Einlagen und Muskeltraining wirken Haltungsschäden entgegen

Von: Barbara Erbe, dapd
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Es zieht in der Schulter, zerrt im Knie oder schmerzt an den Bandscheiben: Fast jeder Vierte, der mit ärztlichem Attest der Arbeit fernbleibt, tut dies laut DAK-Gesundheitsbericht wegen einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems. Foto: dapd

München/St. Augustin. Es zieht in der Schulter, zerrt im Knie oder schmerzt an den Bandscheiben. Fast jeder Vierte, der mit ärztlichem Attest der Arbeit fernbleibt, tut dies laut DAK-Gesundheitsbericht wegen einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems.

Häufig seien Fehlhaltungen durch einseitige Belastung im (Arbeits-) Alltag der Grund, aber auch Fehlstellungen der Füße, sagt der Münchner Kinderorthopäde und Sportmediziner Hartmut Gaulrapp. „Wenn die Wirbelsäule dauerhaft einseitig belastet wird, etwa durch immer wiederkehrendes schweres Heben, gebücktes Sitzen am Schreibtisch oder Übergewicht, kommt die Stützmuskulatur aus dem Gleichgewicht”, sagt Gaulrapp. Fehlt dann auch noch der Ausgleich durch Bewegung und sind die Bauch- und Rückenmuskeln schwach, sind Beschwerden programmiert.

Manchmal verbergen sich nach Angaben des Experten auch Krankheiten wie etwa Skoliose (Krümmung der Wirbelsäule), Kyphose (Buckel) oder auch Verletzungen hinter der Fehlhaltung. „Sind beispielsweise die Beine unterschiedlich lang, gerät das Becken in Schieflage. Wenn sich die Wirbelsäule zum Ausgleich krümmt, kann dies zu Beschwerden führen.” Schließlich können auch seelische Probleme Fehlhaltungen unterstützen, zum Beispiel wenn Menschen in Belastungssituationen oder einer Depression buchstäblich „die Schultern hängen lassen”, „den Rücken krumm machen” oder „buckeln”.

Ausgleich durch Bewegung und Einlagen

Liege der Grund für die Haltungsschwäche in einer Fehlbelastung der Wirbelsäule, setze der Orthopäde zunächst auf Beratung und Anleitung durch Physiotherapie, erläutert Gaulrapp. „Dort lernt die Patientin oder der Patient unter professioneller Anleitung die nötige Ausgleichsgymnastik und gesündere Bewegungsabläufe.”

Geht es um Fehlhaltungen der Füße wie etwa Spreiz-, Senk- oder Knickfuß können auch Einlagen dabei helfen, Haltungsschwächen auszugleichen und Schmerzen zu verhindern. Gaulrapp unterscheidet drei Typen von Einlagen: „Feste, statische Einlagen gleichen vor allem Höhenunterschiede der Füße aus und führen fehlgestellte Füße in die gewünschte Richtung.”

Sogenannte „dynamisch wirksame” Einlagen versuchten, die Muskulatur durch gezielte sensomotorische Reize zu stimulieren. „Sie sind vor allem bei neuroorthopädischen, zum Beispiel spastischen Erkrankungen geeignet”, erklärt Gaulrapp. Spezielle weiche Einlegesohlen - eine Art alternativer Schuhinnensohlen - imitieren laut den Herstellern den für Füße und Wirbelsäule wohltuenden Barfußgang und sollen durch kleine Polster an neuralgischen Punkten die gesamte Körpermuskulatur anregen. „Diese Erwartungen sind momentan aber noch eher spekulativ als durch wissenschaftliche Erfahrung begründet”, urteilt Orthopäde Gaulrapp.

So viel wie möglich barfuß laufen

Hersteller orthopädischer Schuhe und Einlagen sehen das naturgemäß optimistischer. So ist der Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Schuhmacher-Handwerks, Volker Landfried, der Meinung, dass solche Einlagen durchaus Haltungsschäden lindern oder ihnen vorbeugen können. „Ich empfehle meinen Kunden aber immer, sie tatsächlich nur dann zu tragen, wenn die Füße besonders belastet werden, vor allem beim Sport oder bei der Arbeit. Ansonsten ist am allerbesten: So viel wie möglich barfuß laufen.”

Wer dazu nicht oft genug kommt, dem empfiehlt Landfried Schuhe, die vorne und hinten stark abgerundet sind und einen entspannt walkenden Gang zu imitieren versuchten. „Inzwischen gibt es einige seriöse Hersteller dieser orthopädisch sehr sinnvollen Schuhe”, berichtet der orthopädische Schuhmacher und schimpft im gleichen Atemzug darüber, dass „80 Prozent der Menschen in Deutschland Schuhwerk tragen, das ihren Füßen schadet - weil beispielsweise die Sohle zu dünn und hart ist oder der Fuß darin nicht genug Halt findet.”

Flache Schuhe seien übrigens nicht automatisch fußfreundlich. Im Gegenteil: „Ein Absatz von zwei bis drei Zentimetern hilft dabei, das Körpergewicht besser auf den Fuß zu verteilen.” Wer einen völlig flachen Schuh anhabe, trage 70 Prozent seines Körpergewichts auf den Fersen. „Je höher der Absatz, desto mehr wird das Gewicht auch von der Ferse weg auf den Ballen verlagert.”
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