Berlin - Finger weg aus dem Gesicht: Akne richtig behandeln

Finger weg aus dem Gesicht: Akne richtig behandeln

Von: Philipp Laage, dpa
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Finger weg aus dem Gesicht: Akne richtig behandeln
Gegen unreine Haut hilft oft schon eine reinigende Waschlotion. Bei einer hartnäckigen Akne muss aber der Hautarzt ran. Im Herbst hilft zudem frische Luft. Foto: dpa

Berlin. Mit den ersten Partys kommen oft die ersten Pickel. Was bis zu einem gewissen Grad normal ist, entwickelt sich bei manchen zu einer ausgeprägten Akne. Viele Mädchen und Jungen leiden sehr unter dieser Krankheit.

Doch die Behandlungsmöglichkeiten sind heute so gut wie nie zuvor. Und Betroffene können selbst etwas gegen die Akne tun. Vor allem gilt: Finger weg von den Pickeln.

Akne ist ein Klassiker der Pubertät, sagt Hans-Georg Dauer vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Berlin. Etwa 80 Prozent der 12- bis 14-Jährigen leiden unter ihr - das gilt für Jungen und Mädchen gleichermaßen. „Es betrifft im Prinzip fast alle.” Akne trete aber in unterschiedlichen Ausprägungen auf. „Es gibt den einen, der überhaupt keine Probleme hat, und den anderen, bei dem es bis zur Narbenbildung geht.” Die Veranlagung trage jeder in sich, in der Pubertät komme es aber durch die Produktion von Geschlechtshormonen zu einem vermehrten Auftreten.

Damit fällt die Hautkrankheit in eine Zeit, in der Jungen wie Mädchen äußerst sensibel für ihr Äußeres sind. Schließlich sind sie dann besonders am Flirten. „Da kommt es viel auf das Gesicht an”, sagt die Diplom-Psychologin Angela Wagner aus Wiesenbach in Baden. Viele Betroffene glaubten, die Akne entstelle sie. Der Hinweis, dass sie in ein paar Jahren weggeht, helfe dann nur wenig. Aber es gibt einige praktische Tipps im Kampf gegen die Pickel.

Akne ist nicht gleich Akne, erklärt Attila Antal von der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Universität München. Man unterscheide verschiedene Formen und Stadien, die auch verschiedene Therapieansätze erfordern. Eine leichte Akne, die von Mitessern und unreiner Haut geprägt ist, könne oft durch reinigende, pH-neutrale Waschlotionen kontrolliert oder verringert werden. Ein übliches Hautpflegeprodukt aus der Drogerie reicht laut Dauer aus.

Wenn die Akne aber schlimmer ist, bleibe oft nur der Gang zum Hautarzt, sagt der Dermatologe. Bei einer leichteren Ausprägung helfen einfache medizinische Substanzen und Vitaminprodukte. Wichtig sei außerdem, ölfreies Make-up aufzutragen, das die Poren nicht verklebt. „Ist der Akne auch damit nicht beizukommen, kann man über den Einsatz von Hautantibiotika in Form von Gels, Cremes oder Lösungen nachdenken.” Die sollten aber nur verwendet werden, wenn die Akne sich in Form von Rötungen und Pusteln bemerkbar macht. Denn ist das Mittel zu stark, gingen vielleicht die Pickel weg, dafür aber trockne die Haut rundherum aus und werde schuppig.

Ein Reizthema war lange Zeit die Verwendung von Vitamin-A-Säure in besonders schweren Fällen - das Medikament galt als Teufelspräparat, erklärt Dauer. Lokal angewendet in Cremes, sei sie gut wirksam und verursache keine Nebenwirkungen. Die Einnahme von Vitamin-A-Säure-Tabletten könne hingegen mit starken, unerwünschten Wirkungen einhergehen. „Risiko und Nutzen müssen stimmen, und die Überwachung muss lückenlos sein”, erläutert Antal. Es müsse zum Beispiel absolut sichergestellt werden, dass Mädchen während der Behandlung nicht schwanger sind. Nur bei hohem Leidensdruck und einer besonders schweren Form der Akne könne die Behandlung mit solchen Tabletten sinnvoll sein, bestätigt Dauer.

Besser ist es, wenn die Akne sich erst gar nicht so schlimm entwickelt. „Aus einer leichten kann auch eine schwere Akne werden, wenn der Betroffene die Dinge einfach laufen lässt”, warnt Antal. Grundsätzlich sollten Jugendliche mit Akne die Hände aus dem Gesicht lassen. Das heißt: Pickel dürfen nicht selbst ausgedrückt werden, denn an den Händen befinden sich Keime, die zu einer Verschlimmerung führen können - möglicherweise sogar zu Narbenbildung.

Problematisch kann es auch werden, wenn eine hormonelle Störung hinzukommt. Die könne künstlich verursacht sein, wenn Jungen zum Beispiel Kraftsport betreiben und dafür illegale, testosteronhaltige Muskelaufbaupräparate nehmen, erklärt Antal. Studien haben gezeigt, dass auch der übermäßige Genuss von Molkereiprodukten eine Akne verschlimmern kann. Sonnenlicht helfe den Patienten entgegen vieler Gerüchte auch nicht. Das Solarium sei ebenfalls tabu.

Einfache Pflegeprodukte gegen Akne gibt es rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen, sagt Antal. „Sie sind bei einem leichten Verlauf auch sehr wirksam - und das bei überschaubaren Kosten.” Verschreibungspflichtige Medikamente werden bei schlimmeren Ausprägungen der Akne von der Krankenkasse übernommen, ergänzt Dauer.

Bloß nicht zu viel waschen:
Akne hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, erklärt Attila Antal von Universitätsklinik München. Sie trete im Gegenteil eher bei Mädchen und Jungen auf, die sich zu oft waschen.

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