Blasenentzündungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Frauen

Von: Barbara Driessen, epd
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Köln. Für Lotte Heinrich (66) ist das Thema Blasenentzündung mit einer langen Leidensgeschichte verbunden: „Bestimmt zehn bis 15 Jahre hatte ich damit zu kämpfen”, sagt die Rentnerin aus Mülheim an der Ruhr. „Ich hatte sie eigentlich fast ununterbrochen: Kaum war die eine am Abheilen, da bekam ich schon wieder die nächste.” <br />

Schon das kleinste Brennen beim Gang zur Toilette machte sie nervös. Blasenentzündungen sind eine der häufigsten Erkrankungen bei Frauen: Etwa 50 bis 70 Prozent sind mindestens einmal im Leben davon betroffen.

„Normalerweise nimmt man seine Blase gar nicht wahr”, sagt Wolfram Jäger vom Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Frauenklinik am Uniklinikum Köln. „Wenn Sie aber - praktisch von jetzt auf gleich - ein Brennen beim Wasserlassen spüren, ziehende Unterbauchschmerzen haben und trüben oder blutigen Urin, haben Sie wahrscheinlich eine Blasenentzündung”, erklärt der Medizinprofessor.

Am häufigsten wird die sogenannte Zystitis durch Magen-Darm-Bakterien namens Escherichia coli hervorgerufen, die durch die äußere Harnröhre bis in die Blase wandern und dort die Schleimhaut reizen. Der Körper reagiert, indem er Entzündungsstoffe ausschüttet, die das Brennen hervorrufen.

Wer ganz sichergehen will, ob er an einer Blasenentzündung leidet, kann sich mit einem Urinschnelltest aus der Apotheke behelfen. Mittels einer Farbskala kann schnell nachgewiesen werden, ob eine Entzündung vorliegt.

Wichtig ist es dann, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen: „Durch das viele Trinken werden die Bakterien aus der Blase gespült”, sagt Wolfram Jäger. Zudem ist es vor allem konzentrierter Urin, in dem sich viele Mineralstoffe und wenig Wasser befinden, der beim Wasserlassen schmerzt. Dabei ist es egal, ob man Heißes oder Kaltes trinkt: „Hauptsache, es ist harntreibend”, meint Jäger.

Generell aber helfe Wärme, um die Schmerzen zu lindern und sich zu entspannen. Falls die Symptome trotzdem länger als zwei Tage anhielten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Viele Blasenentzündungen können mit der richtigen Sorgfalt vermieden werden.

Mangelnde Hygiene oder eine falsche Wischtechnik beim Toilettengang können die Ursachen sein. Es sollten dabei möglichst keine Krankheitserreger aus dem Darm in die Scheide gelangen.

Auch Geschlechtsverkehr ist eine häufige Ursache, was Gynäkologen gern als „Honeymoon-Zystitis” bezeichnen. Durch die Bewegungen beim Sex können Bakterien aus der Scheide in die Harnwege gelangen. Experten raten daher dazu, direkt anschließend zur Toilette zu gehen.

Kaltes und nasses Wetter begünstigen eine Blasenentzündung, so dass auch die richtige Kleidung schützen kann. „Bei Kälte kommt es zu einer Gefäßverengung, weshalb Abwehrzellen weniger schnell an den Ort des Geschehens gelangen können”, sagt Jäger. Kalte Füße verursachen demnach zwar nicht direkt eine Blasenentzündung, sorgen aber dafür, dass das Immunsystem geschwächt ist und schädliche Erreger es dadurch leichter haben.

Männer sind aus anatomischen Gründen viel seltener von einer Blasenentzündung betroffen. „Nur etwa zwei bis zehn Prozent der männlichen Bevölkerung bekommt im Lauf ihres Lebens eine Blasenentzündung”, sagt der Urologe Sebastian Rogenhofer von der Uniklinik Bonn. Sie sind weniger anfällig, weil die Harnröhre bei Männern länger sei und die Erreger es weiter hätten.

Dafür ist eine männliche Blasenentzündung in aller Regel umso schwerwiegender: „Es liegt nahezu immer eine Entzündung des umliegenden Gewebes wie der Prostata oder den Nebenhoden vor und es muss mittels Antibiotika therapiert werden”, sagt Rogenhofer. Männer sollten also immer zum Arzt gehen.

Doch auch bei Frauen können Blasenentzündungen sehr schmerzhaft und langwierig sein. Für Lotte Heinrich bedeuteten sie viele Jahre lang eine deutliche Minderung ihrer Lebensqualität: „Ich hatte selbst Angst vor fremdem Toilettenpapier. Man tut dann alles, um panisch rein zu sein.”

Die Mülheimerin nahm oft mehrmals im Jahr ein Antibiotikum. In ihrer Verzweiflung ließ sie auch eine Blasenspiegelung und eine Blasenpunktion vornehmen, doch ohne Ergebnis. Schließlich versuchte es eine neue Gynäkologin bei ihr mit einer Impfung gegen Blasenentzündung, die allerdings von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht getragen wird. Der Impfstoff enthält abgetötete Escherichia-coli-Bakterien, die das Immunsystem anregen sollen.

Für Lotte Heinrich war es der Wendepunkt: „Ich bin jetzt seit Jahren ohne Probleme”.
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