Forum Medizin: Gallensteine werden oft zur gefährlichen Plage

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
Galle
Alles andere als angenehm: Probleme mit der Galle.

Aachen. Wer „gallige Bemerkungen” von sich gibt, ist nicht gerade freundlich gestimmt. Kein Wunder: Heftige Schmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit machen niemanden fröhlich. Die Ursache kann im Magen-Darm-Trakt liegen.

„Probleme mit der Galle” lautet das Thema beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum am Dienstag, 2. Februar, 18 Uhr, im Großen Hörsaal 4 (GH 4) des Klinikums, Pauwelsstraße.

Rat und Auskunft geben an diesem Abend: Dr. Michael Hartmann, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Aachen, vom Universitätsklinikum Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III, und Professor Dr. Dr. Volker Schumpelick, Direktor der Chirurgischen Klinik, sowie Professor Dr. Wilhelm Berges, Chefarzt der Medizinischen Klinik im Luisenhospital Aachen und Dr. Rainald Bachmann, Chefarzt der Klinik für Diagnostische Radiologie, im Marienhospital Aachen.

In einem fein abgestimmten Körpervorgang sorgt Galle dafür, dass unser Organismus Nährstoffe einerseits aufnehmen kann, andererseits aber auch verträgt. Die von der Leber produzierte Flüssigkeit „Galle” wird unter anderem benötigt, um die Fette im Darm zu verdauen. „Man kann sich das als seifige Flüssigkeit vorstellen, in der sich Fette auflösen”, erklärt Michael Hartmann jenen chemischen Vorgang, bei dem die Galle Lipide in kleine Tröpfchen zersetzt, die wiederum für fettspaltende Enzyme angreifbar sind.

Wie ist dieses spezielle System in unserem Körper angelegt?

Galle sammelt sich in einem birnenförmigen Hohlorgan (etwa zehn Zentimeter lang und vier Zentimeter breit), das umgangssprachlich gleichfalls meist als „Galle” bezeichnet wird, korrekt aber als „Gallenblase” im gesamten Gallensystem mit seinen Gallengängen arbeitet und unmittelbar der Leber anliegt. Gelangt der vom Magen verarbeitete Speisebrei in den Zwölffingerdarm, setzt sich der Prozess fort. Neben der Bauchspeicheldrüse, die ihr Sekret abgibt, werden die Muskelfasern der Gallenblasenwand durch Fettbestandteile dazu animiert, sich zusammenzuziehen und auf diese Weise gleichfalls einen Teil ihrer Flüssigkeit abzugeben, wobei die Gallenblase etwa 50 Milliliter speichern kann.

Wann gibt es erste Probleme mit der Bauchspeicheldrüse?

Gallengang und Pankreasgang münden gemeinsam in den Zwölffingerdarm, daher können Probleme mit der Bauchspeicheldrüse auch von einem Problem im Gallengang herrühren - etwa bei einem Gallenstein, der die Öffnung versperrt und einen gefährlichen Stau verursachen kann.

Wie sehen die ersten, typischen Beschwerden aus?

„Beschwerden im Oberbauch, ganz besonders nach dem Esssen, können auf eine Erkrankung hinweisen”, sagt Hartmann. Fehlt Galle im Verdauungsprozess kommt es zu „Fettstuhl” (hell, salbenartig), färbt sich der Urin bräunlich, weil der gelbe Farbstoff „Bilirubin”, Abbauprodukt beim Hämoglobinabbau, nicht mehr richtig ausgeschieden wird. Es kommt zur Gelbsucht. „Man sieht es an den Augen und an der Haut, zusätzlich entwickelt sich Juckreiz.” Was kann die Ursache sein? „Im Gallengang bleiben nicht selten Steine stecken, Steine schädigen manchmal sogar die Leber”, so Hartmann. „In manchen Fällen entwicklet sich dort auch ein Tumor, der den Gallenfluss hemmt.” Sammeln sich Steine in der Gallenblase, gerät das gesamte sensible System häufig komplett aus dem Gleichgewicht.

