Cytomegalie: Gefährliche Viren für Kinder im Mutterleib

Von: Christiane Löll, dpa
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Das undatierte Foto zeigt mit einem rekombinanten Cytomegalievirus infizierte Zellen (Virusprotein: grün-fluoreszierend). Die Zellen sind, abhängig vom Stadium der Infektion, unterschiedlich stark grün gefärbt. Foto: dpa

Hamburg. Sie schlummern lebenslang im Körper und machen vielen Menschen zunächst wenig Ärger: Die Cytomegalie-Viren. „Doch für die ungeborenen Kinder von Schwangeren, Menschen mit einem transplantierten Organ und mit einem schwachem Immunsystem stellen sie eine große Gefahr dar”, sagt Prof. Wolfram Brune vom Heinrich- Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, in Hamburg.

Mit seinem Team erforscht Brune die heimtückischen Viren. „Die Viren werden durch das Immunsystem meistens in Schach gehalten, aber nie ganz beseitigt”, sagt Brune. „Wir möchten herausfinden, wie sie sich dem Abwehrsystem entziehen.”

Cytomegalie-Viren gehören zu den Herpesviren, zu denen auch die Auslöser für Lippenherpes oder Windpocken gehören. All diesen Herpesviren ist gemeinsam, dass sie sich nach einer Erstinfektion im Körper des Menschen einnisten. Cytomegalie-Viren (CMV) beispielsweise halten sich in der Lunge, Milz und Leber, den Speicheldrüsen und im Knochenmark auf.

Wenn sie den Körper eines Menschen entern, befallen die Cytomegalie-Viren sogenannte Makrophagen. Diese gehören zum Immunsystem und kommen herbei, wenn Krankheitserreger auftauchen. „Sie fressen diese sozusagen, und sterben dann oft selbst.” Dieses „Selbstmordkommando” werde aber gestört durch die Cytomegalie-Viren. Diese nutzen die Zellen des Immunsystems, um sich im Körper zu verbreiten. Zudem beeinträchtigt das Virus die Blutbildung.

Brune hat beispielsweise herausgefunden, dass die Cytomegalie- Viren durch mehrere Proteine den Zelltod der Makrophagen verhindern. Er hat auch versucht, die Erbinformation dieser Eiweiße zu beeinflussen und somit auch das Virus. An einem Impfstoff werde in anderen Zentren und vonseiten der Industrie gearbeitet, bis dieser zur Verfügung stehe werde es aber noch einige Jahre dauern.

Gesunde Menschen haben laut dem Mediziner in der Regel kaum Symptome bei einer ersten Infektion. „Dazu gehört eine gewisse Abgeschlagenheit, eventuell sind die Mandeln oder einige Lymphknoten geschwollen, selten sind die Leber und Milz vergrößert”, sagt der Mediziner Brune. Man gehe davon aus, dass etwa die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland und auch der Schwangeren mit dem Virus infiziert sei.

Übertragen wird das CMV durch Speicheltröpfchen, Blut sowie Samen- und Vaginalflüssigkeit. Es kommt auch im Urin vor. Besonders Kleinkinder sind eine Quelle der Ansteckung, schreibt das Deutsche Grüne Kreuz für Gesundheit (DGK) in einer Aufklärungsbroschüre.

Wenn eine Schwangere zum ersten Mal in Kontakt mit CMV kommt, so hat sie keine Antikörper, die sie selbst und das ungeborene Kind schützen können. „In etwa 30 Prozent der Fälle ist das Kind nach der Geburt infiziert. Und wiederum zehn Prozent dieser infizierten Kinder tragen teilweise gravierende Schäden davon, wie eine Schwerhörigkeit, eine geistige Behinderung oder eine zu große Milz oder Leber”, sagt Brune. Laut DGK sterben jährlich 40 Neugeborene an den Folgen einer CMV-Infektion ihrer Mütter während der Schwangerschaft.

Werdende Mütter können mit einem Bluttest herausfinden, ob sie Antikörper gegen CMV haben oder nicht. Die Kosten dafür müssen sie jedoch in der Regel selbst zahlen. „Liegt eine frische CMV-Infektion vor, so kann man gegebenenfalls mit Immunglobulinen behandeln”, sagt Brune. Doch die Wirksamkeit sei noch nicht eindeutig bewiesen.

Eine weitere gefährdete Bevölkerungsgruppe sind Menschen nach einer Transplantation. „Etwa 20 bis 30 Prozent aller Transplantierten haben CMV-Infekte nach dem Eingriff”, sagt Prof. Björn Nashan, Direktor der Klinik für Hepatobiliäre Chirurgie und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Daher werde vor der Transplantation der CMV-Status des Empfängers und des Spenderorgans überprüft.

Sei ein Spenderorgan von dem Virus befallen, so erhielten die Patienten vorsorglich antivirale Medikamente. Zudem gebe es Möglichkeiten bei der Auswahl der Präparate, die den Körper vor der Abstoßung des Organs bewahren sollen, sogenannte Immunsuppressiva. Die Menge und Art dieser Substanzen bestimme das Risiko mit, ob die Patienten an CMV erkranken. „In seltenen Fällen kann es zu einer schweren Form kommen, bei dem das neue Organ nach und nach abgestoßen wird”, sagt Nashan.
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