Das Körperzentrum stärken: Straffe Muskeln durch Pilates

Von: Cornelia Wolter, dpa
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Alle Bewegungen sollen vom Körperzentrum ausgehen - das ist das Entscheidende bei Pilates. Foto: dpa

München/Mühltal. Knackiger Po, flacher Bauch, Schönheit - die Buchtitel zum Thema Pilates versprechen vieles. Und Madonna, bekennender Pilates-Fan, scheint mit ihrem perfekt durchtrainierten Körper der lebende Beweis zu sein, dass dieser Sport zu einer definierten Figur ohne ein Gramm Fett verhilft.

Dahinter steckt viel Arbeit, sagt Michaela Bimbi-Dresp, Trainerin in München und Autorin eines Pilates-Standardwerks. Zwar lassen sich eine schlankere Taille oder ein besser trainierten Po durch gezielte Übungen durchaus erreichen. Für die Trainerin geht es bei dem Sport aber um mehr: „Wer regelmäßig Pilates macht, verbessert seine Haltung und beugt Rückenverletzungen vor.”

Pilates wird mit oder ohne Geräte betrieben. Viele dieser speziellen Geräte wurden von dem 1880 nahe Düsseldorf geborenen Joseph Hubertus Pilates konstruiert. Insgesamt gibt es rund 400 Geräteübungen. Sie werden etwa am sogenannten Reformer ausgeführt, der optisch einer Rudermaschine ähnelt, oder am Cadillac, einem Gestell, das ein wenig an ein Gitterbett erinnert. Der Trainingseffekt ergibt sich daraus, dass der Sportler gegen Federwiderstände oder die Schwerkraft arbeitet. Seit dem Tod des Meisters 1967 sind teilweise neue Geräte und Übungen entstanden.

Zwar erfinden einige Trainer Untergruppen oder geben dem Sport einen speziellen Namen, etwa „Medical Pilates”. Im Wesentlichen wird aber zwischen zwei Strömungen unterschieden: der klassischen - ihre Vertreter halten sich genau an die Lehren Pilates - und der zeitgenössischen. Bei letzterer werden moderne medizinische und physiologische Erkenntnisse einbezogen und einige Übungen entsprechend angepasst.

„Bei allen Pilates-Bewegungen ist das Entscheidende, dass sie vom Körperzentrum ausgehen”, erläutert Bimbi-Dresp. Das gilt auch für die Boden- und Mattenübungen ohne Geräte. Die Körpermitte, im Pilates auch Powerhouse genannt, befindet sich in der Nähe des Bauchnabels. Es geht aber nicht etwa nur um das Training der Bauchmuskeln. Auch die Muskulatur von Rücken und Beckenboden ist wichtig. Das Zusammenspiel aller Muskeln soll das Körperzentrum und die Wirbelsäule stabilisieren.

„Pilates ist für fast jeden Menschen jeden Alters geeignet”, sagt Verena Geweniger vom Deutschen Pilates Verband (DPV) in Mühltal (Hessen). Voraussetzung ist ein guter Trainer, der in der Lage ist, individuell auf seine Kunden einzugehen. Da „Pilates-Lehrer” aber keine geschützte Berufsbezeichnung ist, sollten Interessierte sich erkundigen, ob und wo der Kursleiter eine Ausbildung absolviert hat.

Die bundesweit zehn vom DPV anerkannten Ausbildungsinstitute - darunter PowerPilates in Hamburg, Stott Pilates oder Basi Pilates in München und Pilates New York in Stuttgart - haben einen einheitlichen Qualitätsstandard. An diesen Instituten müssen die angehenden Trainer fundiertes Wissen aus den Bereichen Anatomie, Bewegungs- und Trainingslehre nachweisen und ein umfangreiches Übungsrepertoire verinnerlicht haben. Das befähige sie, auf spezielle Bedürfnisse oder eventuelle Vorerkrankungen der Kursteilnehmer einzugehen und geeignete Übungen auszusuchen, erklärt Geweniger.

Die sechs entscheidenden, heute noch gültigen Prinzipien des Sports fasste Pilates bereits vor rund 100 Jahren unter dem Begriff „Contrology” zusammen. Dazu zählte er unter anderem die feste Ausatmung, die für die Aktivierung der tiefen Muskulatur sorgt. Außerdem ist es wichtig, die Übungen konzentriert und präzise auszuführen. Das hat laut Bimbi-Dresp den positiven Nebeneffekt, dass die Teilnehmer während der Bewegungen die Außenwelt vergessen, abschalten und sich hinterher geistig erfrischt und entspannt fühlen.

„Die Übungen beziehen fast immer den ganzen Körper mit ein. Es werden nicht nur einzelne Muskeln, sondern ganze Muskelketten trainiert”, sagt auch Prof. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. Pilates kann zu einer Leistungssteigerung bei anderen Sportarten führen. Allerdings dürften insbesondere zwei Personengruppen diesen Sport nicht betreiben, warnt der Sportmediziner: Menschen mit einem Bandscheibenproblem oder Menschen mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung. Diese Einschränkungen gelten aber nur, wenn die Beschwerden akut sind.

Wer einmal einen Bandscheibenvorfall hatte oder Rheumatiker ist, aber gerade keinen akuten Schub hat, kann an speziell auf die Vorerkrankung abgestimmten Pilates-Stunden teilnehmen. Für Menschen, die einen Bandscheibenvorfall hatten, ist - nach einer gewissen Zeit - Pilates sogar empfehlenswert. „Mit dem muskulären Aufbau des Powerhouses wird die Wirbelsäule stabilisiert und der Rücken gestützt”, erklärt Bimbi-Dresp. Einige Physiotherapeuten mit der Zusatzqualifikation Pilates-Lehrer wenden deshalb auch Pilates-Übungen zur Rehabilitation an.

Zum Abnehmen nur bedingt geeignet

Ein besseres Körperbewusstsein, graziösere Bewegungen, eine straffe Muskulatur und durch das Training der tiefen und oberflächlichen Rumpfmuskulatur weniger Haltungsprobleme: Das verspricht Pilates-Trainerin Michaela Bimbi-Dresp jedem, der korrekt und regelmäßig, also zwei bis dreimal pro Woche trainiert. Pilates rege zwar auch wie jeder Sport die Fettverbrennung an, aber: „Wer 20 Kilo abnehmen will, muss schon seine Ernährung umstellen und einen Ausdauersport wie Joggen oder Schwimmen betreiben”, rät sie.

Literatur: Michaela Bimbi-Dresp: Das goße Pilates-Buch, GU, ISBN: 978-3-77427-209-5, 19,90 Euro.
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