Besser keine Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Von: dapd
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Cambridge. Die Einnahme leichter Schmerzmittel während der Schwangerschaft kann Auswirkungen auf die spätere Zeugungsfähigkeit des männlichen Nachwuchses haben. Darauf deutet eine Studie eines internationalen Forscherteams hin, bei der die gängigen Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen im Fokus standen.

Demnach steigt durch diese Substanzen das Risiko, einen Sohn zur Welt zu bringen, der eine Lageanomalie des Hodens - auch Kryptorchismus genannt - aufweist. Diese Fehlentwicklung kann im späteren Lebensalter zu einer schlechteren Samenqualität und Hodenkrebs führen.

Zu ihren Ergebnissen kamen die Wissenschaftler um Henrik Leffers vom Rigshospitalet in Kopenhagen durch Befragungen über den Schmerzmittelkonsum während der Schwangerschaft und den späteren Gesundheitszustand der männlichen Babys.

Diese Ergebnisse untermauerten sie darüber hinaus mit Untersuchungen an Ratten. Über die Studie berichtet das Forscherteam im Fachjournal „Human Reproduction”. Sowohl in schriftlichen als auch in telefonischen Befragungen sammelten die Wissenschaftler bei 834 Frauen aus Dänemark Informationen über den Gebrauch von Schmerzmedikamenten während der Schwangerschaft.

Sie dokumentierten für die Studie außerdem die Häufigkeit von Kryptorchismus bei den männlichen Neugeborenen dieser Frauen. In Dänemark kommen im Durchschnitt etwa 8,5 Prozent der Jungen mit dieser Lageanomalie des Hodens zur Welt, bei der einer der Hoden im Körper verbleibt und nicht in den Hodensack wandert.

Den Ergebnissen zufolge hatten 57 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft Schmerzmittel eingenommen. Der Vergleich mit den Schwangeren, die keinerlei Schmerzmedikamente konsumiert hatten, zeigte: Die Ungeborenen scheinen besonders zwischen dem vierten und dem sechsten Monat empfindlich auf die Schmerzmedikamente zu reagieren.

Ibuprofen und Acetylsalicylsäure vervierfachten in dieser Zeit das Kryptorchismus-Risiko für männliche Babys, Paracetamol verdoppelte es. Besonders problematisch sei allerdings die Kombination aus verschiedenen Schmerzmitteln, schreiben die Forscher. In diesem Fall stieg das Risiko für die Fehlentwicklung der Genitalien auf das 16-fache.

Um die körperlichen Hintergründe dieser Zusammenhänge zu untersuchen, analysierten die Forscher außerdem die Auswirkungen von Paracetamol auf trächtige Ratten. Dabei konnten sie zeigen, dass das Schmerzmittel auch im Tiermodell die Entwicklung der Genitalien negativ beeinflusst.

Die Untersuchung der Rattenföten zeigte außerdem eine Wirkung auf den Hormonhaushalt in den Hoden: Hier war der Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron um die Hälfte geringer als bei den Vergleichstieren.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen eine mögliche Ursache für die sinkende Fruchtbarkeit bei Männern in den vergangenen Jahrzehnten. Sie betonen, dass weitere Studien folgen müssen, um noch genauere Informationene zu der Wirkung der Schmerzmedikamente in der Schwangerschaft zu gewinnen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Studie empfiehlt Henrik Leffers allerdings jetzt schon: „Schwangere sollten den Rat eines Arztes aufsuchen, bevor sie Schmerzmittel einnehmen. Generell gilt: Während der Schwangerschaft so wenige Medikamente wie möglich”.
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