Düsseldorf/München - Gefährliche Souvenirs aus fernen Ländern

Gefährliche Souvenirs aus fernen Ländern

Von: Melanie Löw­, ddp
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Düsseldorf/München. Im Sommer zieht es viele Urlauber in ferne Länder. Zum Andenken an die schöne Zeit bringen Reisende jedoch mitunter nicht nur Nippes und Schnappschüsse mit nach Hause, sondern auch Krankheitserreger.

„Zu den häufigsten Krankheiten zählen hier Durchfallerkrankungen, gefolgt von fieberhaften Krankheiten und Hauterkrankungen”, berichtet Professor Thomas Löscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Dabei verlaufen die Durchfall-Infektionen bei der Mehrzahl der Patienten ohne Komplikationen. Schwere Erkrankungen wie Cholera kommen heutzutage nur sehr selten vor, da sich die Hygienestandards der Urlaubsgebiete in den vergangenen Jahren zunehmend verbessert haben.

Bei Säuglingen, Kleinkindern, Senioren oder kranken Menschen könnten aber auch sonst eher harmlose Infektionen schwer verlaufen, warnt der Tropenmediziner. „Menschen, die nach ihrem Urlaub unter Fieber, anhaltendem Durchfall oder unter schwerer allgemeiner Beeinträchtigung leiden, sollten direkt einen Arzt aufsuchen”, rät Löscher.

Gerade fieberhafte Erkrankungen wie Malaria müssten rasch therapiert werden. „Obwohl die Malaria gut zu behandeln ist, kommt es in Deutschland immer wieder zu Todesfällen, weil die Diagnose nicht oder nicht rechtzeitig gestellt wird - zum Teil auch wegen ärztlichen Versagens”, sagt Löscher. Daher empfiehlt der Experte, den behandelten Arzt über den vorausgegangenen Urlaub zu informieren und darauf zu bestehen, die Ursache für die Erkrankung abzuklären.

Eine Malaria könne andere Krankheiten imitieren, erklärt Bettina Flörchinger, Ärztin am Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf: „Etwa zwanzig Prozent der Patienten haben zum Beispiel Durchfall und Fieber und denken dabei nicht unbedingt an eine Malaria.” Aber auch Symptome, die einer Grippe oder einer Lungenentzündung ähnelten, seien denkbar. Zudem könne die Inkubationszeit bei Malaria unter Umständen drei Monate betragen, manchmal sogar länger.

Bricht die Krankheit dann aus, bringt der Patient sie möglicherweise nicht mehr mit dem Urlaub in Verbindung. In der Folge stellt der Arzt eine falsche Diagnose, die tödliche Folgen haben kann. „Eine schwere Malaria muss sofort behandelt werden, da der Patient ansonsten innerhalb von ein bis zwei Tagen daran sterben kann”, warnt Flörchinger.

Auch bei anderen Krankheiten wie Typhus oder Cholera sei es für Ärzte zuweilen schwer, eine richtige Diagnose zu stellen, da viele Mediziner die Symptome dieser Krankheiten nicht mehr kennen und sie so falsch zuordneten. Daher sei es unerlässlich, den Arzt darauf hinzuweisen, dass man im Ausland gewesen sei.

Wer sich vor einer Infektion im Urlaub schützen möchte, sollte schon vor Reiseantritt geeignete Maßnahmen ergreifen: „Gegen viele Infektionen hilft eine Impfung”, sagt Thomas Löscher. So rät er Reisenden, sich im Vorfeld zu informieren, welche Impfungen für das jeweilige Reiseziel empfohlen werden oder ob sich andere Formen der Prophylaxe anbieten, wie zum Beispiel bei Malaria. Durch eine Impfung könne man sich beispielsweise vor Gelbfieber sowie Hepatitis A und B schützen.

„Wichtig ist auch, zu überprüfen, ob die Grundimpfungen etwa gegen Wundstarrkrampf, Keuchhusten oder Diphtherie noch wirksam sind”, betont der Tropenmediziner. Auch Bettina Flörchinger empfiehlt eine qualifizierte reisemedizinische Beratung im Vorfeld einer Fernreise: „Viel hängt auch vom Reiseziel ab. Senioren, die an einer Kreuzfahrt teilnehmen, sollten sich zum Beispiel gegen Pneumokokken und Grippe-Erreger impfen lassen.” Urlauber, die es nach Indien zieht, sollten ihren Impfschutz gegen Kinderlähmung überprüfen.

Auch im Reiseland selbst kann man versuchen, Infektionen vorzubeugen: „In Malariagebieten kann man sich mit Moskitonetzen vor den nachtaktiven Mücken schützen”, sagt Flörchinger. Auch passende, langärmlige Kleidung und eine geeignete Mückenschutzlotion helfen.

Im Hotel seien Zimmer mit Klimaanlage zu bevorzugen, da Mücken keine Kälte mögen. Auch beim Essen heißt es, achtsam zu sein: So rät die Expertin davon ab, rohe Salate, Fisch oder Fleisch zu essen und empfiehlt, auf Eiswürfel zu verzichten. „Am besten ist es, nur original verschlossene Getränke zu trinken und nur Obstsorten zu essen, die man schälen kann.” Auch sollten sich Reisende regelmäßig die Hände waschen.

„In keinem Fall sollte man sich im Urlaubsort piercen oder tätowieren lassen, da vielerorts die Hygienebedingungen sehr schlecht sind”, betont Tropenmediziner Löscher. Darüber hinaus warnt er eindringlich vor dem in den vergangenen Jahren populärer gewordenen Medizintourismus. „Bei Schönheitsoperationen im Ausland kann man den Hygienestandard nicht unbedingt garantieren, so dass sich Touristen während einer Operation mit einem gefährlichen Keim infizieren können.”
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