Die Wechseljahre schwächen den Beckenboden

Von: dapd
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Wettin. Beim Stichwort Beckenboden denken viele nur an frischgebackene Mütter und Rückbildungskurse: „Doch die Stärkung des Beckenbodens ist für Frauen aller Altersklassen wichtig”, sagt Dörte Meisel vom Berufsverband der Frauenärzte in Sachsen-Anhalt. „Vor allem in der Zeit des Klimakteriums.”

Scheinbar grundlos und plötzlich entsteht in der Zeit der Wechseljahre bei drei von vier Frauen eine Blasenschwäche. Die Ursache für den Urinverlust ist die Umstellung der Hormonproduktion. „In den Wechseljahren reduziert sich die körpereigene Produktion des weiblichen Hormons Östrogen”, erklärt Meisel.

Der sinkende Hormonspiegel lässt das muskuläre Beckenbodengewebe dünner und trockener werden, die Stabilität lässt nach. Meisel beschreibt die unangenehmen Symptome: „Beim Husten, schnelleren Laufen oder Lachen geht plötzlich und unkontrollierbar Urin ab”.

Auch die Durchblutung der Schleimhäute im Genitalbereich lässt nach, der PH-Wert in der Scheide verändert sich, häufigere Blaseninfekte können die Folge sein. Die dauerhafte Verwendung von Einlagen oder Binden fördert zudem Infektionen: „In der Feuchtigkeit sammeln sich Erreger.”

Doch anstatt zum Arzt zu gehen, schweigen viele Frauen, weil sie sich für den Urinverlust schämen: „Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz sind stark tabuisiert”, sagt Meisel. „Dabei lassen sich die Beschwerden sehr gut therapieren.” Schnelle Hilfe bieten hormonhaltige Cremes, die die Muskulatur der Harnröhre im Beckenboden unterstützen und durchfeuchten.

In schwererer Fällen kann ein kleiner operativer Eingriff nötig sein: „Dabei wird ein Bändchen oder Netz zur Stabilisierung der Muskelschichten eingesetzt.” Dieser Eingriff erfolgt durch die Scheide und kann sogar ambulant erfolgen. „Generell ist es aber immer wichtig, dass Frauen ihren Beckenboden trainieren und zwar in jedem Alter”, rät die Medizinerin. Um die Muskelschichten richtig anzuspannen und zu stärken, sei einmalig professionelle Anleitung ratsam, zum Beispiel bei einer Physiotherapeutin oder einer speziellen Beckenbodentherapeutin.
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