Berlin - Die Plage mit den Pollen: Wie Autofahrer mit Heuschnupfen umgehen

Die Plage mit den Pollen: Wie Autofahrer mit Heuschnupfen umgehen

Von: Norbert Michulsky, ddp
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Berlin. Es sind viele, und sie sind überall. Vor Blütenpollen gibt es kein Entkommen. Und in diesem Jahr wird es besonders heftig, prophezeit Benedikt Folz, Chefarzt an der zum Medizinischen Zentrum für Gesundheit gehörenden HNO-Klinik der Karl-Hansen-Klinik in Bad Lippspringe.

Denn durch den außergewöhnlich langen Winter tat sich erst einmal nichts, doch „jetzt geht es richtig los, und auf einmal werden alle ordentlich schniefen”. Wenn es dabei bliebe, könnte man das Problem mit den Pollen als Befindlichkeitsstörung abhaken. Doch im Straßenverkehr etwa bewegen sich von Pollen geplagte Allergiker mit erhöhtem Risiko. Während eines heftigen Niesers beispielsweise bei Tempo 100 legt man gut rund 30 Meter unkontrolliert zurück. Aber auch tränende Augen oder juckende Nasenschleimhäute knabbern an der Konzentration.

Ungefähr jeden fünften Erwachsenen in Deutschland plagt Heuschnupfen. Den mikroskopisch kleinen Plagegeistern zu entkommen ist so gut wie unmöglich. Eine einzige Roggenähre streut über vier Millionen Pollenkörner. Der Wind trägt sie nicht selten Hunderte Kilometer weit. Die winzigen Partikel genügen, um eine heftige Abwehrreaktion in Gang zu bringen.

Kommen Allergiker mit solchen Pollen in Kontakt, läuft die Nase, schwellen die Augenlider, beginnt das Niesen, beginnt das Jucken. Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme nehmen zu. Alfred Fuhr vom AvD-Institut für Verkehrssoziologie: „Fachleute bestätigen, dass allergiegeplagte Autofahrer im Straßenverkehr mindestens so gefährlich sind wie alkoholisierte.”

Was tun? Zunächst einmal gibt es sehr wirksame Medikamente. Doch hier sollte man sorgsam den Beipackzettel lesen und seinen Arzt fragen, um durch Nebenwirkungen nicht den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. „Autofahrer sollten nur solche Präparate einnehmen, die auch für Piloten zugelassen sind”, sagt Mediziner Folz.

Das Problem: Medikamente gegen die Allergie machen häufig müde. Eine gefährliche Falle für Autofahrer, warnt der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Nach Angaben der deutschen Haut- und Allergiehilfe weisen Allergiker ein bis zu 30 Prozent höheres Unfallrisiko auf.

Wer unterwegs am Steuer von einer Pollen-Attacke überrascht wird, sollte die Fahrt aus Sicherheitsgründen sofort abbrechen, rät Frank Volk vom TÜV Süd. Aber auch schon vor Fahrtantritt kann man vorsorgen, etwa nach der Devise: „Schotten dicht.” Entsprechend der seemännischen Ansage sollten die Fenster sowie das Schiebedach beim Fahren immer geschlossen und die Lüftung ausgeschaltet bleiben. Wenig zweckmäßig ist es, längere Zeit auf Umluft zu schalten, weil dann die Scheiben beschlagen.

Erleichterung bringt es, einen Pollenfilter, besser noch einen Kombifilter mit Aktivkohle zu verwenden. Dieser hält neben Pollen, Ruß und Staub auch Abgase vom Innenraum fern. Solche speziellen Filter für Auto-Lüftungsanlagen können aus der Zuluft Pollen, Staub und Ruß bis hinunter zu Partikelgrößen von nur einem Mikrometer - das ist Bazillengröße - herausfiltern. Weil sich aber Filter mit der Zeit zusetzen, müssen sie etwa alle 15.000 Kilometer ausgetauscht werden, um ihre optimale Wirkung zu behalten.

Die Filtereinsätze sind im Fachhandel erhältlich. Wer sein Auto regelmäßig in die Wartung gibt, kann davon ausgehen, dass die Filterleistung ausreichend ist, weil die Inspektionsvorgabe einen regelmäßigen Wechsel enthält. Generell sollte der Filter einmal im Jahr ausgetauscht werden.

Hilfreich ist es zudem, die Klimaanlage auf kühl zu stellen, da die Beschwerden dann leichter zu ertragen sind. „Das Tragen einer Sonnenbrille entlastet die Augen”, rät Maximilian Maurer vom ADAC und hält noch zwei Empfehlungen parat: „Beim Parken sollte man beachten, dass Bäume nicht nur Schatten spenden, sondern auch Pollen aufs Fahrzeug regnen.” Und bei der Rückkehr zum geparkten Auto sollten Mantel oder Jacke besser im Kofferraum verstaut werden, damit sich die anhaftenden Pollen vom Spaziergang nicht auf der Rücksitzbank verteilen können.
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