Demenzbegleiter: hoch geschätztes Personal

Von: Dirk Baas, epd
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Das Lebensumfeld Demenzkranker so zu gestalten, dass sie sich wohlfühlen, ist vielfach ohne großen Aufwand zu bewerkstelligen. Foto: obs/Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Frankfurt. In Pflegeheimen kommen nach Anlaufschwierigkeiten immer mehr „Demenzbegleiter” zum Einsatz. Bezahlt von der Pflegekasse, entlasten sie das Fachpersonal bei der Betreuung altersverwirrter Menschen.

Doch anders als von der Bundesregierung geplant, befinden sich unter den neuen Mitarbeitern kaum ehemalige Langzeitarbeitslose. Eigentlich sollte das 2008 in Kraft getretene Pflegegesetz auch dazu dienen, Tausende von Jobsuchern in die Altenheime zu vermitteln.

„Der Einsatz von Demenzbegleitern ist eine Verbesserung für uns.” Michael Conzelmann, Prokurist der Evangelischen Heimstiftung mit Sitz in Stuttgart, zieht ein überwiegend positives Fazit des Einsatzes der neuen Helfer. Er sagt aber auch: „Wir hätten uns allgemein mehr Personal in der Altenpflege gewünscht.” Die jetzige Lösung sei aber „besser als nichts”.

Derzeit hat die Heimstiftung, der größte Altenhilfeträger in Baden-Württemberg, knapp 50 Vollzeitstellen für Demenzbegleiter in ihren Einrichtungen geschaffen. Etwa 100 Personen sind im Einsatz, darunter sind jedoch nur wenige ehemalige Langzeitarbeitslose: „Die spielen hier keine nennenswerte Rolle.”

Beim Diözesancaritasverband Münster haben inzwischen 540 Demenzbegleiter ihre Arbeit in den 180 Heimen aufgenommen. Doch gebe es hier höchstens „den einen oder anderen ehemaligen Arbeitslosen”, berichtet Bernd Bußmann, Fachreferent für stationäre Altenhilfe: „Das ist eindeutig nicht die Hauptzielgruppe.”

Exemplarisch verweist er auf die Zusammensetzung des jüngsten Qualifikationskurses für Demenzbegleiter in Münster: Von 19 Teilnehmern, die nach 160 Unterrichtsstunden ihr Zertifikat erhielten, seien nur zwei schon länger ohne Job gewesen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat aktuell 25.000 Personen in ihrem Bewerberpool, die sich für die eine Tätigkeit als Demenzbegleiter interessieren. 1500 Stellen seien bereits besetzt worden, sagte ein Sprecher dem epd.

Zugleich stünden noch etwas mehr als 1000 Stellen offen. Seit Juli 2008 hat die BA über 8000 Personen als Demenzbegleiter geschult. Fördergelder gab es für 3800 Weiterbildungskurse.

Bundesweit gibt es 1,2 Millionen Demenzkranke. Jahr für Jahr kommen etwa 250.000 neue Fälle hinzu. Ein Drittel der Betroffen lebt in Pflegeheimen, die jedoch oft nicht auf die besonderen Bedürfnisse der verwirrten Kranken reagieren können. Seit dem vergangenen Jahr ist das anders. Jedes Heim kann für 25 demenzkranke Bewohner eine zusätzliche Betreuungsperson einstellen. Die Kosten dafür erstatten die Pflegekassen.

Probleme, Personal zu finden, haben weder die Caritas noch die Heimstiftung. Beide Träger schulen eigene Mitarbeiter, bilden ehrenamtliche Helfer fort oder lassen bereits angestellte Pflegekräfte in Teilzeitarbeit ihre Stundenzahl aufstocken.

„Mit einem Bruttogehalt von knapp 2000 Euro für eine volle Stelle ist das finanziell attraktiv”, so Conzelmann und verweist auf geringere Verdienste etwa bei Hilfstätigkeiten in der Küche.

Die Beschäftigung der zusätzlichen Kräfte sei „sehr gut angelaufen”, betont Bußmann. „Diese Möglichkeit wird von unseren Häusern hoch geschätzt.”

Er habe ohnehin nicht damit gerechnet, dass massenweise Arbeitslose in die Pflegeheime drängen. Die Idee sei nicht mehr als ein „Reflex der Politik und der Bundesagentur für Arbeit” gewesen.

„Das war nicht anders zu erwarten”, urteilt auch Susanne Kahl-Passoth, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Die meisten Langzeitarbeitslosen seien gar nicht in der Lage, einen schweren Job in der Altenpflege zu machen. „Das ist kein Zuckerschlecken. Dafür braucht man eine starke Psyche”, betont Kahl-Passoth.

Dass die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen oft scheitert, hat für die Diakoniechefin vor allem strukturelle Gründe. In den Jobcentern säßen noch immer zu wenig und oft nicht ausreichende qualifizierte Mitarbeiter.

Deshalb falle es den Jobvermittlern schwer, genau zu prüfen, wo die Stärken und Schwächen der Betroffenen liegen. „Hier muss einiges anders werden”, fordert Kahl-Passoth.

Für eine erfolgreiche Vermittlung müssten die Mitarbeiter genau wissen, welche Vorbildung die Klienten haben und wo sie künftig optimal einzusetzen sind - wenn alles passt auch im Pflegeheim.
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