ddp
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Zwickau/Karlsruhe. Die Spottgesänge kennt Florian nur zu gut. „Segelohr” oder „Dumbo” krakeelen die Mitschüler dem Siebenjährigen mit den auffällig abstehenden Ohren jeden Tag hinterher. Selbst Erwachsene fragen ihn öfter unschuldig grinsend, ob er denn besonders gut hören könne.

Florian würde in solchen Momenten am liebsten im Erdboden versinken. In die Schule geht er schon seit langem nur noch widerwillig. Da selbst ein dichter Haarschopf seine Ohren kaum verbergen kann, denken die Eltern des geplagten Schülers darüber nach, die Ohren operativ anlegen zu lassen.

Mit dieser schwierigen Entscheidung stehen Florian und seine Familie nicht allein. Nach Schätzungen haben zwischen fünf und acht Prozent der Kinder in Deutschland abstehende Ohren. Neugierige Blicke und dauernde Hänseleien können für viele zur psychischen Belastung werden.

„Sensiblen Kindern kann das ganz erheblich zu schaffen machen”, berichtet Hans-Jürgen Nentwich, Professor für Kinder- und Jugendmedizin aus Zwickau. Häufig zögen sie sich zurück, seien kontaktarm, litten an depressiven Phasen oder gar einer erhöhten Aggressivität.

Mediziner sprechen von einer abweichenden Ohrform, sobald die Ohrmuschel in einem Winkel von mehr als 30 Grad vom Kopf absteht. Das heißt aber nicht automatisch, dass das markante Körpermerkmal auch behandlungsbedürftig ist. Denn für die körperliche Gesundheit sind abstehende Ohren unbedenklich, sie ziehen keine weiteren Beschwerden nach sich.

Eltern sollten deshalb zunächst das Gespräch mit ihren Kindern suchen und prüfen, wie hoch der psychische Leidensdruck ist, rät Nentwich. In manchen Fällen genüge es schon, gezielt auf die Kinder einzugehen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. „Manche Kinder stecken den Spott auch weg und können gut mit ihren besonderen Ohren leben”, gibt der Kinderarzt zu bedenken.

Wenn das Kind allerdings stark leidet, sollte laut Nentwich über eine Operation nachgedacht werden. Am häufigsten wird der chirurgische Eingriff, der sowohl ambulant als auch stationär ausgeführt werden kann, bei vier- bis fünfjährigen Kindern kurz vor der Einschulung vorgenommen. Denn bis zum vierten Lebensjahr können sich die verformten Ohren unter Umständen auch noch von allein zurückbilden, wie Professor Werner Heppt, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Städtischen Klinikum in Karlsruhe, berichtet: „Erst mit etwa fünf Jahren ist das Größenwachstum der Ohrmuschel weitgehend abgeschlossen.”

Entgegen landläufiger Gerüchte ist das manuelle Anlegen in Eigenregie nicht erfolgversprechend. Enge Mützchen oder Stirnbänder machen die Ohren nicht wieder gerade. Lediglich bei Neugeborenen könne eine äußerliche Fixierung mit speziellen Pflastern unter ärztlicher Aufsicht erwogen werden, sagt Heppt. Denn in den ersten acht Lebenswochen ist der Knorpel, der der Ohrmuschel ihre Form verleiht, noch besonders weich. Studien hätten allerdings ergeben, dass diese Methode nur in wenigen Fällen zum Ziel führe.

Falls im Kindesalter eine Operation nötig wird, bieten sich laut Heppt verschiedene Techniken an. Die Wahl der passenden Methode sei von unterschiedlichen Faktoren wie dem Härtegrad des Ohrknorpels oder der Art der Verformung abhängig. Minimal-invasive Nahttechniken, bei denen die Kontur des Ohres durch Nähte an der Hinterseite der Ohrmuschel in Form gebracht wird, seien nur bei leicht abstehenden Ohren und einem sehr weichen Knorpel sinnvoll. „Wenn das Ohr dagegen zu viel Spannung hat, können die Fäden manchmal reißen oder Entzündungen verursachen”, warnt der HNO-Arzt.

Bei vielen Kindern sei es deshalb nötig, über einen kleinen Schnitt an der Vorder- oder Hinterseite des Ohres zusätzlich den Knorpel auszudünnen, sagt Heppt. Die Form der Ohrmuschel könne dann in der Regel stabiler modelliert werden. Der etwa eine dreiviertel Stunde dauernde Eingriff hinterlasse kaum sichtbare Narben, versichert der HNO-Arzt. Komplikationen träten nur sehr selten auf. Nach der OP müssten die Patienten noch einige Tage einen Verband oder ein Stirnband tragen.

Von einer Operation abraten muss man laut Heppt nur Patienten, die zu einer verstärkten Narbenbildung neigen (Keloide). Wenn diese Einschränkung ausgeschlossen werde, könnten auch Jugendliche und Erwachsene ohne weiteres operiert werden.

Unbedingt geklärt werden sollte allerdings vorher die Kostenübernahme. Denn viele Krankenkassen bezuschussen den Eingriff nur etwa bis zum achten Lebensjahr. Die Notwendigkeit der OP werde üblicherweise durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft, erklärt Heppt. Jugendliche und Erwachsene müssten den Eingriff derweil meistens privat bezahlen. In der Regel würden etwa tausend Euro pro Ohr berechnet.


Strategien gegen Mobbing und Hänseleien

Kinder und Jugendliche werden aus unterschiedlichen Gründen gemobbt, gehänselt oder schikaniert. Das Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik gibt Tipps, wie Kinder, Eltern und Lehrer darauf reagieren können:
- Eltern sollten auf Warnsignale achten. Wenn Kinder zum Beispiel nicht mehr in die Schule gehen wollen, morgens Magenschmerzen haben, unter Alpträumen leiden, oft krank sind oder Schulsachen beschädigt mit nach Hause bringen, sollten sie dies ernst nehmen. Statt vorschnell mit den „Tätern” Kontakt aufzunehmen, sollten sie sich lieber an die Schulleitung, den Elternbeirat oder eine Beratungsstelle wenden.
- Lehrer sollten einen klaren Standpunkt beziehen, die gemobbten oder gehänselten Schüler schützen und unterstützen und versuchen, den Mitschülern die psychischen Folgen für das Opfer klarzumachen.
- Kinder, die gehänselt oder gemobbt werden, sollten sich nicht schämen und zurückziehen, sondern Erwachsenen ihres Vertrauens von ihren Problemen berichten.

Literatur: Marianne Kleinberger: „Rund ums Ohr - Akustische Phänomene und die Bedeutung unserer Ohren”, Pb-Verlag, 2007, 17,90 Euro, ISBN: 978-3892916376
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