Fructose-Unverträglichkeit betrifft jeden dritten Westeuropäer: Richtige Ernährung hilft

Von: Bettina Levecke, dapd
Letzte Aktualisierung:
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Immer mehr Menschen achten auf eine bewusste und ausgewogene Ernährung. Viel Obst steht dabei auf dem Speiseplan, denn es hat relativ wenig Kalorien und steckt voller Vitamine. Doch der Verzehr von Früchten ist nicht immer unproblematisch, denn Fruchtzucker (Fructose) wird nicht von allen Menschen gleich gut vertragen: "Studien zeigen, dass etwa jeder dritte Westeuropäer mit mehr oder weniger starken Beschwerden auf Fructose reagiert", sagt Diplom-Ökotrophologin Doris Fritzsche aus Wolfenbüttel.

Immer mehr Menschen achten auf eine bewusste und ausgewogene Ernährung. Viel Obst steht dabei auf dem Speiseplan, denn es hat relativ wenig Kalorien und steckt voller Vitamine. Doch der Verzehr von Früchten ist nicht immer unproblematisch, denn Fruchtzucker (Fructose) wird nicht von allen Menschen gleich gut vertragen: „Studien zeigen, dass etwa jeder dritte Westeuropäer mit mehr oder weniger starken Beschwerden auf Fructose reagiert”, sagt Diplom-Oekotrophologin Doris Fritzsche aus Wolfenbüttel.

Zu den typischen Symptomen gehörten Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle oder sehr weiche Stuhlgänge: „Auch Übelkeit, Appetitlosigkeit, Krämpfe im Unterbauch oder depressive Verstimmungen können auftreten.”

Fehlersystem im Dünndarm

Hinter der Fructose-Unverträglichkeit, auch Fruktosemalabsorption genannt, steckt ein Fehlersystem im Darm, sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) in Bonn: „Fructose braucht einen Transporter, um vom Dünndarm in den Blutkreislauf zu gelangen.” Funktioniert dieser Transport nicht ausreichend, gelangt Fruchtzucker unverdaut in den Dickdarm. Dort entstehen dann Gase und kurzkettige Fettsäuren, die zu einem Blähbauch und Durchfällen führen.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist die Fructose-Unverträglichkeit bei rund 20 Prozent aller Erwachsenen und rund 30 Prozent aller Kinder angeboren. Diese „isolierte Fruktosemalabsorption” bleibe oft lange unbemerkt, sagt Fritzsche: „Nur die Hälfte der Betroffenen hat tatsächlich Beschwerden.” Zwtl.: Aufschluss gibt ein Ernährungsprotokoll

Fruchtzucker im Übermaß könne auch bei gesunden Menschen Beschwerden verursachen: „Er wirkt abführend”, sagt Gahl. Wer häufig unter Bauchschmerzen, Durchfällen oder Blähungen leidet, sollte seine Ernährungsgewohnheiten unter die Lupe nehmen, empfiehlt die Expertin der DGE: „Schreiben Sie genau auf, was Sie wann gegessen haben und ordnen Sie auftretende Beschwerden zeitlich dazu.” So ein „Symptomprotokoll” kann nach wenigen Tagen erste Rückschlüsse ermöglichen. Denn wenn immer nach dem morgendlichen Orangensaft Bauchgrummeln folgt oder zwei Stunden, nachdem man einen Obstsalat gegessen hat, der Unterbauch zwickt oder starker Stuhldrang auftritt, deuten das auf eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit hin.

Den Experten zufolge sind häufig Menschen betroffen, die bereits eine andere Nahrungsmittelunverträglichkeit haben. „Rund 80 Prozent der von einer Laktose-Intoleranz Betroffenen leiden zusätzlich an einer mangelhaften Aufnahme von Fruchtzucker”, sagt Doris Fritzsche. Ähnlich häufig betroffen sind Menschen mit einer Zöliakie, einer Histaminunverträglichkeit oder einer entzündlichen Darmerkrankung, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Fructose-Unverträglichkeit tritt als Begleiterscheinung auf, erklärt die Expertin: „Die Dünndarmschleimhaut ist dann primär durch die andere Erkrankung beziehungsweise Unverträglichkeiten geschädigt.” Zwtl.: Therapie in drei Stufen

Ob eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit vorliegt, kann ärztlich mittels eines Atem- oder Fructosebelastungstest festgestellt werden. Betroffene müssen nicht dauerhaft auf Obst oder Süßes verzichten: „Man muss nur herausfinden, wie viel und in welchem Rahmen der Fruchtzucker am besten vertragen wird”, sagt Antje Gahl

Der erste Schritt zur Genesung sei eine Karenzphase, rät Fritzsche: „Zunächst gilt es, den Fruchtzucker konsequent aus der Ernährung zu streichen, damit sich der Darm erholen kann.” Nach dieser Erholungsphase wird nach und nach wieder Obst in den Speiseplan eingeführt. „Viele Erwachsene bleiben sogar beschwerdefrei, wenn sie eine tägliche Menge von 25 Gramm Fruchtzucker nicht überschreiten”, sagt die Expertin. Das entspricht beispielsweise 350 ml Traubensaft oder drei mittelgroßen Äpfeln. „Oft wird der Fruchtzucker besser vertragen, wenn man das Obst mit protein- und fetthaltigen Lebensmitteln kombiniert”, rät Antje Gahl. So seien Himbeeren mit Quark häufig besser verträglich als pur. „Auch Glukose verbessert die Fruchtzuckeraufnahme im Darm.” Ein Obstsalat könne besser verdaulich sein, wenn man einen Teelöffel Traubenzucker hinzufügt.

Nicht in die Fruchtzuckerfallen tappen

Ziel der Therapie sollte sein, wieder zu einer ausgewogenen Ernährung zurückzufinden. Viel Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch, Fleisch und Milchprodukte, Obst in Maßen - so lasse es sich auch mit einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit leben, sagt Antje Gahl: „Allerdings sollten Betroffene beim Einkauf die Zutatenlisten der Lebensmittel genau studieren, da vielen Produkten Fruchtzucker, Sorbit oder andere Zuckeraustauschstoffe zugesetzt worden sind.” Dazu gehören Fruchtjoghurts, Backwaren oder kalorienreduzierte Limonaden.
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