Köln/Frankfurt a.M - Haarige Schönheitsweisheiten auf dem Prüfstand

Haarige Schönheitsweisheiten auf dem Prüfstand

Von: Monika Hillemacher, dpa
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Beim Schopf gepackt: Schöne Haare brauchen die richtige Pflege. Darum, was gut oder schlecht für unsere Haare ist, ranken sich jedoch viele Schönheitsweisheiten. Foto: dpa

Köln/Frankfurt a.M. Gepflegte Haare gelten seit der Antike als Schönheitsideal. In modernen Zeiten ist der Traum von schönem Haar und modischen Frisuren ein Milliardengeschäft für die Industrie. Trotzdem haben Hausmittel die Generationen überdauert. Wie viel aber ist dran an solchen Mittelchen und Weisheiten?

Bier kräftigt die Haarpracht: Ins Haar einmassiert, soll der Gerstensaft feinem Haar zu mehr Volumen verhelfen. Franz-Josef Kübeler, Art Director des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks in Köln, bezweifelt das: „Die im Bier enthaltene Hefe wirkt mehr wie ein Festiger, mehr Fülle bringt es nicht.”

Falls die Packung nicht ausgewaschen wird, könnte der so gepflegte Kopf außerdem einen unangenehmen, intensiven Bierdunst verströmen. Alternativ empfiehlt Kübeler eine Essigspülung. Dazu wird ein Fingerhut voll Essig in einem Liter Wasser verdünnt und über das Haar geschüttet. Die Anwendung verleiht der Frisur zudem mehr Glanz.

Saures gegen Grünstich: Blondierte Strähnen verfärben sich nach dem Schwimmen manchmal grünlich. Ursache ist häufig der Chlorgehalt des Wassers. Dagegen helfen Zitronensaft oder Acetylsalicylsäure (ASS). Kübelers Tipp lautet: ASS-Tabletten auflösen und den Schopf damit spülen, um das Chlor auszuwaschen. Eine ähnliche Wirkung lässt sich mit verdünntem Zitronensaft erzielen.

Im Sommer wachsen die Haare schneller: In der warmen Jahreszeit wird der Körper stärker durchblutet, die Zellen sind aktiver. Das kurbelt auch das Wachstum der Fingernägel und der Haare an. Nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) in Frankfurt haben Wissenschaftler für den Sommer eine Rate von 0,1 Millimetern pro Tag errechnet, für den Winter von nur 0,07. Ungekürzt würde jedes Haar pro Jahr etwa zwölf Zentimeter an Länge zulegen.

Einen regelrechten Wachstumsschub gibt es zum Saisonwechsel vom Sommer zum Winter. „Im Spätsommer beginnt der Körper sich eine Art Winterfell zuzulegen”, sagt der Dermatologe Andreas Finner aus Berlin. Dass der Mond das Wachstum beeinflusst, hält der Mediziner für Aberglauben: „Es gibt keine Messungen, ob es je nach Mondphase schneller und dünner oder langsamer und dicker wächst.”

Dauerwellen schlagen bei feuchtem Wetter durch: Aufgrund ihrer Zusammensetzung ziehen Haare Feuchtigkeit an, sie sind hydroskopisch. Bei hoher Feuchtigkeit kräuselt sich zum Beispiel die Naturlocke ähnlich wie gelegte Wellen. Bei einer Dauerwelle sorgen Wasserstoff und Salzbindungen im Haarinneren zunächst dafür, dass sie trocken in Form bleibt. Wasser setzt dieses System außer Kraft. Das Ergebnis hat fast jede Dauerwellen-Trägerin schon erlebt: „Die Krause kommt wieder”, stellt Birgit Huber vom IKW fest.

Heizungsluft schadet: Im Winter fühlen sich die Haare oft spröde an. Zusätzlich zu Wind, Kälte und Kopfbedeckung macht ihnen die trockene Luft in den Wohnungen zu schaffen. „Die Griffeigenschaft der Haare hängt von der Feuchtigkeit ab, weil Wasser als Weichmacher fungiert”, erläutert Huber: Je trockener das Raumklima, desto fester und starrer die Haare.

Dagegen helfen Shampoos und Pflegeprodukte, die die Haare geschmeidiger machen und Feuchtigkeit speichern. Urea sei zum Beispiel ein solcher Wirkstoff, der zudem rückfettend wirke, ergänzt Finner. Proteine legen einen Schutzfilm um das Haar - die Eigenschaft macht sie zur modernen Variante des althergebrachten Eigelbs.

Der Haartyp ist entscheidend beim Produktkauf. Finner rät: „Fein für fein, normal für normal, sonst ist das Haar überpflegt.” Viel trinken und regelmäßig lüften hilft, die Haare auf natürlichem Weg gut durch den Winter zu bringen.

Faustregel 100 Bürstenstriche: Sie gelten als optimal für langes Haar, weil dieses dann gut durchgekämmt ist. Haarausfall sei davon nicht zu befürchten, sagt Huber: „Die, die ausfallen, waren sowieso in der Ausfallphase.” Mit dieser endet die natürliche dreimonatige Ruhepause, die der jahrelangen Haar-Wachstumsphase folgt.

Ein schwindender Schopf ist dagegen häufig hormonell oder durch Stress bedingt. Krankheiten und Medikamente spielen ebenfalls eine Rolle. Wer wissen will, ob sein Haarausfall „normal” ist, muss zählen. Gemäß der Faustregel „100 Haare pro Tag” sei bei Ergebnissen darüber ein Arztbesuch angesagt, erläutert Finner. Manchmal helfen spezielle Vitamintabletten.

Andere Länder, andere Haare: Bei Menschen aus Asien sind die Haare deutlich dicker als bei Europäern, und sie haben andere physikalische Eigenschaften. Sie seien weniger dicht und wachsen dafür am schnellsten, heißt es in einem Report des Kosmetikherstellers LOreal. Im Vergleich zu Europäerinnen legen Asiatinnen mehr Wert auf weiche, geschmeidige Haare, Volumen ist nicht gefragt. Haare von Afrikanerinnen wiederum gelten wegen ihrer gedrehten Form als besonders empfindlich. Auf solche Ansprüche stimmen die Hersteller ihre Rezepturen ab.

Haariges in Zahlen
Ein Mensch trägt maximal bis zu 150.000 Haare auf dem Kopf.
Auf einen Quadratzentimeter Haut kommen etwa 250 Haare. Die Anzahl ist am Computer messbar.
Angeblich kann ein einzelnes Haar ein Gewicht von 100 Gramm tragen.
Europäer waschen sich LOreal zufolge im Schnitt dreimal pro Woche den Kopf.
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