Gegen menstruelle Migräne: Pille ohne Pause nehmen

Von: Franziska Fenger, dpa
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Migräne Kopfschmerzen I
In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie etwa 12 bis 14 Prozent der Frauen und 6 bis 8 Prozent der Männer an Migräne. Foto: ddp

Heidelberg. Kopfschmerzen verbunden mit Lichtempfindlichkeit und Übelkeit gelten als typische Symptome einer Migräne. In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie etwa 12 bis 14 Prozent der Frauen und 6 bis 8 Prozent der Männer an Migräne.

Auf der Suche nach Linderung empfehlen Ärzte, den Auslöser zu finden. Einige Frauen wissen zum Beispiel, dass sie an einer besonderen Form der Migräne leiden: der menstruellen Migräne. Dagegen kann die Pille helfen.

Wie entsteht die menstruelle Migräne?

Die menstruelle Migräne wird durch hormonelle Schwankungen ausgelöst. Verhüten Frauen mit der Pille, nehmen sie diese normalerweise drei Wochen ein und legen dann eine einwöchige Pause ein. Da die Pille aus den Hormonen Östrogen und Gestagen zusammen gesetzt ist, sinkt in dieser Woche der Östrogen-Spiegel rapide ab, erklärte der Endokrinologe Prof. Thomas Strowitzki von der Uniklinik Heidelberg im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Die Frau ist quasi „auf Entzug” und bekommt dadurch Migräne.

Wie lassen sich die Kopfschmerzen vermeiden?

Um diese Schmerzen zu umgehen, kann die Frau auf die Pillenpause verzichten, erläuterte Strowitzki, der Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist. „Die Pillenpause ist nicht medizinisch notwendig.” Sie ist vielmehr historisch bedingt. Wenn der Zyklus der Frau beibehalten wird, sei die Akzeptanz der Pille durch die Kirche eher gewährleistet, so der Gedanke der Erfinder der Pille.

Gibt es östrogenfreie Alternativen?

Reine Gestagen-Präparate sind eine Alternative für betroffene Frauen. Auf dem Markt ist zum Beispiel eine östrogenfreie Pille, die ohne Pause eingenommen wird. Damit kommt es nicht zu einer Blutung, höchstens zu Schmierblutungen zwischendurch, erklärte Strowitzki. Weitere Präparate sind in den Oberarm eingesetzte Hormon-Stäbchen, deren Wirkung über drei Jahre anhält, und die Drei-Monats-Spritze. Aber auch die normale Östrogen-Gestagen-Pille kann ohne Pause durchgenommen werden. „Es gibt keinen medizinisch belegten Nachteil”, sagt Strowitzki.

Bei östrogenfreien Präparaten muss die Frau allerdings darauf achten, dass sie nicht unter Östrogen-Mangel leidet. Dann kann es zur Reduktion der Knochendichte, zu Hitzewallungen und Schlafstörungen kommen. Es sei aber medizinisch belegt, dass die östrogenfreie Pille und das Stäbchen nicht zu einem Mangel führen, beruhigt Strowitzki.

Wie sicher ist die Verhütung?

Medizinisch gesehen ist die Pillenpause also nicht notwendig - im Gegenteil: Die Sicherheit, nicht schwanger zu werden, ist bei einem langen Zyklus (vier Pillen-Monatspackungen plus eine Woche Pillenpause) höher als bei einem kurzen (eine Monatspackung plus eine Woche Pause). Der Grund: Die Hormone der Hirnanhangsdrüse, die das Ei im Eierstock heranreifen lassen, werden dauerhafter und somit intensiver unterdrückt. Das Fazit ist laut Strowitzki daher: Nicht zu viel oder zu wenig Östrogen ist die Ursache für die menstruelle Migräne, sondern die Schwankungen zwischen beiden Zuständen.
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