München - Halbgötter aus Stahl: Roboter für die Herzchirurgie

Halbgötter aus Stahl: Roboter für die Herzchirurgie

Von: Antonia Lange, dpa
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Ein Ärzteteam legt einen Bypass. Foto: ddp

München. Operationen mit Robotern könnten nach Einschätzung eines Experten die Herzchirurgie revolutionieren.

„In zehn Jahren will niemand mehr ohne sie operieren”, sagt Professor Gerd Hirzinger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Am Institut für Robotik und Mechatronik beschäftigt er sich mit der sogenannten Medizinrobotik. Sie sei der Schlüssel für Eingriffe am bewegten Herzen.

Hirzinger präsentierte seine Forschungsergebnisse am Dienstag zu Beginn der viertägigen Fachmesse Automatica in München.

Derzeit müssten Chirurgen das Herz bei Operationen stilllegen, um nicht durch die Bewegungen der Muskeln gestört zu werden. Die von Hirzinger entwickelten Roboter-Arme würden sich jedoch im Takt des Herzschlags bewegen. Am Bildschirm werde dem Mediziner das Herz dadurch im „unbewegten Zustand” gezeigt und müsse nicht mehr stillgelegt werden.

„Das ist eine Riesen-Chance für die Chirurgie.” Derzeit ist diese Methode noch in der Testphase. Nach Einschätzung des Forschers können Mediziner in etwa zwei Jahren nach dieser Methode operieren.

Derzeit werde das Brustbein der Herz-Patienten noch „aufgesägt wie vor 200 Jahren”, sagte Hirzinger. Durch den Einsatz von Medizin- Robotern sei auch das nicht mehr nötig: Die Maschinen könnten das Operations-Besteck durch kleine Löcher in den Körper führen. Durch diese „Schlüsselloch-Chirurgie” würden sich Patienten schneller von Operationen erholen.

Der Experte sieht noch einen weiteren Vorteil: Durch die zwischengeschalteten Maschinen werde das Zittern der menschlichen Hand gefiltert. Im Vergleich zur Menschenhand sei der Eingriff mit Hilfe von Maschinen schonender, sagte der Wissenschaftler. Weltweit komme derzeit täglich mindestens ein neuer Medizinroboter zum Einsatz.

In allen Bereichen, in denen der Körper minimal aufgeschnitten wird, herrsche ein „richtiger Hype” um die OP-Roboter, meint Hirzinger. „Die ganze Urologie ist damit in ziemlich kurzer Zeit revolutioniert worden.” Auch im Bereich der Bauch-Chirurgie würden zunehmend Medizin-Roboter eingesetzt.

In den 90er Jahren waren sogenannte Robodocs jedoch in die Kritik geraten. Patienten hatten nach Hüftoperationen an einer dauerhaften Nervenschädigung gelitten. Noch immer beschäftigen diese Fälle die Justiz.

Gesundheitliche Risiken sieht Hirzinger bei dem Einsatz seiner Roboter nicht. Dabei bestehe „so gut wie keine Gefährdung”. Ersetzen könne die Maschine den Menschen aber nicht: Der Chirurg bewege die drei Roboter-Arme stets aus einigen Metern Entfernung. „Wir reden bewusst nicht davon, dass die Roboter operieren”, sagte Hirzinger. „Sie sind einfach ferngesteuerte Handlanger.”
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