Ulm - Hilfe bei Leukämie: Knochenmark- und Stammzellenspenden retten Leben

Hilfe bei Leukämie: Knochenmark- und Stammzellenspenden retten Leben

Von: Eva Neumann, dpa
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Hilfe bei Leukämie: Knochenmark- und Stammzellenspenden retten Le
Blut- und Knochenmarkanalysen sind die ersten Schritte auf dem Weg, einen geeigneten Spender zu finden. Foto: dpa

Ulm. Nicht immer geht es so glücklich aus wie für José Carreras: Der spanische Sänger ist ein prominentes Beispiel dafür, wie ein Patient mit der passenden Behandlung Blutkrebs überwinden und anschließend wieder ein normales Leben führen kann.

Weniger glimpflich verlief es bei der Frau des ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion Raissa Gorbatschowa - sie erlag einer akuten Leukämie.

In Deutschland erkranken den Zahlen der Deutschen Krebsgesellschaft zufolge jedes Jahr rund 10 000 Menschen an Leukämie. Dabei ist die Blutbildung im Knochenmark gestört. Für viele dieser Patienten ist eine Transplantation von Stammzellen die einzige Überlebenschance. Das Problem bei der Stammzellentransplantation ist allerdings, einen geeigneten Spender zu finden. „Bei Blutstammzellen ist es sehr viel schwieriger als beispielsweise bei einer Bluttransfusion, die erforderliche Passgenauigkeit zu erzielen”, erklärt Carlheinz Müller, Geschäftsführer des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) in Ulm.

Entscheidend ist, dass die Humanen Leukozyten-Antigene, kurz HLA-Merkmale, von Spender und Empfänger möglichst genau übereinstimmen. Durch diese Merkmale auf den Körperzellen kann das Immunsystem eigenes von fremdem Gewebe unterscheiden. Für jedes der fünf wichtigsten HLA-Merkmale gibt es mehr als 100 unterscheidbare Varianten. Jeder Mensch bekommt von Vater und Mutter je eine Variante vererbt, das Ergebnis sind Billionen von Kombinationsmöglichkeiten.

„Nur rund 20 Prozent aller Patienten, die eine Stammzellspende von einer anderen Person benötigen, finden einen geeigneten Spender im eigenen Verwandtenkreis”, sagt Prof. Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. Die übrigen Patienten sind auf einen Fremdspender angewiesen.

Für deren Vermittlung haben sich weltweit zahlreiche Organisationen gegründet und vernetzt. „In Deutschland gibt es aktuell 29 Organisationen, die Spender werben, auf deren Daten wir in unserem zentralen Register zugreifen können”, erklärt ZKRD-Geschäftsführer Müller. Gleichzeitig ist das ZKRD mit internationalen Registern verlinkt. Mehr als 14 Millionen Spenderdaten sind so verfügbar.

Als Stammzellenspender kommen alle gesunden Personen zwischen 18 und 55 Jahren infrage. Sie können sich bei den sogenannten Spenderdateien melden, deren Adressen unter www.zkrd.de zu finden sind. Eine mögliche Anlaufstelle ist der DRK-Blutspendedienst Ost in Dresden. „80 bis 90 Prozent der bei uns registrierten potenziellen Stammzellspender sind auch Blutspender”, sagt dessen ärztliche Leiterin Elisabeth Förstemann. Sie ließen sich bei dieser Gelegenheit ein zusätzliches Röhrchen zur Gewebeuntersuchung abnehmen. Doch auch geografische Entfernung ist kein Hindernis: Auf telefonische Anfrage werden entsprechende Sets versandt. Der Spendewillige schickt ein Röhrchen Blut oder auch einen Abstrich der Wangenschleimhaut zurück.

Registrierte Spender sind erstmal in der Warteschleife, oft über Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Bereitschaft in Anspruch genommen wird, liegt nach Angaben des ZKRD bei 1 zu 100. „Wenn ein Transplantationszentrum bei uns für einen Patienten nach einem Spender sucht, übermitteln wir zunächst infrage kommende Spenderdaten”, erläutert Müller. „Das Transplantationszentrum holt dann von durchschnittlich drei potenziellen Spendern Bestätigungstypisierungen ein.” Ergänzend werden Infektionsparameter erhoben. Der potenzielle Spender füllt nochmals einen Fragebogen aus. Diese Vorbereitungszeit dauert in der Regel vier Wochen.

Für eine Stammzellentransplantation kommen vor allem zwei Verfahren infrage. „In den allermeisten Fällen wird heute eine periphere Blutstammzellentransplantation durchgeführt”, erklärt Pfreundschuh. Hierzu spritzt sich der Spender vier bis fünf Tage vor dem Transplantationstermin einen Wachstumsfaktor. Diese Behandlung kann von grippeähnlichen Symptomen begleitet sein. „Manch ein Spendewilliger hat eine Hemmschwelle, sich selbst zu spritzen. Dann kann der Hausarzt oder auch ein Pflegedienst helfen”, sagt Förstemann.

Der Wachstumsfaktor sorgt dafür, dass vermehrt Stammzellen vom Knochenmark in das Blut übertreten. Dem Spender wird dann ambulant aus der Armvene Blut entnommen, die Stammzellen werden herausgefiltert, und das Blut wird in einem ständigen Kreislauf über die andere Armvene dem Spender wieder zugeführt.

„Die Alternative ist eine Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose”, sagt Pfreundschuh. Mit einer Punktionsnadel wird dem Spender ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen, aus dem die Stammzellen isoliert werden. Mögliche Nebenwirkungen sind leichte Schmerzen und Bewegungseinschränkungen ähnlich einem Muskelkater sowie Hämatome an den Einstichstellen. Die entnommenen Zellen werden im Körper des Spenders innerhalb weniger Wochen nachgebildet.

Das Spenden bleibt anonym

Während des gesamten Spendevorgangs erfahren weder der Empfänger noch seine Ärzte die Identität des Spenders, noch weiß der Spender, wer der Patient ist. Dies gilt natürlich nicht für Spenden unter Familienangehörigen. Hierzulande kann sich der Spender sechs bis acht Wochen nach der Transplantation über den Gesundheitszustand des Empfängers informieren.

Etwa jeder zweite Spender nutzt nach Angaben von Elisabeth Förstemann vom DRK-Blutspendedienst Ost diese Möglichkeit. Dann können sich der Spender und sein Empfänger zunächst anonyme Briefe schicken. Wenn beide es wünschen, lasse sich zwei Jahre nach der Transplantation die Anonymität aufheben. Daran hätten jedoch nur etwa ein Viertel der Spender Interesse.
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