Bonn - Ein Leben mit Tinnitus: 2,7 Millionen Menschen leiden

Ein Leben mit Tinnitus: 2,7 Millionen Menschen leiden

Von: Nicole Gonsior, dpa
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Für viele Betroffene die reinste Qual: Manchmal bleibt ein Tinnitus für immer. Oft lässt sich das Ohrgeräusch aber lindern. Foto: ddp

Bonn. Es piepst in vielen deutschen Ohren: Etwa 19 Millionen Menschen in Deutschland hatten schon einmal einen Tinnitus. Bei rund 2,7 Millionen ist das Ohrgeräusch zu einem ständigen Begleiter geworden, etwa eine Millionen leiden stark darunter und sind behandlungsbedürftig.

Dann sind sie in vielen Fällen auch psychisch angeschlagen. Diese Zahlen lieferte die Deutsche-Tinnitus-Liga (DTL) am Wochenende bei einem dreitägigen Kongress in Bonn. Dabei ist der Tinnitus an sich nur ein Symptom. Will man gegen ihn vorgehen, muss die Ursache gefunden werden. Wie sich das Ohrgeräusch behandeln lässt, wie man mit ihm umgehen kann und welche möglichen Ursachen infrage kommen, war Thema bei der Konferenz.

Jeder Fall von Tinnitus ist anders. Oft verschwindet er wieder genau so plötzlich, wie er gekommen ist. „Wenn am Tag nach dem Auftreten des Tinnitus das Ohrgeräusch noch nicht weg ist, sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen”, sagt Prof. Gerhard Goebel, Chefarzt der Klinik Roseneck in Prien und Vizepräsident der DTL. Beim Arztbesuch soll dann die Ursache für den Tinnitus gefunden werden: Die häufigsten Auslöser sind Lärm, ein Hörsturz oder eine Innenohrerkrankung mit dem Namen Morbus Menière.

Umstritten ist hingegen, ob auch Stress zu einem Ohrgeräusch führt. Es ist zwar erwiesen, dass 25 Prozent der Betroffenen unter enormen Stress stehen, unklar ist aber, ob sie dadurch ihren Tinnitus stärker wahrnehmen oder er erst dadurch auftritt. „94 Prozent der Menschen haben einen Tinnitus. Aber den kann man nur hören, wenn man in einem absolut stillen Raum ist”, sagt Goebel.

Die möglichen Behandlungen sind so vielseitig wie die Ursachen. Das Spektrum reicht von Angeboten wie Musiktherapie, Entspannungsverfahren, Psychotherapie, Physiotherapie oder einer eventuellen Behandlung mit Kortison nach einem akuten Tinnitus-Fall. Die DTL empfiehlt vor allem, sich von dem Geräusch abzulenken. Das geht zum Beispiel nachts mit einem kleinen Kissen mit integrierten Lautsprechern, die ein Geräusch wie Meeresrauschen oder Musik abspielen.

Der klinische Psychologe und Familientherapeut Dr. Rüdiger Opelt berichtete von seiner Arbeit mit Betroffenen: Er behandelt viele Patienten, die auf Grund eines Familiendramas an Tinnitus erkrankt sind. Oft handele es sich um versteckte Trauma, die den Betroffenen selbst gar nicht bewusst seien. „In diesen Fällen wirkt der Tinnitus wie ein Alarmsignal.” Dabei hat Opelt die Erfahrung gemacht, dass die Ohrgeräusche weniger werden, je mehr die Betroffenen das Verdrängte aufarbeiten.

Der Kongress stand auch im Zeichen eines Jubiläums: Seit 25 Jahren bietet die DTL eine Tinnitus-Selbsthilfe. Heute ist sie mit rund 15.000 Mitgliedern weltweit die größte Organisation dieser Art. Bei der DTL sollen Betroffene miteinander in Kontakt treten und lernen, ihr Leben mit dem Ohrgeräusch zu meistern.
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