Das Kreuz mit dem Kreuz: Wohnen mit Rückenbeschwerden

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Selsingen. „Isch hab Rücken”, jammert Horst Schlämmer alias Komiker Hape Kerkeling - und Millionen Betroffene fühlen mit ihm und haben diesen umgangssprachlichen Satz als Motto ihres alltäglichen Leidens übernommen.

Denn: „Rückenbeschwerden sind das Volksleiden Nummer Eins”, sagt Georg Stingel von der Aktion Gesunder Rücken in Selsingen (Niedersachsen). Besonders erschreckend: Schon mehr als 40 Prozent der Viertklässler kennen Schmerzen im Rücken.

Ursachen für Rückenschmerzen sind nach Angaben des Experten nicht nur Bewegungsmangel oder eine falsche Ernährung, sondern auch falsche Möbel. Man sitzt häufig und lange falsch oder schläft auf der falschen Matratze.

„Als Prävention und Hilfe gegen Rückenbeschwerden darf nicht nur der Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet sein”, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn. Auch zu Hause müsse dem Aspekt Ergonomie zentrale Bedeutung zugemessen werden - und nicht nur dem Design der Inneneinrichtung. Auf Rückenkomfort sei insbesondere bei Stühlen, Sesseln, Betten und Küchenmöbeln zu achten.

Sofas dienen zu Hause zum Ausspannen und Relaxen. „Um den Rücken zu schonen, darf aber - besonders bei kleineren Menschen - die Sitzfläche nicht zu tief sein”, sagt Geismann. Nur so sei es möglich, aufrecht zu sitzen. Dabei sollte die Sitzfläche so hoch sein, dass Ober- und Unterschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. „Außerdem gilt es, so weit hinten zu sitzen, dass der Rücken die Lehne berührt.”

Ein Ruhe- oder Fernsehsessel mit motorbetriebener Aufstehhilfe ist vor allem für Ältere und Menschen mit Osteoporose, Rheuma oder Rückenleiden eine große Erleichterung. Der Sitz werde bei dieser Art von Sessel in eine so aufrechte Position gefahren, dass der Sitzende relativ leicht aufstehen könne, erklärt die Stiftung Warentest in Berlin. Für manchen Pflegebedürftigen sei dies ein kleines Stück mehr Freiheit.

Der Stuhl im Esszimmer muss gerade in Zeiten, wo sich Familienleben und das Empfangen von Gästen oft am Esstisch abspielen, eine möglichst häufige Änderung der Haltungen zulassen. Denn langes, unbewegliches Sitzen kann zu Schmerzen und Verspannungen führen. „Besonders zu empfehlen sind sehr bequeme Esssessel, in denen man es einige Stunden aushält. Da muss man bei einer Feier nicht unbedingt aufs Sofa ausweichen”, sagt Geismann.

Viel Zeit verbringen manche auch am Herd und an der Spüle: „Beim Kochen und bei Küchenarbeiten führen falsche Höhen der Arbeitsflächen nicht selten zu Rückenschmerzen”, sagt Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK) in Mannheim. Dies zeige eine Ergonomiestudie der Technischen Hochschule Darmstadt für die AMK. Bereits eine längere Rückenbeugung nach vorn führe zu einseitiger Bandscheibenbelastung und damit auf Dauer zu Rückenbeschwerden.

Die ideale Arbeitshöhe in der Küche liegt den Angaben zufolge 10 bis 15 Zentimeter unterhalb der Ellenbogenhöhe. Eine Arbeitsplatte mit durchgängig gleicher Höhe sei aber für die richtige Körperhaltung nicht ideal. „Es ist besser, wenn das Kochzentrum wegen der Arbeit mit Töpfen und Pfannen tiefer liegt”, sagt Stingel. So kann man gut darin rühren.

Günstig für den Rücken sei es auch, häufig genutzte Geräte wie Kühlschrank, Backofen oder Geschirrspüler in Greifhöhe einzubauen. Um den Rücken zu entlasten, sollten schwere Gegenstände übersichtlich in voll ausziehbaren Schubladen und nicht zu hoch in Oberschränken untergebracht werden.

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Wer sich daher morgens wie gerädert fühlt oder Verspannungen und Rückenschmerzen wahrnimmt, sollte sich Gedanken über sein Bett machen.

„Egal ob Schaum, Latex oder Federkern - es gibt gute Matratzen-Qualitäten, bei denen die Wirbelsäule richtig gelagert und die natürliche Form des Rückgrats unterstützt wird”, sagt Stingel. „Um eine optimale Unterstützung zu gewährleisten, sollte die Matratze so beschaffen sein, dass ausgeprägte Körperpartien wie Becken oder Schulter in Seitenlage absinken können.”

Daneben müssen gute Matratzen ein Hohlkreuz von unten abstützen, so dass der Körper wirklich gerade liegt. „Ein Nachteil besonders für Rückenkranke ist allerdings, dass Latexmatratzen erheblich schwerer als Schaumstoffmatratzen sind.” Dies erschwere das empfohlene Wenden der Matratze beim Beziehen.

In vielen Schulen müssen die im Vergleich zu früheren Generationen immer größer werdenden Kinder auf sehr alten, zu kleinen Stühlen sitzen. „Eltern sollten zumindest zu Hause einen ergonomisch gut gestalteten Platz für die Hausaufgaben einrichten”, rät Stingel. „Der Arbeitsstuhl sollte sich nicht nur an die Körpermaße des Jugendlichen anpassen lassen, sondern auch bequem sein.

Sonst fühlt sich der Schüler auf seinem Stuhl unwohl, kann sich nicht so gut konzentrieren und wird leicht zappelig.” Die Konstruktion des Stuhls sollte dem Kind auch keine starre Sitzhaltung aufzwingen, sondern ein dynamisches Sitzen ermöglichen.
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