Berlin/Hamburg - Behörde und Ärzte empfehlen Entfernung der Billig-Brustimplantate

Behörde und Ärzte empfehlen Entfernung der Billig-Brustimplantate

Von: dapd
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Im Skandal um die möglicherweise schadhaften Brustimplantate der französischen Firma PIP raten nach dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun auch zahlreiche Ärzte-Fachgesellschaften zur Entfernung der Silikonkissen. Foto: dpa

Berlin/Hamburg. Im Skandal um die möglicherweise schadhaften Brustimplantate der französischen Firma PIP raten nach dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun auch zahlreiche Ärzte-Fachgesellschaften zur Entfernung der Silikonkissen.

Sie schlossen sich damit dem Appell der französischen Expertenkommission an. „Wir raten zu einer Entfernung ohne Eile”, teilten die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), die Deutsche Gesellschaft für Senologie, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie (GÄCD) am Montag mit.

Sie verwiesen auf die Gefahr eines Risses der Implantate. Es gebe auch Anzeichen dafür, dass das Silikon durch „Ausschwitzen” in das umliegende Gewebe austreten könne. Zudem sei noch ungeklärt, ob und wie giftig das verwendete Silikon sei. Die Ärzte forderten strengere Regeln für die Zulassung von Medizinprodukten und eine konsequentere Überwachung. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hält dies hingegen für unnötig. Bei den Brustimplantaten wurde billiges Industriesilikon statt medizinischen Materials verwendet.

Das BfArM hatte am Freitag zur Entfernung der umstrittenen Silikonkissen geraten und damit seine vor Weihnachten ausgesprochene Empfehlung verschärft, wonach betroffene Frauen einen Arzt aufzusuchen sollten, um die Implantate auf mögliche Rissbildungen prüfen zu lassen. Die Einlagen der französischen Firma stehen im Verdacht, schneller als andere Implantate zu platzen.

Implantate bei 128 Hamburgerinnen eingesetzt

Wie viele Frauen in Deutschland sich die Silikonkissen haben einsetzen lassen, ist noch nicht bekannt. Genaue Zahlen will das Bundesgesundheitsministerium bis Mitte Januar sammeln. Bislang können die Behörden nur Schätzwerte nennen. In Niedersachsen seien die Billig-Implantate in sieben Kliniken verwendet worden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums auf dapd-Anfrage. Wie viele Patientinnen betroffen seien, sei noch unklar.

Hamburg verzeichnet nach derzeitigem Stand die meisten Fälle. Bislang seien 128 Implantationen der umstrittenen Silikonkissen bekannt, teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde am Montag mit. In zwei Fällen seien Jahre nach den Operationen Risse aufgetreten. Ein Behördensprecher sagte dapd, die Abfrage bei Ärzten und Kliniken laufe erst seit einigen Tagen. Vermutlich liege die Gesamtzahl der eingesetzten Implantate des fraglichen Typs daher weit höher.

In Hessen standen sieben bis zehn Ärzte auf der Kundenliste des französischen Herstellers. Sie gehe aber eher von Einzelfällen aus, sagte eine Sprecherin des Ministeriums unter Vorbehalt. Die Abfrage bei den Ärzten laufe noch.

In Rheinland-Pfalz ist nach Angaben des Sozialministeriums nur eine Patientin betroffen. Die Implantate der Frau seien aus medizinischen Gründen inzwischen wieder entfernt worden. In Sachsen wurden die umstrittenen Silikonkissen laut „Leipziger Volkszeitung” bei 17 Patientinnen verwendet. Bei einer Patientin seien die Implantate wieder entfernt worden, die übrigen Frauen zeigten bisher keine Beschwerden oder Symptome, sagte ein Ministeriumssprecher.
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