Bei vielen Meniskusverletzungen helfen Krankengymnastik und Medikamente

Von: Barbara Erbe, dapd
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Düsseldorf/Köln/Schotten. Eine unglückliche Drehbewegung, ein jäher Sprung oder eine Dauerbelastung des Kniegelenks bringen es häufig an den Tag: Der Meniskus ist bei vielen Menschen nicht mehr ganz intakt.

Er dient im Knie als Stoßdämpfer und stabilisiert das Gelenk. „Oft stecken Verschleißerscheinungen dahinter”, berichtet der Düsseldorfer Orthopäde Thomas Pauly, Vorstandsmitglied im Deutschen Orthopäden-Verband. „Nicht nur, aber vor allem bei Sportlern führt starke Beanspruchung, manchmal auch Fehlbelastung des Kniegelenks zu kleinsten Rissen im Meniskusgewebe.” Wenn das Gewebe einmal vorgeschädigt sei, könne der Meniskus dann schon bei geringen Anstrengungen - zum Beispiel beim in-die-Hocke-Gehen - reißen, sagt Pauly. Ein Meniskusriss wird durch eine Kernspintomogrphie nachgewiesen, manchmal auch durch Ultraschall.

Diagnose per Kernspintomographie, Ultraschall oder Röntgen

Allerdings verursache nicht jede Meniskusverletzung auch Beschwerden, betont Pauly. Oftmals sei die umliegende Muskulatur in der Lage, das Knie ausreichend zu stützen und zu stabilisieren. Der Meniskus selbst schmerze ohnehin nicht, da er keine Nerven enthalte. „Was schmerzt, sind kleine Knorpelteilchen oder -fasern, die möglicherweise von ihm abreißen und vor allem die Kapsel des Kniegelenks beziehungsweise die Gelenkinnenhaut.”

Manchmal legt sich ein Meniskusteil in den Gelenkspalt und blockiert das Kniegelenk, berichtet der Mediziner. Eine solche Reizung führe dazu, dass der Körper dort Flüssigkeit ansammelt, um das Gelenk zu schonen. Ein Arzt könne einen solchen Kniegelenkerguss durch eine manuelle Untersuchung, Ultraschall oder ein Röntgenbild erkennen.

Physiotherapie stabilisiert Muskeln und Sehnen

Wird eine Meniskusverletzung festgestellt und bereitet sie Schmerzen beim Strecken und Beugen des Kniegelenks, wird der Orthopäde in der Regel zunächst eine konservative Therapie beginnen, berichtet Orthopädenverbandssprecher Pauly. „Der Patient bekommt dann entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente oder auch eine Elektrotherapie, um die Entzündung zu mildern, Verspannungen und verhärtete Muskeln zu lockern und gereizte Sehnen zu beruhigen.” Bessern sich die Beschwerden daraufhin, folgt Krankengymnastik.

In sechs bis zwölf Sitzungen lernt der Patient dabei, Muskeln und Sehnen so zu stärken, dass sie das Kniegelenk stabil halten und Bewegungsabläufe sicher koordinieren können, erläutert Sportphysiotherapeutin Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie: „Wer Muskeln und Gelenke stärkt und Koordination und Balance übt, kann damit bestenfalls sogar eine Operation abwenden.”

Bei blockiertem Gelenk hilft nur die Operation

Die kann durchaus nötig werden, wenn die Beschwerden nicht abklingen und das Gelenk dauerhaft blockiert ist, sagt die Schottener Chirurgin Kornelia Schnecker, Vertreterin des Hessischen Chirurgenverbandes. „Größere Meniskusrisse machen das Gelenk instabil und können die Druckverteilung im Kniegelenk ungünstig beeinflussen. Das wiederum führt zu verstärktem Verschleiß des umgebenden Knorpels.” Das schmerzt der Chirurgin zufolge nicht nur, sondern macht das Kniegelenk auch weniger belastbar und erhöht das Arthroserisiko.

Nähen statt entfernen

Wenn es zur Operation kommt, sollte so wenig wie möglich und so viel wie nötig entfernt werden, sagt Schnecker. „Wie viel Meniskusgewebe entfernt werden muss, hängt von Beschaffenheit und Verschleiß des Gewebes ab. Bei guter Gewebequalität kann zum Erhalt des Puffers und Druckverteilers auch genäht statt entfernt werden.” Dazu gebe es verschiedene Techniken, die ein Zusammenwachsen der zuvor gerissenen Meniskusanteile bewirken können, „vorausgesetzt, der Riss befindet sich in der durchbluteten Zone des Meniskus.”

Eine wichtige Vorentscheidung in Bezug auf die Therapie, davon ist Physiotherapeutin Merz überzeugt, fällen Betroffene in der Regel selbst, und zwar allein durch die Arztwahl: „Ein Orthopäde wird aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst konservativ behandeln, ein Chirurg wird eher die Operation im Blick haben.”

Nach einer Operation muss das Bein für einige Zeit entlastet werden. Wie lange und wie stark, ist den Experten zufolge von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie raten in jedem Fall zu krankengymnastischen Übungen, die nach einer Operation die Muskulatur stärken. Mit Sport könnten die meisten nach vier bis sechs Wochen wieder anfangen.

Damit es gar nicht erst zu Meniskusschäden kommt, rät die Kassenärztliche Bundesvereinigung dazu, die Muskeln vor dem Sport immer gut aufzuwärmen. Denn Aufwärmtraining verringere die Gefahr von Sportverletzungen - auch die eines Meniskusschadens.


Eine ambulante Kniespiegelung oder Arthroskopie ist ein deutlich kleinerer Eingriff als eine offen chirurgische Operation, nach der das Bein über mehrere Wochen ruhiggestellt werden muss. Darauf weist die Chirurgin Kornelia Schnecker hin.

Bei der Arthroskopie führt der Chirurg eine winzige Kamera und wenige Millimeter große Operationsinstrumente in das Gelenk ein. Mit Hilfe der Kameraaufnahmen, die auf einen Bildschirm vergrößert werden, kann die Verletzung behoben werden, ohne große Narben zu verursachen.

Nach der Kniespiegelung wird das Bein zunächst durch eine Schiene ruhig gestellt; nach etwa 14 Tagen kann in der Regel mit einer kräftigenden Krankengymnastik begonnen werden.

Literatur

Michael Vitek: „Hilfe für das Kniegelenk. Die besten Behandlungs- und Heilmethoden”, Goldmann Verlag, 2007, 7,95 Euro, ISBN: 978-3901794575.

Heike Höfler und Jörg Mair : „Das tut den Knien gut”. Blv Buchverlag, 2010, 12,95 Euro, ISBN: 978-3835406926.

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