Die Gesundheitskarte kommt: Start Anfang Oktober

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Elektronische Gesundheitskarte
Eine Frau hält ein Muster einer elektonischen Gesundheitskarte der AOK in der Hand. Foto: dpa

Düsseldorf. Nach jahrelangem Streit und Verzögerungen startet in Deutschland ein weiteres IT-Großprojekt: die elektronische Gesundheitskarte. Vom 1. Oktober an werden in der Pilotregion Nordrhein die Karten schrittweise an die rund 9 Millionen Versicherten verteilt.

Bundesweit soll die noch stark umstrittene elektronische Karte in drei weiteren Runden möglichst bald die bisherige Krankenversichertenkarte ablösen.

„Es gibt kein Zurück mehr”, sagt Leonhard Hansen, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, über das IT-Projekt, das wie die LKW-Maut mit jahrelangen Startproblemen zu kämpfen hatte. Krankenakten auf Papier sollen bald der Vergangenheit angehören.

Bei der Therapie komplexer Krankheiten soll die Karte die Informationswege zwischen Patienten, Ärzten und Kliniken erleichtern. Die Gesamtkosten werden nach nach Angaben der Betreibergesellschaft Gematik auf bis zu 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Andere Schätzungen gehen von einem weit höheren einstelligen Milliardenbetrag aus.

Doch der Weg zur elektronischen Krankenakte ist noch voller Hürden. Bis etwa Mitte September hatten nach Angaben Hansens erst etwa 35 Prozent der rund 15.000 Praxen das notwendige neue Lesegerät installiert.

Nur bis Ende Oktober zahlen die Kassen die rund 1000 Euro für das Gerät und den Aufbau. Bis dahin sollen mindestens 80 Prozent der Praxen das Lesegerät haben. „Es gibt keine Lieferengpässe”, sagt Hansen. „Es ist eine Frage der generellen Bereitschaft.”

Bis aber alle Ärzte bereit sind, sollten die Patienten zwei Karten im Portemonnaie haben - die alte und die neue. „Man kann in der ersten Zeit auf Praxen treffen, die fundamentalen Widerstand gegen die neue Karte leisten”, so Hansen. Auch die privaten Versicherungen sind noch nicht mit im Boot.

Neu an der elektronischen Gesundheitskarte ist das Foto, mit dem Missbrauch verhindert werden soll. In der Startphase kann die Karte allerdings kaum mehr als ihre Vorgängerin. Gespeichert sind auf ihr zunächst nur die Stammdaten des Patienten.

Auf der Rückseite allerdings befindet sich der europäische Krankenversicherungsschein. Erst wenn die Karte online genutzt werden kann - nach Schätzungen Hansens frühestens im nächsten Jahr -, kann sie zeigen, was sie kann. Pflicht wird das elektronische Rezept. Alle weiteren Patientendaten aber werden freiwillig sein.

Der Patient habe großes Verständnis für die Karte, meint der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. „Die Online-Anbindung ist absolut notwendig und sinnvoll”, sagt der Vorsitzende der größten Kasse in der Region.

Er fordert, dass sie Pflicht für jeden Arzt wird. Andernfalls könne die elektronische Karte nicht viel mehr als die alte Versichertenkarte leisten. Jacobs ruft die Ärzte auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben.

„Die Zukunft ist, dass es eine elektronische Krankenakte gibt.” Den Einwand des mangelnden Datenschutzes hält Jacobs für vorgeschoben. „Vielleicht wird das ärztliche Handeln dadurch auch mal transparenter.”

KV-Chef Hansen sagt: „Herr des Verfahrens ist in jeder Hinsicht - was Speicherung der Daten und Zugang betrifft - der Patient.” Nur wenn die PIN-geschützte Chipkarte des Patienten und der Heilberufsausweis des Behandelnden gleichzeitig im Lesegerät stecken, kann auf die Daten zugegriffen werden.

Mit der Online-Anbindung könnten Adressen- oder Kassenwechsel künftig geändert werden, ohne dass wie bisher eine neue Karte ausgestellt werden müsse, sagt Hansen.

Die Ärzte sehen das neue elektronische Zeitalter weit skeptischer. „Die Ärzte fühlen sich noch nicht wirklich einbezogen”, sagt Christiane Groß, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein. Außerdem hätten viele Ärzte Ängste und Bedenken, dass das Arzt- Patienten-Geheimnis nicht eingehalten werden könne. „Da sind auch die Meldungen über Datenskandale in Unternehmen in der letzten Zeit nicht förderlich”, sagt Groß.
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