Frühe erste Regelblutung deutet auf erhöhtes Diabetesrisiko hin

Von: dapd
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Neuherberg. Frauen mit einem erhöhten Diabetesrisiko könnten künftig anhand ihrer ersten Periode identifiziert werden. Denn je früher die erste Periode bei einem Mädchen eintritt, desto wahrscheinlicher entwickelt sie in ihrem weiteren Leben Vorstufen von Diabetes oder Diabetes.

Dieses erhöhte Risiko bestehe unabhängig davon, ob die Frauen übergewichtig seien oder nicht. Das berichten Forscher des Helmholtz Zentrum München gemeinsam mit Kollegen aus London und Düsseldorf im Fachmagazin „Diabetologia”. (doi: 10.1007/s00125-011-2410-3)

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler den gesundheitlichen Werdegang von 1.503 Frauen zwischen 18 und 81 Jahren untersucht. Von den Teilnehmerinnen litten zum Zeitpunkt der Untersuchung 140 an Diabetes und 226 an Vorstufen der Krankheit. Bei der Suche nach Gemeinsamkeiten unter diesen Frauen stießen die Forscher auf einen herausstechenden Faktor: Die an Diabetes oder Diabetes-Vorstufen erkrankten Frauen hatten häufiger als die gesunden Teilnehmerinnen der Studie besonders früh ihre erste Regelblutung bekommen.

Im Durchschnitt bekommen Frauen ihre erste Periode im Alter von 13 Jahren, doch der Zeitpunkt kann von Frau zu Frau stark variieren. Während die Regelblutung bei einigen Mädchen bereits im Alter von zehn Jahren einsetzt, kann es bei anderen erst mit 16 soweit sein.

Diabetes-Risiko frühzeitig erkennen

Die in der Studie von Diabetes betroffenen Frauen hätten überdurchschnittlich oft zur Gruppe der früh Menstruierenden gehört, sagen die Forscher. Dieser Zusammenhang sei auch dann erhalten geblieben, wenn andere Risikofaktoren wie ein zu hohes Körpergewicht berücksichtigt wurden.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieser neu entdeckte Risikofaktor für Diabetes eine wertvolle Hilfe dabei leisten, den Ausbruch der Krankheit frühzeitig zu verhindern. „Wir hoffen, dass es so möglich sein wird, Personen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko frühzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu treffen”, sagt Erstautorin Doris Stöckl vom Helmholtz Zentrum München.

Zusammenhang könnte auf Gene oder Umwelt zurückgehen

Welche Mechanismen diesem Zusammenhang zwischen erster Periode und Diabetesrisiko zugrunde liegen, ist noch unklar. Die Forscher wollen dies im nächsten Schritt näher erforschen. Theoretisch könnten genetische Faktoren dafür verantwortlich sein und beispielsweise Veränderungen im Stoffwechsel bewirken, die sowohl den Zeitpunkt der Periode als auch das Diabetesrisiko beeinflussen. Möglich wäre aber auch, dass das soziale und wirtschaftliche Umfeld der Mädchen sowohl den Zeitpunkt ihrer Regelblutung als auch ihr Diabetesrisiko beeinflusst haben könnten. Welche dieser Erklärungsvarianten zutrifft, muss nun noch geklärt werden.

Volkskrankheit mit hoher Dunkelziffer

Nach Angaben der Forscher sind über sechs Millionen Menschen in Deutschland an Typ 2 Diabetes mellitus erkrankt. Die Dunkelziffer von nicht erkannten Fällen könnte noch einmal so hoch sein. Typ 2 Diabetes ist eine Erkrankung des Glukosestoffwechsels. Charakteristisch für sie ist, dass das Hormon Insulin seine Wirkung verliert und in manchen Fällen nicht mehr ausreichend produziert wird.

Bisher gibt es keine Therapie, die die Volkskrankheit heilen könnte. Auch die Entstehungsmechanismen der Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass die Kombination von genetischen Faktoren und Lebensstil zu Diabetes führt.
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