Angehörige von Demenzkranken sollten sich frühzeitig Hilfe holen

Von: dapd
Letzte Aktualisierung:

Erlangen. Viele Menschen pflegen ihre an Demenz erkrankten Angehörigen Zuhause, ohne sich Hilfe und Unterstützung zu holen.

Sie versuchen, mit dem geliebten Menschen und seiner Krankheit allein umzugehen, fühlen sich verantwortlich und überfordern sich nicht selten damit. „Es ist sehr hart, den Verfall eines vertrauten Menschen mitzuerleben und es ist auch nicht leicht, mit Demenzkranken umzugehen”, sagt Richard Mahlberg, Gerontologe und Psychiater am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen. „Sie bringen vieles durcheinander, schlafen unregelmäßig und können umtriebig und sehr fordernd sein.” Diese sehr anstrengende Pflege bringe Angehörige manchmal an den Rand ihrer Kräfte und führe zu Burnout-Erscheinungen.

„Dabei gibt es in Deutschland ein gut organisiertes Hilfssystem mit vielen Beratungsstellen für pflegende Angehörige”, sagt Mahlberg. Demenzen zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Allein in Deutschland sind etwa eine Million Menschen erkrankt. „Das bedeutet aber eben auch, dass niemand mit seinem Schicksal allein sein muss.”

Beratungsstellen informieren über mögliche Hilfen

Mahlberg empfiehlt, dass pflegende Angehörige sich zunächst in einem Einzelgespräch bei einer Beratungsstelle darüber informieren sollten, welche Hilfe ihnen von staatlicher Seite zustehe und welche Kosten die Kranken- und Pflegekassen übernehmen. Das könne beispielsweise ein Angebot wie die Tagespflege oder Tagesstätte sein, in die die Erkrankten für einige Stunden am Tag gebracht werden könnten. „Die Angehörigen können in dieser Zeit arbeiten gehen oder einfach mal an sich selbst denken und Freunde treffen, statt sich rund um die Uhr aufzuopfern”, sagt Mahlberg.

Zusätzlich zu der Einzelberatung sei der Austausch in der Gruppe sehr hilfreich. Es gebe aber gerade in der Pflege von Demenzkranken das Phänomen des Hinterherlaufens. Die pflegenden Angehörigen warteten mit dem Hilfesuchen so lange, bis ein Problem als belastend empfunden wird. „Am besten ist es aber, bereits vor der Entscheidung, ob ein Angehöriger Zuhause gepflegt werden soll oder nicht, in eine Beratungsstelle zu gehen”, sagt Mahlberg. „Es erspart allen Beteiligten böse Überraschungen und Missverständnisse, wenn man weiß, was die Entscheidung für eine Pflege bedeutet.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert