Fit im Alter: Tanzen mit dem Rollator soll helfen

Von: Anja Hübner, dpa
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Walzer, Rumba, ChaCha - trotz Gehhilfe können sich ältere Menschen mit dem Rollatortanz auf dem Parkett fit halten. Foto: dpa

Mainz. Tanzen macht glücklich, gesund und trainiert das Gedächtnis ­auch im Alter. Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, kann bei Walzer, Cha-Cha-Cha und Foxtrott den Gehwagen zu Hilfe nehmen. Der Deutsche Tanzlehrerverband wirbt für den Rollatortanz.

Ein kleiner Schritt nach vorne, ein kleiner Schritt nach hinten, eine Drehung in den Schultern und mit den Händen fest den Lenker umklammert: So tanzt Lieselotte Klug mit ihrem Gehwagen im Gemeinschaftsraum des Städtischen Altenheims Mainz. Die 88-Jährige lächelt: „Beim Walzertakt möchte ich mich einfach bewegen.” Neben ihr im Kreis stehen 16 gehbehinderte Senioren, 15 Frauen und ein Mann. Rollatortanz nennt sich diese neue Form der Bewegung für ältere Menschen, die nicht mehr gut laufen können, aber sich trotzdem zu den Klängen eines langsamen Walzers im Kreis drehen wollen.

Entwickelt wurde der Tanz in den Niederlanden ­und soll nun auch die Altenheime in Deutschland erobern. Dieses Ziel verfolgt Cornelia Willius-Senzer, die Präsidentin des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbands (ADTV). Die Mainzer Tanzlehrerin betont: „Das Tanzen mit dem Rollator ist überhaupt nicht lächerlich, sondern eine tolle Art, sich auch im Alter noch zu bewegen.” Schließlich trainiere es nicht nur Bewegungsabläufe, sondern auch das Gedächtnis.

Ob Cha-Cha-Cha, Foxtrott oder Rumba: Getanzt wird trotz Gehwagen immer als Paar ­wie bei Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen üblich. „Entweder zwei Rollatorbenutzer tanzen als Duo miteinander”, erklärt Willius-Senzer. „Oder ein Rollatorbenutzer tanzt in der Kombi-Formation mit einem Partner zusammen, der noch gut gehen kann.” Gemeinsam laufen die Tänzer dann langsam vor und zurück, schwingen zueinander und voneinander weg und drehen sich im Kreis. „Sie tanzen zum Beispiel einen langsamen Walzer ­ gleiche Musik, gleicher Rhythmus, nur dass die Bewegungen halt viel langsamer sind.”

Seit Januar tingelt Cornelia Willius-Senzer ehrenamtlich durch die Altenheime des Landes und zeigt den Bewohnern und dem Personal das Tanzen mit dem Gehwagen. Dazu zählen nicht nur die Tanzschritte, sondern auch Schulterübungen und Schunkeln im Sitzen ­ zum Beispiel zu dem Lied „Wir werden alle 100”. „Das passt ja gut”, sagt Altenheim-Bewohnerin Lieselotte Klug. Auch der einzige Herr in der Tanzstunde macht mit. „Meinem Körper gefällt es gut”, sagt der 85 Jahre alte Helmut Höfer. „Aber es ist auch anstrengend.”

Zeitgleich zu den Tanzstunden im Altenheim schulen eigens eingeflogene Profis aus den Niederlanden bundesweit im Rollatortanz. In der viertägigen Ausbildung für Lehrer des ADTV geht es nicht nur um die Tanzschritte selbst, sondern auch um die medizinischen Aspekte.

„Wer sich auch im Alter bewegt, muss meist weniger Medikamente nehmen”, sagt der Arzt und Psychotherapeut Günter Gerhardt. Denn durch Bewegung werde Krankheiten wie Diabetes und Arthrose vorgebeugt. Hinzu komme die psychische Komponente: „Wir fühlen uns beim Tanzen nicht ausgegrenzt und durch Musik wird das emotionale Gedächtnis angesprochen­ das macht uns glücklich”, erklärt Gerhardt, der auch Vorsitzender der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz ist.

Walzer, Rumba und Foxtrott am Rollator sollen gehbehinderte Menschen auch dazu animieren, häufiger zu der Gehhilfe zu greifen. „Ich sehe so oft eine alte Dame beim Einkaufen, die sich mit Stock und Einkaufstüte quält. Dabei könnte sie es mit einem Gehwagen so viel einfacher haben”, sagt Willius-Senzer.

Gemeinsam mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung überlegt die Tanzlehrerin, Urkunden als Anreiz für angehende Rollatortänzerinnen und -tänzer zu verteilen. „Ich könnte mir auch eine spaßige Meisterschaft oder einen Auftritt an Fastnacht vorstellen”, sagt der Arzt Günter Gerhardt. „Schließlich müssen es auch zur närrischen Zeit nicht immer junge, hübsche Damen mit dünnen Beinen sein.”
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