Köln - Apotheker fordern bessere Ratgeberbörsen für Medikamente

Apotheker fordern bessere Ratgeberbörsen für Medikamente

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Köln. Die Arzneimittel-Therapie für Patienten in Deutschland könnte nach Experten-Einschätzung über gezieltere Informationsangebote für Mediziner besser und sicherer werden.

Darauf hat Steffen Amann vom Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) am Freitag in Köln am Rande des „Ersten Kongresses für patientenorientierte Arzneimittelinformation” hingewiesen. „Das medizinische Wissen ist bei den Ärzten zwar vorhanden, wird aber nicht optimal eingesetzt”, sagte Amann als einer der Kongressleiter in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Ein Arzneimittel-Informationscenter als Ratgeberbörse, so wie es sie in Amerika und England schon gibt, sollte in den Kliniken angesiedelt werden, um Medizinern und Pflegern niedrigschwellig Arzneimittel-Informationen anzubieten”, empfahl Amann.

„Ein Spezialist in der internistischen Abteilung einer Klinik ist ja nicht automatisch auch Spezialist für stillende oder schwangere Frauen, muss für sie aber dennoch schnell und gezielt die richtige Therapie festlegen.” Ein Info-Center könne bei der Auswahl und Abstimmung der Medikamente im individuellen Einzelfall helfen, und dabei auch mögliche Wechselwirkungen verschiedener Wirkstoffe beachten.

„Auch für die Anwender, also vor allem die Pfleger, die in der Klinik manchmal zehn oder mehr Medikamente mittels Schläuchen verabreichen müssen, brauchen patientenspezifische Informationen”, sagte der ADKA-Sprecher.

Tatsächlich sei die Arzneimittel-Therapie im hektischen Klinikalltag derzeit „nicht optimal”, und das Info-Angebot für Ärzte im internationalen Vergleich sogar stark unterentwickelt. „Auch bei der Abstimmung sind wir von Perfektion weit entfernt, der Informationsfluss im Gesundheitswesen ist deutlich zu verbessern”, betonte der Pharmazeut - mit Blick auf oft gleichzeitig an einer Therapie beteiligte Krankenhausärzte, niedergelassene Mediziner, Pfleger, Apotheker oder Reha-Kräfte.

Jeder dritte Behandlungsfehler in der hausärztlichen Versorgung sei auf einen Fehler in der Arzneimitteltherapie zurückzuführen. Ein bis zwei Prozent aller Klinikpatienten seien allein wegen eines vorangegangenen Medikationsfehlers im Krankenhaus, sagte Amann. Der zweitägige Kölner Kongress mit mehr als 300 Ärzten und Apothekern soll einen Anstoß für die Errichtung von Info-Centern in Kliniken geben.

„Es geht darum, dem Arzt Wissen, das ja im System vorhandenen ist, im Moment der Therapie-Entscheidung konkret für seinen Patienten vorzulegen. US-Studien haben gezeigt, dass man damit auch die Sterbe- Zahlen deutlich senken kann.”

Auch aus finanzieller Sicht sei eine optimale Arzneimittel-Info lohnenswert: „Wenn die Arzneimittelinformation durch Krankenhausapotheker dazu beiträgt, dass die richtigen Medikamente in der richtigen Dosis verabreicht werden, lassen sich Folgebehandlungen und Folgekosten verhindern.”
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