Durchfall ist eine häufige Nebenwirkung von Antibiotika

Von: Mascha Schacht, ddp
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Köln/Frankfurt a. Main. Sie ist so unangenehm, wie sie klingt: die antibiotika-assoziierte Diarrhoe. Dieser medizinische Fachbegriff umfasst Durchfallerkrankungen, die durch die Einnahme von Antibiotika hervorgerufen wurden.

Die Präparate gehören zu den wirkungsvollsten Medikamenten, die dem Arzt bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten zur Verfügung stehen. Penicillin und Co haben bereits Millionen von Menschen das Leben gerettet, ihr Nutzen ist also unbestritten. Leider haben sie jedoch einen Nachteil: Sie können häufig nicht zwischen Feind und Freund unterscheiden.

Deshalb töten sie nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien. „Besonders der Dickdarm ist dicht besiedelt, dort befinden sich Hunderte Milliarden Bakterien”, berichtet Professor Harald Seifert vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Universität Köln: „In einem gesunden Darm halten nützliche Bakterien krankmachende Arten in Schach. Muss man aber beispielsweise wegen einer Mandelentzündung ein Antibiotikum nehmen, kann dieses Gleichgewicht vorübergehend gestört werden.”

Häufig merkt der Patient davon überhaupt nichts. Wenn er Pech hat, gewinnen jedoch einige schädliche Bakterienarten die Überhand und dann kann es unangenehm oder sogar gefährlich werden, wie Seifert erklärt: „Wenn zu wenig nützliche Bakterien da sind, wird vor allem kohlenhydratreiche Nahrung schlechter verdaut. Dadurch kann es zu Durchfall kommen.” Kinder sind davon eher betroffen als ältere Menschen, deren Darm bereits einiges durchgemacht hat und daher abgehärteter ist. Bei jungen wie bei alten Menschen vergehen nach einer Antibiotikabehandlung oft mehrere Monate, bis sich die Darmflora wieder vollständig regeneriert hat. Der Stuhlgang normalisiert sich im Regelfall allerdings schon wenige Tage nach dem Ende der Medikamenteneinnahme.

„Wenn der Durchfall länger als eine Woche anhält, wässrig ist oder mit Bauchschmerzen und einem allgemeinen Unwohlsein einhergeht, sollte man jedoch den Arzt konsultieren”, rät Seifert. Denn in Ausnahmefällen können Antibiotika zu infektiösen Darmerkrankungen führen, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden: „Der Hauptverursacher ist ein Stäbchenbakterium namens Clostridium difficile. Bei gesunden Menschen ist das ein ganz harmloser Darmbewohner. Aber wenn ein Antibiotikum seine Konkurrenten auslöscht, kann es sich übermäßig vermehren und Giftstoffe produzieren.”

Diese Fälle sind allerdings die Ausnahme und kein Grund, auf leichte Magen-Darm-Beschwerden panisch zu reagieren. „Vor allem sollte niemand eigenmächtig eine Antibiotikabehandlung abbrechen”, warnt der Allgemeinmediziner Hans-Michael Schäfer. „Diese Entscheidung darf nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.” Dieser kann dann prüfen, ob ein Abbruch der Behandlung verantwortbar ist oder ob es vielleicht die Möglichkeit gibt, auf ein anderes Antibiotikum umzusteigen.

„Durchfallerkrankungen werden vor allem durch sogenannte Breitbandantibiotika ausgelöst”, erklärt Schäfer. „Für viele Erkrankungen, beispielsweise eitrige Mandelentzündungen, gibt es zwar ein passendes Schmalbandantibiotikum, das nur den tatsächlichen Krankheitsverursacher ausschaltet. Manchmal wird aber trotzdem ein Breitbandantibiotikum verschrieben, weil es vermeintlich schneller wirkt.” Er empfiehlt den Patienten daher, sich schon vor Beginn der Behandlung beim Arzt zu erkundigen, ob es sich bei dem verschriebenen Präparat um ein Breitbandantibiotikum handelt und wenn ja, ob es nicht vielleicht eine Alternative gibt.

Auch kann der Patient selbst einiges unternehmen, damit sich die Darmbeschwerden in Grenzen halten. „Man sollte möglichst auf Dinge verzichten, die schon für sich genommen eine abführende Wirkung haben oder die Magenschleimhaut reizen, beispielsweise Obst und Fruchtsäfte und natürlich Alkohol”, rät der Mediziner aus Frankfurt am Main. Viel Wasser oder Tee zu trinken, ist hingegen sehr wichtig, damit der Körper nicht austrocknet. Wer Brühe zu sich nimmt, versorgt ihn zugleich mit wertvollen Mineralstoffen.

Um dem Darm die Arbeit zu erleichtern, ist darüber hinaus eine zucker- und fettarme Schonkost empfehlenswert, bei der mageres Fleisch, gedünsteter Fisch und nicht-blähendes Gemüse auf der Speisekarte stehen. Naschkatzen dürften sich allerdings freuen, verrät Schäfer augenzwinkernd: Schokolade - beziehungsweise bestimmten in den Kakaobohnen enthaltenen Stoffen - wird eine stopfende Wirkung nachgesagt: „Allerdings sollte man sich dann auf Sorten mit sehr hohem Kakaogehalt und wenig Zucker beschränken, da letzterer den Durchfall eher beschleunigen würde.”

Was den Nutzen sogenannter probiotischer Joghurts angeht, sind sich Schäfer und Seifert einig: „Ihre Wirksamkeit ist bis heute nicht eindeutig wissenschaftlich belegt, sie schaden allerdings auch nicht. Von daher muss einfach jeder Patient selbst ausprobieren, ob ihm diese Produkte helfen oder nicht.” Das gleiche gilt für Probiotika aus der Apotheke. Diese werden meist in Kapselform angeboten, enthalten nützliche Bakterien, bestimmte Hefepilze oder eine Kombination aus beidem und sollen die Krankheitserreger im Darm in ihrem Wachstum bremsen.
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