Wiesbaden - Bewegung in Zeitlupe? Früherkennung kann Parkinson-Verlauf mildern

Bewegung in Zeitlupe? Früherkennung kann Parkinson-Verlauf mildern

Von: Cornelia Wolter, dpa
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Wiesbaden. Rücken- und Gelenkschmerzen, Verstopfungen und Depressionen: Das sind mögliche Symptome für die Parkinson-Krankheit. An dem Zittern, mit dem sie landläufig in Verbindung gebracht werde, leiden rund drei Viertel der Patienten, sagt der Neurologe Prof. Wolfgang Jost von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden.

„Parkinson ist vor allem eine Alterskrankheit”, ergänzt er. In Deutschland sind rund 250.000 Menschen betroffen, die meisten sind älter als 55 Jahre. Fünf bis zehn Prozent der Parkinson-Patienten erkranken allerdings schon vor dem 40. Lebensjahr. Der prominenteste dürfte der US-amerikanische Schauspieler Michael J. Fox sein.

Die auch als Schüttellähmung bekannte Krankheit ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Verantwortlich sind Degenerationsprozesse im Gehirn: Dabei sterben Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal ab. Diese Zellen verwenden zur Impulsweiterleitung den Botenstoff Dopamin. Bei Parkinson-Kranken wird durch die Degeneration der entsprechenden Nervenzellen immer weniger Dopamin bereitgestellt.

„Eines der Hauptsymptome ist die Verlangsamung der Bewegungsabläufe”, erklärt Ilona Csoti von der Gertrudis Klinik in Leun-Biskirchen (Hessen), einer Einrichtung, die zum bundesweiten Kompetenznetz Parkinson gehört. Die verlangsamten Bewegungen zeigen sich etwa beim Zähneputzen oder Anziehen. „Riech- und Schlafstörungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen sind weitere Indikatoren”, sagt Csoti.

Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, der Verlauf kann aber durch Medikamente verlangsamt werden. Diese ersetzen vor allem den fehlenden Botenstoff Dopamin.

„Ehepartner oder enge Freunde erkennen häufig zuerst, dass etwas nicht stimmt”, erläutert Csoti. Angehörige sollten aufmerksam werden, wenn sie beobachten, dass sich etwa das Schriftbild verändert. Ebenso sind starre Gesichtszüge ein mögliches Symptom. „Auch Veränderungen beim Schlafen können ein Anzeichen sein”, sagt Jost. Aufgrund von Schlafstörungen träumten Parkinson-Patienten beispielsweise nicht nur vom Boxen, sondern führten tatsächlich Boxbewegungen im Schlaf aus.

Begleitet wird die Medikamententherapie von Physio- und Ergotherapie und wenn nötig logopädischen Behandlungen, erklärt Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer der Deutschen Parkinson Vereinigung in Neuss. Welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden, hängt auch vom Alter des Behandelten ab. „Ein jüngerer Patient, der noch im Berufsleben steht, muss anders therapiert werden als eine Siebzigjährige.”

Parkinson bedeute keinesfalls automatisch die Frühverrentung. „In den ersten sieben, acht Jahren kann man auf jeden Fall arbeiten.” Wie es dann weitergeht, hängt im Wesentlichen davon ab, inwieweit der Job feinmotorische Fähigkeiten verlangt. Denn diese sind durch die Erkrankung beeinträchtigt. „Ein technischer Zeichner wird es da schwerer haben, seinen Beruf auszuüben, als ein Sachbearbeiter.”

Eine psychologische Betreuung der Betroffenen hält Mehrhoff für sehr wichtig. Neben den Krankheitssymptomen belasten viele Patienten und ihre Familien nämlich auch die Nebenwirkungen der Medikamente. „Es kann etwa zu einem gesteigerten Sexualtrieb kommen oder auch zu einem Libidoverlust”, erklärt Mehrhoff. Es sei vielen Patienten peinlich, darüber zu reden. Therapien oder Selbsthilfegruppen können helfen, besser mit der Diagnose und ihren Folgen umzugehen.

„Bei Parkinson haben die Patienten vieles selbst in der Hand”, sagt Csoti. Die Lebenserwartung sei durch die moderne Therapie nicht wesentlich beeinträchtigt. Neben Medikamenten sind regelmäßige Bewegung, ein Gleichgewichts- und Krafttraining sowie eine gute seelische Balance wichtig. „Betroffene sollten etwas unternehmen, das ihnen gut tut”, sagt die Neurologin. Das könnten Entspannungsübungen oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe sein.

Auch vorbeugend lasse sich etwas gegen Parkinson unternehmen. „Es gibt Studien, die mediterraner Kost mit Olivenöl und viel Gemüse gute Resultate bescheinigen.” Ein genussvoller Lebensstil kann ebenfalls ein gutes Mittel gegen Parkinson sein. Denn oftmals erkranken eher Menschen daran, die sehr ordentlich und diszipliniert sind. „Wer sich hin und wieder belohnt und sich Zeit nimmt, schöne Dinge zu genießen, ist weniger gefährdet, zu erkranken”, sagt Csoti.

Tipps zur Vorbeugung

Grüner Tee und dunkle Früchte wie Brom- oder Heidelbeeren können womöglich Parkinson vorbeugen. Allerdings: „Da giftige Spritzmittel als ein möglicher Auslöser für Parkinson gelten, sollte man Obst und Gemüse immer sehr gründlich waschen”, rät Ilona Csoti von der Gertrudis Klinik in Leun-Biskirchen. Zwar seien solche Gifte in Europa nicht zugelassen, aber gerade bei Produkten aus Übersee wie Bananen bestehe die Gefahr, mit solchen Mitteln in Kontakt zu kommen.

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