Ob der Patient tatsächlich „steinreich” ist, stellt der Arzt relativ schnell fest. „Bei einer Sonographie geht man mit dem Schallkopf unterhalb des Rippenbogens über den Körper”, erklärt Rainald Bachmann den Vorgang. „Da ein Kontrast zur Leber besteht, sieht der Arzt sofort, ob Veränderungen vorliegen.” Steine in der Gallenblase hindern sie daran, sich zusammenzuziehen und stoppen den Gallenfluss. Sind die Gallenwege erweitert und die Wände des Organs verdickt, was durch Entzündungen geschieht, löst das gleichfalls Probleme aus. Die Computertomographie zeigt Struktur und Gewebeart des Gallensystems und dessen Umgebung.

Was heißt es, wenn der Arzt das Verfahren „MRCP” eingesetzt?

„Ein großer Fortschritt in der Diagnostik ist die MRCP, eine spezielle Gallenuntersuchung”, erklärt Bachmann. Wurden bisher per Endoskop bei der ERCP, der „Endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatiko-Graphie”, mit Hilfe von Röntgen-Kontrastmittel Gallenwege, Gallenblase und Pankreasgang dargestellt, verspricht nun die „Magnetresonanzcholangiographie” (MRCP) Schonung: Dieses diagnostische Verfahren ist mit der Computertomographie vergleichbar. Bei der MRCP rotieren Magnetspulen um den Körper des Patienten. Es werden schnittbildartige Aufnahmen erzeugt. Vorteile: Die Untersuchung verläuft schmerzfrei. Die angewandten Magnetfelder sind nicht gesundheitsschädlich. Der Nachteil: Konnte man mit dem Endoskop bereits „vor Ort” arbeiten, Steine aus dem Gallengang entfernen oder Gallengries zertrümmern, so kann der Arzt hier lediglich Schädigungen und Störungen registrieren.

„Komplikationen betreffen immer wieder den Bauchspeicheldrüsengang, es kommt hier gleichfalls zur Entzündung”, weiß Wilhelm Berges. Gleichfalls Tumore sind möglich. „Das Karzinom der Gallenwege ist die fünfthäufigste Krebsart im Magen-Darmtrakt.” Betroffen sind oft ältere Menschen sowie Patienten mit Erkrankungen wie der chronischen Darmentzündung (Colitis ulcerosa).

Wie sehen die Risikofaktoren für das Gallensystem aus?

Risikofaktoren, die Probleme mit der Galle erhöhen, sind unter anderem fettes Essen statt ausgewogener Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch Vorerkrankungen (zum Beispiel „Zucker”/Diabetes mellitus), überhöhte Cholesterinwerte und starke Gewichtsabnahme in einem kurzen Zeitraum, wie Christian Trautwein betont. „Es kann sogar eine genetische Disposition vorliegen”, meint der Experte, der gleichfalls das Risiko einer Leberzirrhose sieht, wenn ein Gallenleiden nicht behandelt wird.” Tatsächlich gibt es in gewissen Familien „Gallenstein-Gene”, die sich in den Generationen deutlich bemerkbar gemacht haben. Als Mahnung sollten, wie Trautwein sagt, die „sieben F” gelten, die sich allerdings aus dem Englischen ableiten: Fett, fair (= helles Haar), female (= weiblich), forty (= ab 40 Jahre), fertil (= fruchtbar) und family (= Familie).

Wann sollte man eine Operation der Gallenblase planen?

Steht fest, dass die Gallenblase sich mit Steinen quält, rät der Chirurg: „Mit minimal-invasiven Operationstechniken kann man über kleine Schnitte mit winzigen Instrumenten das Gallensystem erreichen und das Problem beseitigen”, versichert Volker Schumpelick. Die Patienten dürfen meist schon nach drei Tagen das Krankenhaus verlassen. Eine sehr neue Entwicklung, von der allerdings nur Frauen profitieren, ist „Notes” (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery): Der Operateur kann Schnitte vermeiden, weil er seinen Einsatzbereich über die natürliche Körperöffnung, die Scheide, erreicht.

Haben Sie noch Fragen zum zu unserem Thema „Galle”?

Weitere Fragen greift das AZ-Forum zum Thema „Probleme mit der Galle” auf. Fragen des Publikums an die Experten sind erwünscht. Der Eintritt zum Forum ist frei, Einlass ab 17 Uhr.
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