Händewaschen befreit von Zweifeln nach schwierigen Entscheidungen

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Washington. Ob beim Essengehen, bei der Urlaubsplanung oder der Partnersuche: Immer wieder haben wir die Qual der Wahl zwischen ähnlich attraktiven Alternativen. In der Folge bleiben oft Restzweifel, ob die getroffene Entscheidung tatsächlich richtig war.

Wer sich von derartigem Unbehagen befreien möchte, sollte sich einfach möglichst bald nach der Entscheidungsfindung die Hände waschen. Dabei werden nämlich neben dem Schmutz auch etwaige Restzweifel weggespült, wie zwei US-Forscher in Versuchen festgestellt haben.

Normalerweise versuchen Menschen nach knappen Entscheidungen, ihre Wahl zu rechtfertigen und Zweifel zu unterdrücken, indem sie die gewählte Variante auf- und die abgelehnte Variante abwerten.

Dieses Verhalten verschwand jedoch bei Studienteilnehmern, die sich nach der Entscheidung die Hände wuschen, berichten Spike Lee und Norbert Schwarz von der University of Michigan im Fachmagazin „Science” (Bd. 328, Nr. 5979, S. 709, doi: 10.1126/science.1186799).

Kognitive Dissonanz, mit diesem Fachbegriff bezeichnen Psychologen den unangenehmen Gefühlszustand, der auftritt, wenn sich nahezu gleichstarke Wünsche oder Meinungen nicht in Einklang bringen lassen.

Diverse Studien hatten in diesem Zusammenhang bereits gezeigt, dass Menschen, die in einem moralischen Dilemma stecken, sich von ihren Schuldgefühlen im Wortsinne reinwaschen können: Die physische Handlung wirkt sich unmittelbar auf die Psyche aus. Lee und Schwarz interessierte nun, inwiefern Reinigungsrituale auch Restzweifel nach Entscheidungen beseitigen können, die jenseits moralischer Ansprüche getroffen werden.

Um das zu überprüfen, ließen sie zunächst 40 Freiwillige 30 CD-Cover durchsehen, aus denen sie ihre 10 Favoriten aussuchen und eine Rangliste aufstellen sollten - angeblich im Rahmen einer Verbraucherbefragung. Zum Dank durften sich die Teilnehmer zwischen den beiden CDs entscheiden, die auf ihrer Wunschliste den fünften und sechsten Rang belegten, also nahezu gleich bewertet worden waren. Anschließend wurden die Teilnehmer angewiesen, eine Flüssigseife zu beurteilen - wiederum angeblich im Rahmen der Verbraucherbefragung. Während die eine Hälfte der Versuchspersonen sich dabei jedoch tatsächlich die Hände wusch, betrachtete die andere Hälfte lediglich die Verpackung. Nach einem weiteren Versuch, der jedoch lediglich der Ablenkung diente, mussten die Probanden abschließend ein zweites Mal eine Rangliste ihrer zehn favorisierten CDs erstellen.

Mit verblüffendem Ergebnis: Die Teilnehmer, die lediglich die Seifenpackung betrachtet hatten, wiesen der abgelehnten CD nun einen deutlich schlechteren Platz auf der Rangliste zu als vormals, während sie die gewählte CD deutlich weiter vorne platzierten. Die Teilnehmer, die sich die Hände gewaschen hatten, stuften hingegen beide CDs genauso ein wie im ersten Durchgang.

Ein zweiter, ähnlich aufgebauter Versuch mit 85 Freiwilligen bestätigte die Ergebnisse der ersten Studie. „So wie der Waschprozess uns von dem schlechten Gewissen nach unmoralischem Verhalten befreit, reinigt er uns auch von den Spuren vergangener Entscheidungen und reduziert die Notwendigkeit, unsere Wahl zu rechtfertigen”, erklären die Wissenschaftler.
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