Anrufen, bevor Schikane am Arbeitsplatz krank macht

Von: Jutta Geese
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Aachen. Annette Wilbers-Drerup ist eine Frau der ersten Stunde. Als vor zehn Jahren die Mobbing-Kontakt-Stelle im Bistum Aachen gegründet wurde, gehörte sie zum ersten Team von Ehrenamtlern, das - nach einer 40-stündigen Ausbildung - Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz telefonisch beriet.

Und sie ist immer noch engagiert, mittlerweile nicht nur am Telefon, sondern nach einer weiteren Ausbildung auch in der persönlichen Beratung. Heute feiert die Kontakt-Stelle ihren zehnten Geburtstag. Ein Grund zum Feiern?

„Es wäre gut, wenn sie nicht gebraucht würde”, sagt Heinz Backes von der Abteilung Pastoral in Lebensräumen im Bischöflichen Generalvikariat. Aber die Realität ist eine andere. Die Zahl derer, die am Mobbing-Telefon Rat suchen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Einen deutlichen Sprung gab es 2008/2009, sagt Backes. Riefen in den Jahren zuvor jährlich im Schnitt um die 200 Opfer an, sind es seither etwa 300. Ob dies ein Indiz dafür ist, dass immer mehr Menschen am Arbeitsplatz gemobbt werden, vermag Backes nicht zu sagen. Vielleicht, mutmaßt er, trauen sich einfach mittlerweile mehr Menschen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb ist er froh, dass die Träger der Mobbing-Kontakt-Stelle - das Bistum Aachen, der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW Süd-West, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Aachen und das Nell-Breuning-Haus Herzogenrath - bereit sind, die Stelle weiterhin zu tragen. Wobei sie sich über jede Spende freuen. Schließlich fallen pro Jahr zwischen 7000 und 10.000 Euro direkte Kosten an. Und im kommenden Jahr soll eine weitere Gruppe in der Telefonberatung erfahrener Ehrenamtler für die persönliche Beratung ausgebildet werden. Auch das kostet Geld.

Zuhören, reinfühlen, fragen

Zum Team der derzeit 40 Telefonberaterinnen und -berater gehören seit vielen Jahren auch Margret Gerdes, Karen Schmitt und Anne Hoven sowie seit einem Jahr Ursula Offermanns. Sie alle waren vor ihrem Einstieg auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe. „Mir persönlich geht es gut, ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben”, sagt etwa Karen Schmitt, die vor fünf Jahren über das Freiwilligenzentrum der Caritas zur Mobbing-Kontakt-Stelle kam.

Den Ablauf eines Beratungsgespräches am Telefon schildern die fünf Frauen übereinstimmend so: „Zuhören, reinfühlen, gezielte Fragen stellen, gar nicht unbedingt gleich Lösungswege aufzeigen.” Häufig wissen die Anrufer gar nicht, wo sie anfangen sollen zu reden, dann aber breche es aus ihnen heraus und man müsse das Ganze erstmal „entwuseln”. Sprich: herausfinden, was überhaupt los ist. Denn die Grenze zwischen persönlichen Problemen und Mobbing sei fließend.

Und was ist Mobbing? „Planmäßige, systematische, über einen längeren Zeitraum laufende Schikane”, sagt Annette Wilbers-Drerup. Das reiche von Abwerten der Person über das Streuen von Gerüchten und Ausschluss von Informationen bis hin zur Beschäftigung mit weniger qualifizierten Arbeiten. „Auf Dauer macht Mobbing krank”, betont Heinz Backes.

Damit es erst gar nicht dazu kommt, sollten Betroffene frühzeitig die Kontakt-Stelle anrufen, wünschen sich die Beraterinnen.

Kostenlose Hotline und Informationen im Internet

Ihren 10. Geburtstag begeht die Mobbing-Kontakt-Stelle im Bistum Aachen am heutigen Donnerstag, 3. November, 19 Uhr, in der Domsingschule am Katschhof in Aachen. Mitarbeiter und Trägervertreter geben dabei einen Einblick in ihre Arbeit.

Die Mobbing-Hotlineist montags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr besetzt. Aus dem Vorwahlbereich „02” ist sie unter ? 0800 182 0 182 zu erreichen (nicht über Handy). Der Anruf ist kostenlos.

Viele Informationen rund um das Thema Mobbing sowie eine Auflistung von Hilfsangeboten gibt es im Internet unter http://www.mobbing-kontakt-stelle.de.

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