Gentherapie gegen Muskelschwund schlägt bei Mäusen an

Von: ddp
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Mäuse in einem Versuchslabor. Foto: dpa

London. Der genetisch bedingte Muskelschwund bei Kleinkindern könnte sich künftig durch eine trickreiche Genreparatur beheben lassen. US-Forscher haben Mäusen, die an der Spinalen Muskelatrophie erkrankt sind, ein manipuliertes Virus injiziert. Dieses enthielt die gesunde Version eines Gens, das bei den vierbeinigen Patienten nur noch reduziert arbeitet und so zum Muskelschwund führt.

Bei den Mäusen schlug die Therapie an und nun ist der Transportmechanismus auch an einem Affen erfolgreich getestet worden. Ihre Ergebnisse stellen Brian Kaspar und Arthur Burghes von der Ohio State University in Columbus im Fachmagazin „Nature Biotechnology” vor (doi:10.1038/nbt.1610).

Die Spinale Muskelatrophie wird durch einen Gendefekt ausgelöst: Das sogenannte Survival-Motor-Neuron-Gen funktioniert nicht mehr richtig. Weil sich die motorischen Nervenzellen im Rückenmark immer weiter zurückbilden, werden die Impulse vom Gehirn an die Muskeln nicht mehr weitergeleitet, was zu ihrer kontinuierlichen Schwächung führt. Die Krankheit endet häufig mit einem sehr frühen Tod.

Die Forscher um Kaspar hatten schon in früheren Studien gezeigt, dass modifizierte Viren Gene zu den Zellen im Rückenmark bringen können: Sie injizierten das Virus frisch geborenen Mäusen und beobachteten, wie auch das Gen auf diese Weise ins Blut gelangte. In Zusammenarbeit mit Muskelschwund-Forscher Arthur Burghes entwarfen die Wissenschaftler nun einen neuen Therapieansatz gegen Spinale Muskelatrophie: In Versuchen mit kranken Mäusen schickten sie Viren zu den fehlerhaften Nervenzellen.

Die Viren hatten sie zuvor so verändert, dass sie ein gesundes Survival-Motor-Neuron-Gen enthielten. Die Therapie zeigte erstaunliche Wirkung: Tiere, die ohne Behandlung innerhalb von 15 Tagen starben, lebten nun über 250 Tage lang. Außerdem verbesserte sich auch ihre Muskelfunktion wesentlich. Andere Therapieansätze verlängerten das Leben der Tiere lediglich um 45 Tage.

Um zu überprüfen, ob die Therapie auch beim Menschen angewandt werden könnte, haben die Forscher schon erste Schritte unternommen: Sie markierten das manipulierte Virus mit einem fluoreszierenden Gen, das dank seiner Leuchtkraft leicht zu verfolgen ist. Das Präparat injizierten sie einem frischgeborenen Javaneraffen. Auch in diesem Fall gelangte das Gen dorthin, wo es hin sollte: Es wurde von den Viren zielgenau bei den motorischen Nervenzellen im Rückenmark abgeliefert. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass ihre Muskelschwund-Therapie wohl auch bei allen Primaten funktioniert und damit vielleicht auch bei Menschen.
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