Die Antibabypille eignet sich nicht für jede Frau

Von: Ilka Kreutzträger, dapd
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Hamburg/Heidelberg. Die Antibabypille steht noch heute wie kein anderes Verhütungsmittel für freie Lebensplanung und sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Und in Deutschland ist die Pille auch 50 Jahre nach ihrer Einführung auf dem hiesigen Markt das mit Abstand beliebteste Verhütungsmittel.

Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten 53 Prozent der Frauen mit der klassischen Pille, also einem Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat.

37 Prozent benutzen (oft als Ergänzung zur Pille) ein Kondom und an dritter Stelle der Verhütungsmethoden folgen mit jeweils 10 Prozent die Spirale und die Sterilisation. „Deutschland ist ein absolutes Pillen-Land”, sagt Anneliese Schwenkhagen, Gynäkologin aus Hamburg. Die klassische Pille sei bequem anzuwenden, kostengünstig, zuverlässig und für junge, gesunde Frauen segensreich.

Einem Kinderwunsch stehe die Pille nicht im Weg. „Die Pille schädigt die Fertilität nicht”, sagt Schwenkhagen. Im Gegensatz zu den sogenannten Depot-Spritzen. Sie könnten, über einen langen Zeitraum hinweg gegeben, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Denn die Hormone sammeln sich im Fettgewebe der Frau an und werden erst langsam wieder abgebaut. Die regelmäßige Einnahme der Pille habe positive Effekte auf starke Regelblutungen und unregelmäßigen Zyklus, schwäche Regelschmerzen ab, könne Endometriose vorbeugen und lindere Beschwerden des prämenstruellen Syndroms. „Außerdem minimiert die Pille das Risiko, an Gebärmutterschleimhautkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken”, sagt Schwenkhagen. Doch bei allen Vorzügen werde oft vergessen, dass die Pille nicht für jede Frau gleichermaßen geeignet sei.

Sie habe in ihrer Praxis für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin die Erfahrung gemacht, dass viele Patientinnen wenig oder gar nichts über ihre eigene Familiengeschichte erzählen können, sagt die Ärztin. „Gerade junge Frauen wissen oft nicht, welche Krankheiten in ihrer Familie vorkommen und ob und wie sie selbst vorbelastet sind.”

Diese Unwissenheit könne dazu führen, dass Frauen mit der Pille verhüten, obwohl sie damit ein hohes gesundheitliches Risiko eingingen. „Zu den Risikofaktoren gehören das Rauchen, Bluthochdruck, Migräne, Übergewicht oder Thrombosen in der Familie”, sagt Schwenkhagen.

Wer familiär vorbelastet sei, sollte sich unbedingt für eine andere Verhütungsmethode entscheiden, rät Schwenkhagen. Ohne die Pille bekomme im Mittel jede 4. bis 5. von 10.000 Frauen eine Thrombose, mit der Pille verdoppele sich dieses Risiko. „Verhütung ist aber immer eine individuelle Abwägung von Risikofaktoren auf der einen Seite und dem psychosozialen Kontext auf der anderen Seite”, sagt Schwenkhagen.

Vergesslich oder nicht? Unregelmäßiger Tagesablauf oder nicht? In den nächsten ein bis zwei Jahren ein Kinderwunsch oder nicht? All diese Fragen spielten eine Rolle. „Ist die Patientin dann über ihre Familiengeschichte informiert und sich selbst gegenüber ehrlich, findet man die ideale Verhütungsmethode”, sagt Schwenkhagen. Die Alternativen reichten von östrogenfreier Pille und Vaginalring bis zur Spirale.

Wer auf hormonelle Verhütung verzichten will, kann sich für die Natürliche Familienplanung (NFP) entscheiden. Eine Methode, bei der die Frauen ihre Körpertemperatur messen und den Zervixschleim in der Scheide beobachten, der während der unfruchtbaren Tage kaum zu sehen ist und an fruchtbaren Tagen dann flüssiger, glasig und milchig ist. „Diese symptothermale Methode, also die doppelte Kontrolle aus Messen und Beobachten, ist grundsätzlich für fast jede Frau geeignet”, sagt Petra Frank-Herrmann, Gynäkologin an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg.

Frank-Herrmann hat 2007 mit einem internationalen Ärzteteam Daten von 900 Frauen ausgewertet, die mindestens ein Jahr mit der symptothermalen Methode verhüteten. Ergebnis: Diese Methode ist sehr sicher, wenn die Frauen in den circa zehn bis zwölf fruchtbaren Tagen pro Zyklus keinen Sex hatten oder ein Kondom benutzten.

Selbst Frauen mit unregelmäßigem Zyklus oder Stewardessen, die häufig mit Zeitverschiebungen zu tun hätten, könnten auf diese Weise sicher verhüten. Voraussetzung sei, dass die Frauen motiviert seien und die Geduld aufbrächten, sich mit der Verhütungsmethode auseinanderzusetzen, sagt die Gynäkologin.

„Auch wenn die Frauen vielleicht nicht dauerhaft auf die natürliche Weise verhüten wollen, rate ich dazu, es einmal drei Monate lang auszuprobieren”, sagt Frank-Herrmann. Man erlange ein gewisses Maß an Körperkompetenz, könne leichter zwischen normal und krankhaft unterscheiden und lerne, die Symptome für Fruchtbarkeit zu erkennen. „Wir wissen ja auch, dass wir Hunger haben, wenn der Magen knurrt”, sagt Frank-Herrmann. „Dieses Wissen sollte jede Frau auch über ihren Zyklus und seine Symptome haben.”
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