Bei Kaufsucht sind Psychotherapie und Selbsthilfegruppe sinnvoll

Von: ddp
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Kaufsucht
Drei bis vier Prozent der Deutschen sind kaufsüchtig. In unserer heutigen Konsumgesellschaft bleibt die Kaufsucht im Gegensatz zu manch anderen Abhängigkeiten in der Regel lange unerkannt. Dabei ist das Suchtverhalten typisch. Es ist kompensatorisch, es folgt einem als unwiderstehlich empfundenen Impuls oder Zwang, das Interesse verengt sich ganz auf das Kaufen, die Dosis wird beständig gesteigert, und es zeigen sich Entzugserscheinungen. Foto: dapd

Saarbrücken. Manche Menschen können in Geschäften an keinem Regal vorbeigehen: Sie sind kaufsüchtig. Betroffen sind nach Angaben von Experten vor allem junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren.

Diese Sucht werde von ihnen selbst oft gar nicht erkannt, deshalb sollten Freunde und Familienangehörige das Verhalten gezielt ansprechen, erklärt Gernot Schiefer, Psychoanalytiker aus Saarbrücken. Meist sei dann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll. Denn die Kauforgien dienten häufig dazu, ein anderes Problem zu kompensieren, beispielsweise eine schwierige Beziehung oder ein geringes Selbstwertgefühl.

Laut Schiefer sollten sich die Betroffenen zudem einer Selbsthilfegruppe anschließen: „Der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten ist wichtig, um zu lernen, wie man der Versuchung widersteht, ständig einkaufen zu müssen.” Beispielsweise sollte man seine Kreditkarten abschaffen. Nur wer mit Bargeld zahle, sehe, wie viel er tatsächlich ausgebe - und das rege zur Sparsamkeit an. Hilfreich sei es auch, nur in Begleitung einer Vertrauensperson einzukaufen.

Die Kaufsucht gehört zu den Zwangsstörungen, also zu den psychischen Störungen, bei denen Betroffene einen immer größer werdenden Drang verspüren, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Schiefer erläutert: „Den Kaufsüchtigen ist es dabei häufig egal, was sie einkaufen, es geht ihnen einzig um den Akt des Kaufens.” Wird dieser unkontrollierbare Drang nicht befriedigt, machen sich Entzugserscheinungen wie Unruhe, Aggressionen oder Depressionen bemerkbar.

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