Washington - Forscher erstellen bakterielle Landkarte der Körperoberfläche

Forscher erstellen bakterielle Landkarte der Körperoberfläche

Von: ddp
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Washington. Die größte Artenvielfalt bei den bakteriellen Bewohnern des menschlichen Körpers findet sich nicht etwa im Darm oder in der Mundhöhle, sondern am Zeigefinger, in der Kniekehle und am Unterarm.

Das zeigt eine Art Landkarte des menschlichen Körpers, in der US-Forscher Zusammensetzung und Vielfalt der insgesamt etwa eine Billion bakteriellen Siedler bei gesunden Erwachsenen erfasst haben.

Fazit der Wissenschaftler: Zwar hat jeder Mensch seinen ganz eigenen individuellen Bakterienzoo am und im Körper. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten bei Mikrobengruppen, die die verschiedenen Körperregionen bevölkern.

Die Zusammensetzung dieser Gruppen hängt demnach vor allem von den Bedingungen der jeweiligen Region ab, schreiben Elizabeth Costello von der University of Boulder und ihre Kollegen im Fachmagazin „Science” (doi: 10.1126/science.1177486).

Schon im Mai hatte ein Forscherteam entdeckt, dass die mikrobielle Vielfalt auf der Haut der Unterarme überraschend groß ist.

Costello und ihre Kollegen analysierten nun weitere Körperstellen: Sie machten bei neun gesunden Freiwilligen an vier verschiedenen Tagen Hautabstriche an unterschiedlichen Körperstellen - unter anderem der Kopfhaut, dem Inneren der Nasenlöcher, dem Gehörgang, der Stirn, den Nasenflügeln, den Achselhöhlen, dem Bauchnabel, den Geschlechtsteilen, Kniekehlen und Fußsohlen.

Zusätzlich nahmen sie Proben aus der Mundhöhle und dem Stuhl der Probanden. Anschließend verglichen sie die Zusammensetzung der bakteriellen Kommunen - sowohl zwischen den einzelnen Probanden als auch zwischen verschiedenen Körperregionen und unterschiedlichen Tagen.

Auf der Kopfhaut, in den Nasenlöchern und im Gehörgang veränderte sich die Mikrobengemeinschaft eines einzelnen Menschen von Tag zu Tag am stärksten, zeigte eine genetische Analyse der Proben.

Die Mundhöhle beherbergt hingegen eine Gruppe von Bakterien, deren Zusammensetzung äußerst stabil ist, sowohl beim Vergleich verschiedener Tage als auch bei verschiedenen Menschen. Ansonsten ist es vor allem die Körperregion, die den Bakterienzoo prägt: Auf Handfläche, Zeigefinger, Unterarm und Kniekehle ist die Artenvielfalt sehr hoch, während die fettige Stirnhaut wohl eher unwirtlich ist - dort fanden die Forscher bei allen Probanden nur eine sehr geringe Diversität.

Zudem ähneln sich die Mikrobengesellschaften, die in den Achselhöhlen und an den Fußsohlen eines Individuums leben, sehr stark - vermutlich, weil es hier wie dort dunkel und feucht ist.

Anscheinend gibt es für jede Körperregion eine Art Kerngruppe, also eine Reihe von Bakterienstämmen, die bei nahezu allen Menschen an der entsprechenden Körperstelle vorkommen, so die Forscher. Ergänzt wird sie durch andere Stämme, deren Zahl und Identität sich individuell stark unterscheiden können.

Ziel der Forscher ist es, einmal eine Art Atlas zu entwickeln, in dem die Standardstämme eines gesunden Menschen erfasst sind. Abweichungen davon könnten dann mit Krankheiten oder bestimmten Merkmalen in Verbindung gebracht werden - schließlich seien es unsere bakteriellen Untermieter, die die Verdauung und die Abwehr von Krankheitserregern maßgeblich mitbestimmen, so die Forscher.
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