Heiße Phase: Wann und wie Fieber behandelt werden muss

Von: Eva Neumann, dpa
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Temperatur messen und Geduld bewahren: Das sind bei leichtem Fieber meist die besten Verhaltensregeln. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Abwarten und Tee trinken: Das ist bei Fieber meist die beste Behandlung. Denn die erhöhte Temperatur ist eine sinnvolle, wichtige Reaktion auf eine Störung im Körper. Sie zeigt, dass sich das Immunsystem gegen einen Infekt wehrt.

Die Augen des Sprösslings glänzen verdächtig, die Stirn ist heiß. Fieber! Was tun? Zäpfchen oder Saft? Bettruhe oder spielen lassen? Wenn es um den Umgang mit erhöhter Temperatur geht, gibt es kein einheitliches Rezept.

Das fängt schon mit der Definition an: „Einen festgelegten Bereich, welche Körpertemperatur als normal anzusehen ist, gibt es nicht”, erklärt Stefan Wilm von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Frankfurt. „Zum einen ist die Temperatur abhängig von der Messmethode. Zum anderen gibt es keine wissenschaftliche Einigkeit.”

Hinzu kommt: Jeder Mensch hat eine individuelle durchschnittliche Körperkerntemperatur. Und die schwankt außerdem. „Am frühen Morgen ist sie relativ niedrig und kann im Tagesverlauf um etwa ein Grad steigen”, sagt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Faktoren wie Sport oder Stress sowie hormonelle Abläufe können die Temperatur beeinflussen. Eine Orientierungslinie gibt es dennoch: Seit einigen Jahren vertrete die Mehrzahl der Mediziner die Auffassung, dass eine im After oder im Ohr gemessene Körpertemperatur von mehr als 37,8 Grad als Fieber zu bezeichnen ist, sagt Wilm.

Erstes Anzeichen von ansteigendem Fieber ist neben der heißen Stirn unerwartetes, starkes Frieren oder Frösteln. Der Betroffene verspürt meist Mattigkeit, Benommenheit, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen. „Bei Fieber ist der Puls oft schneller als gewöhnlich. Die Haut ist meist warm und rot, die Lippen trocken, die Zunge trocken und belegt”, sagt Sellerberg. Solche Symptome sind Anlass zum Fiebermessen.

„Die beste Messmethode ist im Po, weil dabei die Kerntemperatur des Körpers am eindeutigsten ermittelt werden kann”, erläutert Wilm. Am besten eignen sich batteriebetriebene digitale Thermometer. Quecksilberthermometer sind seit 2009 in der Europäischen Union verboten und sollten nicht mehr verwendet werden: Beim Zerbrechen kann das giftige Schwermetall Quecksilber entweichen.

Damit sich das Thermometer leichter einführen lässt, wird die Spitze angefeuchtet oder dünn eingecremt. Sie muss bis etwa einen Zentimeter hinter den Schließmuskel geschoben wird. Hände und Thermometer sollten nach der Messung gründlich gereinigt werden. Im Analbereich können sich Krankheitserreger befinden.

Kleine Patienten sind von dieser Messmethode selten begeistert. Viele Eltern setzen deshalb gern auf Ohrthermometer. „Dabei ist die Gefahr von Messfehlern sehr viel höher”, warnt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. Zum einen muss das Thermometer ganz exakt eingeführt werden. Und: „Geht das Fieber mit einer Entzündung des Trommelfells einher, so ist dieses stärker durchblutet und strahlt Wärme ab. Diese wird zwangsläufig mit gemessen und als Fieber interpretiert.”

Auch das Messen unter der Zunge toleriert nicht jeder Patient. Es birgt zudem ebenfalls Ungenauigkeiten. Bleibt noch die Achselhöhle. „Davon raten wir entschieden ab: Das Thermometer sitzt dort nie richtig”, urteilt Wilm.

Fieber ist kein Notfall, sondern eine sinnvolle, wichtige Reaktion auf eine Störung im Körper. Die erhöhte Temperatur zeigt, dass sich das Immunsystem wehrt. Mehr noch: Sie ist die Voraussetzung dafür. „Die Durchblutung im Körper wird erhöht, die Aktivität der Körperpolizei beschleunigt und auch die der Zellen, welche Antikörper produzierten”, erklärt Fegeler. „Das Fieber schafft die optimalen Voraussetzungen für die Wirkweise des Abwehrsystems.”

Daher ist es oft weder notwendig noch sinnvoll, das Fieber zu senken. „Wer Fieber hat, sollte sich unbedingt schonen und möglichst im Bett bleiben, bis das Fieber abgeklungen ist”, rät Sellerberg. „Viel trinken ist wichtig, um den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen. Empfehlenswert sind Fruchtsaftschorlen, Kräutertee oder Hühnerbrühe.”

Nur bei zusätzlichen Symptomen ist der Arzt gefragt. „Fieber muss nur dann behandelt werden, wenn zusätzlich eine Bewusstseinsstörung, Luftnot, Krämpfe oder Schmerz auftreten, der Patient nichts trinkt oder wenn es sehr hoch - über 40 Grad - ist”, fasst Wilm zusammen. Das gilt auch, wenn ein chronisch Kranker Fieber bekommt. Oder wenn Zweifel bezüglich der Ursache bestehen - zum Beispiel nach einer Tropenreise. Die Behandlung richtet sich dann nach der eigentlichen Erkrankung, dem Auslöser des Fiebers.

Fieber selbst kann durch Mittel mit Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) gesenkt werden. Sie sind auch ohne Verschreibung erhältlich. „Wer zu Medikamenten greift, sollte in der Apotheke das preiswerteste Monopräparat aus der Riege dieser drei verlangen. Einzige Einschränkung: Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sollten kein ASS nehmen”, rät Wilm.

Erwachsene bevorzugen meist Tabletten, Kinder eher Saft oder Zäpfchen. „Oral eingenommene Präparate wirken schneller”, sagt Fegeler. Die Alternative sind Hausmittel wie Lindenblüten- und Holundertees, kühle Wadenwickel oder kühle Ventilation durch ein geöffnetes Fenster.

Kühle Wickel richtig anwenden

Wadenwickel dürfen nur angewandt werden, wenn der Patient nicht friert und keine Kreislaufprobleme hat. „Zunächst werden zwei Tücher in lauwarmes Wasser getaucht und leicht ausgedrückt”, erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. „Jeweils ein Tuch wird um einen Unterschenkel gewickelt und mit einem trockenen Tuch umwickelt.” Dann wird der Patienten vom Kopf bis zu den Knien warm zugedeckt. Der Bereich unterhalb der Knie bleibt offen, damit Wasser verdunsten und Wärme abziehen kann. Die Wickel bleiben etwa 10 bis 20 Minuten auf der Haut, bis sie Körpertemperatur haben.

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