Hadamar - Besser getrennte Therapie von Männern und Frauen

Besser getrennte Therapie von Männern und Frauen

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
sucht3_
Letzter Ausweg Sucht? In der Gruppe arbeiten Therapeuten mit den Patienten gemeinsam andere Lösungsformen für ihre Probleme auf.

Hadamar. Suchtkranke Frauen lassen sich mit größerem Erfolg therapieren, wenn sie nicht zusammen mit männlichen Patienten untergebracht werden. „Frauen und Männer sind eben auch in ihren Erkrankungen anders, und wenn Frauen und Männer gemeinsam auf Stationen sind, brechen überproportional viele Frauen ihre Therapie erfolglos ab”, sagte die Abteilungsärztin an der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie im westhessischen Hadamar, Margarethe Philipp, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Klinik für forensische Psychiatrie nimmt Patienten auf, die wegen einer Straftat verurteilt wurden, die in Zusammenhang mit ihrer Alkohol- und Drogensucht steht.

Bei gemischten Stationen gingen 83 Prozent der Frauen von der Klinik ins Gefängnis, weil ihre Therapie keine Aussicht auf Erfolg habe, aber nur 50 Prozent der Männer. „Das ist eine Disbalance höherer Ordnung”, sagte Philipp. Die also Geschlechtern getrennte Therapie ist nach Angaben Philipps in Deutschland noch selten.

Nicht nur die Delikte seien bei Frauen und Männern verschieden, sondern auch ihre Lebensgeschichten, sagte Philipp. „Die allermeisten unserer Frauen sind wegen Handelns mit Drogen verurteilt worden, bei den Männern sind es meist Körperverletzungen und Eigentumsdelikte”, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Etwa neun von zehn Patientinnen litten zudem unter Persönlichkeitsstörungen, besonders als Folge erlebter sexueller, körperlicher oder seelischer Gewalt durch Männer.

„In gemischt-geschlechtlichen Gruppen verfallen die Frauen schnell in ihre alten Rollen zurück”, sagte Philipp. Sie ließen sich von Männern unterbuttern, machten sich abhängig und stellten oft ihr eigenes Wohl unter das der Männer. Diese spielten sich ihrerseits oft als „Herren im Haus” auf, seien sie doch ohnehin meist in deutlicher Überzahl. „Beide Geschlechter handeln so, wie sie es aus ihrem bisherigen Leben gewohnt sind - ein für die Therapie ungünstiges Milieu”, sagte Philipp.

Erhebungen zeigen laut Philipp, dass Frauen, die getrennt von Männern behandelt wurden, nach der Therapie und Bewährungszeit von etwa zwei Jahren weder in die Sucht zurückfallen noch straffällig werden. Vor der getrennten Unterbringung in der Klinik blieben nach der Therapie nur 40 Prozent der Frauen suchtfrei und nur jede zweite ohne Straftat.

Die Homepage wurde aktualisiert