Forscher entdecken neuen Wirkmechanismus gegen Allergien

Von: ddp
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Allergietest/Neurodermitis
Neurodermitis ist auch genetisch bedingt: Eine hohe Allergieneigung ist ein Hinweis darauf. Foto: dpa

London. Ein neu entdecktes Molekül kann gefährliche allergische Reaktionen verhindern. Das von einem japanischen Forscherteam identifizierte Eiweiß namens Allergin-1 unterdrückt die bei einer Allergie fehlgeleitete Immunreaktion, indem es die Ausschüttung von Histaminen und anderen Stoffen blockiert.

Diese Botenstoffe lösen die für eine Allergie typischen Symptome wie die Reizung der Schleimhäute von Nase, Bronchien, Augen oder Darm aus. Das Eiweiß Allergin-1 könnte daher eine vielversprechende Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung schwerer Allergien werden, berichten die Wissenschaftler um Akira Shibuya von der Universität Tsukuba in Japan im Fachmagazin „Nature Immunology” (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/ni.1886).

Bei einer Allergie kommt es zu einer häufig heftigen Reaktion des Immunsystems auf sogenannte Allergene. Das Immunsystem bildet dabei Antikörper gegen den mutmaßlich schädlichen Eindringling. Diese heften sich an das Allergen und können so von speziellen Immunzellen, den Mastzellen, erkannt werden, die wiederum Histamine und andere Stoffe ausschütten. Normalerweise dienen die Histamine der Abwehr von Krankheitserregern, doch bei einer Allergie sind sie die Auslöser der unangenehmen allergischen Reaktion. Im äußersten Fall kann diese Reaktion zum sogenannten Anaphylaktischen Schock und damit zum Versagen des Kreislaufs führen.

Akira Shibuya und seine Kollegen haben nun mit Allergin-1 ein bisher unbekanntes Eiweißmolekül auf der Oberfläche der Mastzellen von Mäusen entdeckt, das diese lebensbedrohliche allergische Reaktion verhindern kann. Das Molekül blockiert die Andockstellen für den Komplex aus Antikörper und Allergen auf den Mastzellen­ mit einer wichtigen Konsequenz: Die Mastzellen können die potenziell gefährlichen Histamine nun nicht mehr ausschütten. Die Wissenschaftler untersuchten daraufhin Mäuse, denen das Allergin-1-Molekül fehlte. Die Nager stellten sich als äußerst anfällig für das Auftreten eines Anaphylaktischen Schocks heraus.

Allergin-1 ist daher offenbar ein wichtiger Regulator des Immunsystems, der sich als wirkungsvolles Mittel für die erfolgreiche Bekämpfung schwerer Allergien erweisen könnte. Da Allergin-1 auch vom menschlichen Organismus produziert wird, wäre die Entwicklung einer Therapie basierend auf der Deaktivierung der Antikörper/Allergen-Andockstellen auf den Mastzellen durchaus möglich. Zunächst müssen aber weitere Eigenschaften des Moleküls untersucht werden, erklären die Wissenschaftler. Noch sei unklar, unter welchen Umständen der Mechanismus überhaupt ausgelöst wird.
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