Berlin - Auslandseinsatz stellt Gesundheit auf die Probe

Auslandseinsatz stellt Gesundheit auf die Probe

Von: Dirk Averesch, dpa
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Gesundheit / Auslandseinsatz
Einsatz in Uganda: Wer wie diese Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks für einige Zeit ins Ausland geht, sollte sich vorher ausführlich mit einem Arzt über die Gesundheitsrisiken unterhalten. Foto: dpa

Berlin. Leben und Arbeiten im Ausland: Diesen Traum haben viele. Nach der Schule oder während des Studiums zieht es junge Erwachsene als Freiwillige zu Entwicklungshilfeprojekten in alle Welt, andere reisen einfach umher und jobben dabei. Unternehmen entsenden häufig Mitarbeiter für längere Zeit in die Fremde. All diese Menschen sind mehr Gesundheitsrisiken ausgesetzt als Urlauber, die für 14 Tage in die Ferne fliege.

Eine gute Vorbereitung kann helfen, diese Gefahren kalkulierbarer zu machen. Dazu gehört eine Untersuchung, die neben der körperlichen auch die psychische Eignung hinterfragt, empfahlen Ärzte jüngst auf der Reisemesse ITB in Berlin.

„Wir sehen mehr an Erkrankungen”, stellt Tomas Jelinek, der Wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM), fest. „Es ist paradox, weil eigentlich jeder vor einem beruflichen Auslandseinsatz untersucht werden muss.” Das finde aber gar nicht statt: „Es gibt eine gewisse Nachlässigkeit und Impfmüdigkeit.”

Neben beruflich ins Ausland Entsandten, den sogenannten Expats, gibt es auch eine unüberschaubare Zahl junger Erwachsener, die es jedes Jahr zum Arbeiten oder Helfen in die Ferne verschlägt. Mehr als 1000 junge Leute im Alter zwischen 18 und 28 ziehen zum Beispiel jährlich unter dem Dach des „Weltwärts”-Programms des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in die Welt hinaus. Daneben gibt es noch mehr als 200 weitere Einrichtungen, die unabhängig vom DED arbeiten.

„Südamerika ist ein ziemlicher Renner, auch weil man in dem Jahr hofft, eine neue Sprache zu lernen”, ist die Beobachtung von Gunther von Laer vom Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes. Viele Länder dort und anderswo seien aber nicht in der Lage, einen Rettungsdienst oder eine medizinische Basisversorgung sicherzustellen. „Abseits der Zentren ist das große Fragezeichen da”, warnt von Laer. Leicht seien Reisende zwei Tage oder mehr vom nächsten guten Krankenhaus entfernt.

Wichtig für Auslandsreisende: In vielen Kliniken steht die Vorkasse mit Bargeld vor der Behandlung. Jeder sollte sich außerdem die weltweite Gültigkeit seiner Versicherung bescheinigen lassen, rät der Ministeriumsarzt: „Diese Bestätigung gehört in Englisch, Französisch und möglichst auch in der Landessprache ins Gepäck.”

Auch die Hausapotheke ist für Langzeitreisende wichtig. Schon ein Fläschchen Jod kann Gold wert sein: „Kleinste Hautverletzungen können sich in den Tropen schnell zu schweren Krankheiten ausweiten”, erklärt von Laer. Medikamente kommen am besten im Doppelpack mit auf die Reise: Eine Ration wird bei sich getragen, die andere bleibt in der Unterkunft. Unverzichtbar seien ein Impfpass mit Kopie und ein Zettel mit wichtigen Daten: Blutgruppe, Medikamente und ihre Dosierung sowie Telefonnummern und E-Mail-Adressen von der Familie, dem Arzt in Deutschland und der Versicherung sollten dort notiert sein.

Für die Betreuung ihrer „Expats” beauftragen Unternehmen immer öfter Firmen, die über Telefon-Hotlines beraten und bei Krankheiten vieles Notwendige veranlassen können. Auch der DED zum Beispiel ist im Notfall erreichbar und informiert Freiwillige vor ihrem Einsatz, etwa über das Risiko von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten bei ungeschütztem Sex. Die freiwilligen Helfer leben meist unter recht einfachen Bedingungen und haben am Einsatzort oft mit Malaria, Durchfall- und Hauterkrankungen sowie mit psychosomatischen Problemen zu kämpfen. Sie erkranken allerdings seltener als ältere Kollegen.

Oft klagen Menschen, die gerade eine Arbeit im Ausland begonnen haben, über Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder Bluthochdruck. Es könne eine „gewisse Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit im Hinblick auf alltägliche Probleme, die unüberwindbar erscheinen, auftreten”, erläutert der Psychiater und Psychotherapeut Helmut Müller-Ortstein.

Häufig träten auch Gefühle von Isolation und Entwurzelung auf. In dieser Situation kapselten sich einige Menschen ab oder griffen zur Flasche. „Die Kulturschock-Symptome können dabei beträchtlich in ihrer Anzahl, Dauer und Intensität zwischen betroffenen Menschen variieren und schon einmal eine Depression vortäuschen”, erklärte Müller-Ortstein.

Grundsätzlich bestehe bei Reisen immer die Gefahr von Angst- oder Suchterkrankungen. Fragen zu psychischen Vorerkrankungen und das Hinterfragen des Motivs des Auslandseinsatzes gehören dem Psychiater zufolge deshalb zu jeder ärztlichen Untersuchung vor der Ausreise. Abenteuerlust alleine sei für ein langfristiges berufliches Engagement im Ausland nicht ausreichend: „Auch die Tendenz, vor Berufsproblemen oder Partnerschaftsproblemen wegzulaufen, ist keine tragfähige Basis für einen längeren Auslandsaufenthalt.”
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