Ein Braten auf dem Tisch dämpft die Aggressionen

Von: dapd
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Montreal. Kanadische Forscher haben ein ungewöhnliches Rezept für ein friedliches Miteinander in den Tagen um Weihnachten und Silvester entdeckt

Ein schönes Steak oder ein gutes Stück Braten auf dem Tisch tragen offenbar dazu bei, den Familienfrieden aufrechtzuerhalten - und das nicht nur, weil ein leckeres Essen das Gemüt besänftigt.

Vielmehr kann allein der Anblick von Fleisch Aggressionen dämpfen, haben die Psychologen Frank Kachanoff und Donald Taylor von der McGill-Universität in Montreal (Kanada) gezeigt. Die Ergebnisse präsentierten die Forscher auf einem Symposium der McGill-Universität.

Inspiriert wurde die Untersuchung von Forschungsergebnissen zu Aggressionen - und von evolutionstheoretischen Ansätzen. „Wir wollten wissen, ob Menschen auf bestimmte Reize in ihrer Umgebung aggressiv reagieren, und zwar nicht deshalb, weil sie dies gelernt haben, sondern weil dieses Verhalten angeboren ist”, erläutert Kachanoff. Dabei gingen die Forscher eigentlich davon aus, dass Fleisch auf dem Tisch Menschen aggressiver macht.

Denn dieses Verhalten könnte unseren Vorfahren geholfen haben, erfolgreich zu jagen und ihre Fleischvorräte gegen Konkurrenten zu verteidigen. Ein hungriges Tier fletsche schließlich auch die Zähne und knurre jeden an, der versucht, ihm sein Fleisch wegzunehmen, sagt Kachanoff. Die Frage sei also gewesen: „Gilt das Gleiche nicht auch für den Menschen?”

Um das zu testen, untersuchten die Forscher 82 Männer, denen sie Bilder mit Fleisch und andere Bilder mit neutralen Inhalten zeigten. Gleichzeitig wurde den Probanden von einer nicht sichtbaren Person eine Geschichte vorgelesen. Jedes Mal, wenn der Vorleser einen Fehler machte, sollten sie ihn mit Tönen unterschiedlicher Lautstärke bestrafen, die unangenehm und im Extremfall sogar schmerzhaft laut sein konnten.

„Dies ist eine erprobte Methode, um Aggression zu messen”, sagt Kachanoff. „Wir haben nun erwartet, dass der Anblick von Fleisch dazu führt, dass der Vorleser mit lauteren und unangenehmeren Tönen bestraft wird.”

Über das Ergebnis waren Kachanoff und Taylor dann selbst überrascht: Die Bilder mit Fleisch machten die Probanden nicht aggressiver, sondern im Gegenteil weniger aggressiv als die neutralen Vergleichsfotos. „Allerdings haben wir für unsere Untersuchung Fotos benutzt, die fertig zubereitetes Fleisch zeigten”, sagt Kachanoff. „Im Nachhinein gesehen erscheint es logisch, dass diese Bilder beruhigend wirken.

Unsere Vorfahren waren vermutlich auch ruhig, wenn sie beim Essen saßen und von Freunden und Familienmitgliedern umgeben waren.” Wenn diese Erklärung stimmt, sollte sie auch noch heute gelten und am Familientisch zu einer friedlichen Stimmung beitragen. Allerdings könnte es - nach der Theorie von Frank Kachanoff - vor allem vor dem Festmahl zu Zerwürfnissen kommen.

„Ich würde das Experiment gern wiederholen und dabei Bilder mit Jagdszenen verwenden”, sagt der Psychologe. „Denn möglicherweise löst ja der Anblick von getöteten Tieren oder rohem Fleisch tatsächlich mehr Aggression aus.”
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